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Europoly – Festival Performances und Filme über das neue alte Europa, Münchner Kammerspiele

17. bis 23. Februar 2016. -----

In Europa wird eine Krise nach der anderen ausgerufen. An diesen Dauerzustand haben wir uns längst gewöhnt. Doch hinter diesen Krisen stehen Menschen und ihre konkreten Lebensrealitäten. Deren Geschichten erzählen fünf neue Stücke von jungen Theatergruppen aus Deutschland, Griechenland, Irland, Litauen und Portugal sowie neun Kurzfilme, die eigens für das Festival entstanden sind.

 

In Griechenland und Spanien sind aus den außerparlamentarischen Bewegungen die Parteien Syriza und Podemos hervorgegangen und in Parlamente gewählt worden. Auf Grundlage dieser Erfahrungen diskutieren wir in der Gesprächsrunde DOING DEMOCRACY mit der ehemaligen griechischen Parlamentspräsidentin Zoi Konstantopoulou den Zustand der Demokratie und die Möglichkeit eines Plan B für Europa. Unter dem Titel BODIES OF WORK gehen drei Regisseure den unterschiedlichen Formen prekärer Arbeit im neuen Europa nach. Unter dem Titel EXTREME REALITÄTEN zeigen wir von Dorothee Wenner kuratierte Kurzfilme, die überraschende Unterschiede zwischen jeweils zwei Ländern unterhaltsam, aber auch tiefgründig ins Bild setzen.

 

Die rechtsextreme Partei Goldene Morgenröte will Griechenland von den Migranten „säubern“. Diese Rhetorik wenden die griechischen Regisseure Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris gegen sich selbst und fragen: Wer macht in diesem Land eigentlich sauber? Das waren in den 1980er Jahren Migranten aus den Philippinen, in den 90ern Migranten aus dem Balkan und dem ehemaligen Ostblock und seit 2000 vor allem Migranten aus Asien und Afrika. Reinigungskräfte der verschiedenen Einwanderergenerationen erzählen in CLEAN CITY von einer Arbeit, in der soziale Gegensätze alltäglich aufeinanderstoßen, und von Solidarität in Zeiten der Krise (17. und 18. Februar).

 

Der Supermarkt ist ein ganz alltäglicher, aber gleichzeitig auch hochsymbolischer Ort, an dem Geld gegen Waren getauscht wird und die Konsumgesellschaft heiß läuft. Die litauischen Künstlerinnen Rugil Barzdžiukait , Vaiva Grainyt und Lina Lapelyt geben zehn Kassiererinnen eine Stimme und fragen nach den Lebensgeschichten hinter ihrem mechanischen „Guten Tag, Auf Wiedersehen“. In der Musiktheaterinszenierung HAVE A GOOD DAY! singen prekär Beschäftigte ihre persönlichen Berichte aus dem Herzen des Kapitalismus (20. und 21. Februar).

 

Am Strand treffen Touristen und Geflüchtete zum ersten Mal aufeinander, zwei Lebenswelten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Geschichten von Invasion, Auswanderung und Krieg haben sich in diesen Ort der Freizeitkultur eingeschrieben. In THIS BEACH portraitiert die irische Theatergruppe Brokentalkers eine Familie, die ihre private Festung Europa gegen das Fremde verteidigt, das auf ihrem Territorium landet (17. und 19. Februar).

 

In MONDAY treten die portugiesische Choreografin Cláudia Dias und der spanische Schriftsteller Pablo Fidalgo Lareo gemeinsam in den Boxring. Sie kämpft mit Fäusten, er mit Worten. Seine Fragen treffen wie Kinnhaken, Privates und Politisches wird in 12 Runden ausgefochten. Beide gehören zu einer Gesellschaft, die schon oft zu Boden gegangen ist. Gerade deshalb halten sie ein kämpferisches Plädoyer, der Zukunft ohne Angst entgegen zu treten, immer gefasst auf den nächsten Schlag (21. und 22. Februar).

 

Das Berliner Medientheaterkollektiv machina eX übersetzt Computerspiele von der virtuellen in die physische Welt und programmiert daraus ein interaktives Game-Theater in der besten Grafik der Welt: der Realität. In LESSONS OF LEAKING gelangt eine junge Angestellte durch Zufall an streng geheime Informationen, deren Veröffentlichung erschütternde Konsequenzen für ganz Europa hätte. To leak or not to leak? In kleinen Gruppen spielt sich das Publikum durch einen Politthriller und trifft beim Lösen von Rätseln weitreichende Entscheidungen privater und politischer Natur (17. – 23. Februar).

 

KammerCampus #4: Flankierend zum Festival treffen sich in einer Masterclass 15 NachwuchskünstlerInnen aus den fünf Ländern. Anhand des Programms diskutieren sie zeitgenössische Formen und Inhalte im Theater und fragen nach der künstlerischen Freiheit im Verhältnis zum aktuellen Ruf nach Nützlichkeit und politischem Engagement in der Kunst.

 

EUROPOLY ist ein europäisches Theater- und Filmprojekt des Goethe-Instituts in Kooperation mit den Münchner Kammerspielen, dem Onassis Kulturzentrum Athen, Sirenos – internationales Theaterfestival Vilnius, Teatro Maria Matos Lissabon und Tiger Dublin Fringe. www.goethe.de/europoly

 

In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut

 

Programm und alle Infos

www.muenchner-kammerspiele.de/europoly

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