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Felicia Zeller: "Kaspar Häuser Meer" im Theater Rampe Stuttgart

Premiere: 24. Juni 2009, 20 Uhr

 

Der Zuschauer erhält Einblick in die Arbeit dreier Jugendsozialarbeiterinnen.

Sie stehen unter Druck: Unerledigte Fälle eines Kollegen, der plötzlich krank ist und nebenbei die Bewältigung des eigenen Arbeitsalltags.

Doch auch persönliche Missstände geraten während der Arbeit allmählich ans Tageslicht: Da gibt es Anika, die von der Angst getrieben ist, die eigene Tochter vernachlässigen zu müssen, um andere Kinder vor Vernachlässigung zu bewahren, Silvia, die ihr Alkoholproblem vor den Kollegen nicht mehr verbergen kann und dann ist da noch Barbara, die schon zwanzig Jahre lang diesen Beruf ausübt, doch trotz Enttäuschung unter dem Stress der Verantwortung in die Knie geht.

 

Überspitze Dialoge, unvollendete Sätze und eingeworfene Satzfetzen zeigen auf wie groß die Überforderung der drei Frauen ist. Sind sie Schuld an der Aussichtslosigkeit oder sind sie selbst Opfer des Systems? Felicia Zeller hat sich in den Alltag deutscher Sozialämter begeben. Sie hat denen, die dort arbeiten, gut zugehört und ihren Wettlauf gegen die Zeit beobachtet. Das Ergebnis von Felicia Zellers Recherche ist das Stück „Kaspar Häuser Meer“.

 

Ein Stück um Kindesmisshandlung und Probleme von Sozialarbeit - das hätte gruselig und pathetisch werden können, wenn Felicia Zeller Kindesleid und das handeln der Täter gezeigt und angeprangert hätte. Man wäre unheimlich folgenlos betroffen und emotional aufgerührt und angeregt gewesen. Ein Geniestreich der Autorin aber war es, nicht die Opfer und nicht die Gewalttäter zu zeigen, sondern ihre Begleiter und Betreuer - also die Gesellschaft und ihr Klima. (...)

 

Felicia Zeller wurde 1970 in Stuttgart geboren. Sie lebt als Schriftstellerin und Theaterautorin in Stuttgart und Berlin. Unter dem Künstlernamen Lotio F. ist sie als Medienkünstlerin tätig. 1998 absolvierte sie die Filmakademie Baden-Württemberg. Von 1999 bis 2000 war sie Hausautorin am Theater Rampe im Verbund mit dem author in residence-Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg. U.a. wurde von ihr „Café Tassl“ und „Tot im SuperRiesenAquarium“ am Theater Rampe inszeniert und sie war einer der sechs Autoren von „6 and the City 2“.

 

Regie: Jenke Nordalm

Ausstattung: Anja Maria Eisen

 

Mit: Eva Hosemann, Valerie Oberhof, Petra Weimer

 

Weitere Vorstellungen:

25. - 27. Juni 2009, jeweils um 20 Uhr

30. Juni 2009, 18 Uhr | Theater SATT

01. - 04. Juli 2009, jeweils um 20 Uhr

14. Juli 2009, 18 Uhr | Theater SATT

15. - 18. Juli 2009, jeweils um 20 Uhr

 

 

 

 

 

 

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