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Festival 4+1 vier aufführungen + ein treffen junger autoren im Schauspiel Chemnitz

16. + 17.3.2012. -----

Es gibt sie nicht mehr, die eine Wirklichkeit. Aber es gibt die zahlreichen Wirklichkeiten, die nebeneinander existieren. Von ihnen erzählen AutorInnen, die gegenwärtig schreiben.

Ihre Geschichten, ihre Themen, ihre Sprachen sind verschieden. Sie beschreiben, sie zürnen, sie polarisieren, sie erzählen. Collagen und Sounds, Fragmente und Zitate, Szenen und Situationen sind ihr Material. Die Zeit, in der wir leben, bildet die Folie für ihre Texte.

 

Das Schauspiel Chemnitz steht für die kontinuierliche Förderung zeitgenössischer Dramatik und hat in den letzten Jahren vertrauensvolle Arbeitszusammenhänge mit AutorInnen bestätigen, erneuern und erweitern können. Und der Erfolg der Inszenierungen zeigt, das wir immer Regisseure gewinnen konnten, die sich der Herausforderung der Texte gestellt, ihnen neue Perspektiven hinzugefügt und sie mit ihrer Fantasie bereichert haben. „4+1“ steht für die Fortsetzung gemeinsamer Wege und für Entdeckungen - sowohl hinsichtlich der AutorInnen als auch der RegisseurInnen.

 

Für die Ausstattung der vier Produktionen wird es am Schauspiel Chemnitz erstmals zu einer Kooperation mit der Klasse „Bühnengestaltung“ der Universität für Musik und Darstellende Kunst „Mozarteum“ Salzburg kommen. Unter Anleitung des dortigen Professors, des renommierten Bühnenbildners Henrik Ahr, haben die Studierenden in einem dauerhaften Arbeitsprozess mit den Regisseuren Räume für die Inszenierungen erschaffen.

 

vier aufführungen

 

Das Prinzip Meese

Oliver Kluck

Premiere: 16. März 2012, 19.00 Uhr, Schauspielhaus / Ostflügel

Regie: Eva Lange

Bühne: Maria Moser

Kostüme: Sophie Marie Frauscher

mit: Caroline Junghanns und Karl Sebastian Liebich

 

Den Autor Oliver Kluck verbindet eine enge Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Chemnitz, für das er bereits zwei Auftragswerke realisierte: „Zum Parteitag Bananen“, das überregional durch einen Stückabdruck in der Fachzeitschrift „Theater Heute“ Aufmerksamkeit erhielt, und „Feuer mit mir“. „Das Prinzip Meese“ war sein erster großer Theatertext, der mit dem Förderpreis für Junge Dramatik des Berliner Theatertreffens ausgezeichnet wurde. „Das Prinzip Meese basiert nicht auf einem Zitat von Wittgenstein, es ist nicht Nietzsche, nicht Kant und nicht Frankreich in den Sechzigern. Es ist das Lied, das entsteht, wenn eine Bassgitarre singt, es ist, wenn ein avant pop reader neben einer Kerze und einem Löffel liegt, es ist das Erwachen am Morgen danach, ohne zu wissen wo und neben wem. Das Prinzip Meese ist das Lebensprinzip einer Generation. Das Prinzip Meese ist das Finden der eigenen Verwirrung.“ (Oliver Kluck)

 

Die Geschichte von St. Magda

Johanna Kaptein

Premiere: 16. März 2012, 19.00 Uhr, Schauspielhaus / Vorbühne

Regie: Matthias Huber

Bühne: Lisa Nickstat

Kostüme: Linda Hofmann

mit: Bernd-Michael Baier, Yves Hinrichs, Dirk Lange, Urs Rechn

 

Magda ist ein Phänomen. Magda hinterließ Eindruck. Sie war so etwas wie eine Sensation, als sie in dem kleinen Café auftauchte in dem sehr kleinen Seeheilbad – allein, ohne einen Mann, und sich dennoch zwei Kaffee und ein Stück Erdbeertorte bestellte. Allerdings war ihr Leben nicht immer so üppig, soviel steht fest. Aber wer genau war Magda? Und warum St. Magda? Und wo ist eigentlich ihr Mann? Diverse Stimmen tragen Momente ihres Lebens zusammen, aber die Erinnerungen gehen durcheinander. Eine bizarre kleine Geschichte erzählt Johanna Kaptein in „Die Geschichte von St. Magda“ – eine bitterböse Miniatur zwischen moderner Märtyrerlegende und ländlichem Krimi. Eine Recherche aus der Tiefe der deutschen Provinz.

 

Die Autorin Johanna Kaptein studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. 2006 war sie im Rahmen der International Residency ans Royal Court Theatre in London eingeladen sowie zu den Werkstatttagen am Burgtheater Wien, 2007 erhielt sie das Thomas-Bernhard-Stipendium des Landestheaters Linz. Mit „Die Geschichte von St. Magda“ gewann sie 2005 den Stückepreis der Schaubühne Berlin, und die Hörspielfassung des Stücks gewann den Wettbewerb „Ganz Ohr“ des NDR.

 

Deutsche Erstaufführung

Herr mit Sonnenbrille

Gerhild Steinbuch

Premiere: 16. März 2012, 21.30 Uhr, Schauspielhaus / Hinterbühne

Regie: Mirja Biel / Joerg Zboralski

Bühne: Loriana Casagrande

Kostüme: Janna Keltsch

Video: Stephanie Forstner

mit: Ulrike Knobloch (Sie), Susanne Stein (Die), Bernhard Conrad (Er), Tilo Krügel (Der), Runa Schäfer (Kind)

 

Ein Dorf in den Bergen. Früher war dort die Stahlindustrie daheim. Blühender Tourismus belebte die Landschaft. Wohlstand und Zufriedenheit umgab diesen Ort. Das hat sich verändert. Jetzt wohnt dort die öde Zeit. Eine stillgelegte Fabrik, leere Hotels, Einsamkeit und Zerstörung. Ein Mann und eine Frau in einer Zeitschleife. Sie warten auf Arbeit. Als die Arbeit ausbleibt, bleiben die beiden trotzdem und sie begegnen sich selbst: Die junge hoffnungsvolle Version trifft auf zwei alte, festgesessene Menschen.

 

Die mehrfach ausgezeichnete Autorin Gerhild Steinbuch trat mit ihre Neubearbeitung des Hauffschen Märchenklassikers „Das kalte Herz“ erstmals am Schauspiel Chemnitz in Erscheinung. Dieses Auftragswerk war die Initialzündung, ihr Stück „Herr mit Sonnenbrille“, das am Schauspielhaus Wien während der Probenzeit entwickelt wurde, dort seine Uraufführung erlebte und nun von ihr für Chemnitz neu überarbeitet wird, zu einer Deutschen Erstaufführung zu bringen.

 

Uraufführung

Die Handgriffe der Evakuierung

Susanna Mewe

Gewinnerstück des Retzhofer Literaturpreises 2011

Premiere: 16. März 2012, 21.30 Uhr, Schauspielhaus / Figurentheater

Regie: Alexandra Wilke

Ausstattung: Amelie Klimmeck

Video: Thomas Beckmann

mit: Muriel Wenger (Rita / Flugbegleiterin C), Annett Sawallisch (Gloria / Flugbegleiterin B / Frau 2 / Mikrowelle), Ulrike Euen (Tochter / Flugbegleiterin A / Frau 1 / Spinning Oma) und Damen des Chemnitzer Liederkreis e.V. (Chor)

 

Auflösungsprozesse sind es, von denen die Autorin Susanna Mewe erzählt. Ihre Figuren schweben in einer merkwürdigen Gemengelage aus Tat und Fremdbestimmtheit. Und all ihre Geschichten laufen auf einen Fluchtpunkt zu: die verzweifelt absurden Sicherheitsbemühungen und –versprechungen der absoluten Servicegesellschaft.

 

Die Autorin Susanna Mewe wurde für ihr Stück „Die Handgriffe der Evakuierung“ 2011 mit dem Retzhofer Literaturpreis ausgezeichnet, ein renommierter österreichischer Preis für NachwuchsdramatikerInnen, der auch an AutorInnen wie Gerhild Steinbuch, Jörg Albrecht und Ewald Palmetshofer vergeben wurde. Das Schauspiel Chemnitz brachte 2009 das damalige Retzhofer Gewinnerstück „Menschen bei der Arbeit“ von Henriette Dushe zur Uraufführung und führt diese Förderung der jungen Schreibenden mit der Uraufführung des diesjährigen Preisträgerstücks fort.

 

Die vier Aufführungen laufen an einem Abend, zwei davon können nacheinander als Paket besucht werden:

 

Paket 1

19.00 Uhr „Das Prinzip Meese“ (Ostflügel) +

21.30 Uhr „Herr mit Sonnenbrille“ (Hinterbühne)

 

Paket 2

19.00 Uhr „Die Geschichte von St. Magda“ (Vorbühne) +

21.30 Uhr „Die Handgriffe der Evakuierung“ (Figurentheater)

 

ein treffen junger autoren

16. + 17. März 2012, je 16.00 Uhr, Schauspielhaus / Foyer + Unterbühne / Eintritt frei

 

Ergänzend zu den vier Stückpremieren begrüßen wir junge NachwuchsautorInnen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland, die mit ihren Texten das Extra, das „+“ und die „1“ bilden.

 

Gerade im deutschsprachigen Raum gibt es ausgewählte Studiengänge, in denen jungen AutorInnen unter der Mentorschaft erfahrener Theaterpraktiker die Möglichkeit geboten wird, ihr Schreiben auszubilden, es zu formen und weiter zu entwickeln. Der nachhaltigen Unterstützung zeitgenössischer DramatikerInnen folgend, wird das Premieren-Wochenende von einem Treffen der besonderen Art begleitet: ein Forum für Schreibende, die sich noch in der Ausbildung befinden.

 

Es sind Stücke, es sind Texte, es sind junge Schreibende, die sich an der Normalität vorbei schleichen und sie – ohne Vorwarnung - von hinten erschrecken. Die AutorInnen greifen frech in das Meer aus Menschen, die jeden von uns tagtäglich umspülen, und stricken aus den Gesichtern Geschichten, die auf berührende Weise schmerzhaft und zugleich tröstlich sind.

 

Eingeladen zum Treffen junger Autoren sind Studierende der Studiengänge Szenisches Schreiben der Universität der Künste Berlin, des Deutschen Literaturinstituts Leipzig, der Universität Hildesheim, des uniT Vereins für Kultur an der Karl-Franzens-Universität Graz/Österreich und der Hochschule der Künste Bern/Schweiz, sich mit ihren Texten dem Publikum vorzustellen. Schauspieler des Ensembles präsentieren die brandneuen Texte, gelesen in Anwesenheit der jungen AutorInnen.

 

 

 

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