Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
FLEISCH IST MEIN GEMÜSE - EINE LANDJUGEND MIT MUSIK nach dem Roman von Heinz Strunk, Wuppertaler BühnenFLEISCH IST MEIN GEMÜSE - EINE LANDJUGEND MIT MUSIK nach dem Roman von Heinz...FLEISCH IST MEIN GEMÜSE...

FLEISCH IST MEIN GEMÜSE - EINE LANDJUGEND MIT MUSIK nach dem Roman von Heinz Strunk, Wuppertaler Bühnen

Premiere 29. Januar 2010, 20.00 Uhr im Kleinen Schauspielhaus

 

Heinz Strunks Erfolgsbuch Fleisch ist mein Gemüse, vielleicht ein groteskes Pendant zu Florian Illies’ Generation Golf, gibt schonungslos aber humorvoll Einblick in den Absurdismus der bundesrepublikanischen 80er Jahre vom provinziellen Rand her.

Hier öffnet sich das Gesellschaftspanoptikum eine durch den nuklearen Nihilismus des Kalten Krieges und Konsumismus der Kohl-Ära imprägnierten Generation, für die Vergangenheit und Zukunft dimensionslos geworden und in

einem Punkt zusammengestürzt sind: «Jahre sind Müllsäcke, die nach Silvester abgeholt werden.» (Sloterdijk) Es ist vor allem die Abwesenheit, die diese schaurig-komische und dabei gleichzeitig melancholische Atmosphäre über das Erwachsenwerden in den 80ern erzeugt. Abwesenheit von Perspektive, von Lebenssinn, von Geschichte. Der von Akne, Vorstadttristes und Depressionen gezeichnete Anti-Held Heinz trotzt seinem Schicksal durch Witz und Ironie. Mit nicht geringer musikalischer Begabung ausgestattet, landet der talentierte Saxophonist bei einer Coverband namens Tiffanys und

fristet sein Dasein von nun an auf Schützenvereinsfeiern, Scheunenfesten, Silvesterpartys — immer den Blick von der Bühne auf die Niederungen einer Alkohol getränkten Spaßgesellschaft gerichtet. ‚Wes Brot ich ess, des Lied ich spiel’: Wenn die Menge zum zehnten Mal an einem Abend von dem Mucker An der Nordseeküste fordert, hallt ein absurder Gedanke wider: unsere Existenz ist nichts als gecovert. Zum Glück bleibt am Grunde dieser Büchse der Pandora für Heinz eines zurück: nicht die Hoffnung, aber unverwüstlicher Humor… und natürlich die Musik, mit der das Land nicht nur geographisch

durchmessen wird: Von plattdeutschen Strand bis nach Kufstein. Für uns eine Bestätigung von Gottfried Benns Diktum, «ein Schlager von Rang ist mehr…/ als 500 Seiten Kulturkrise.»

 

Für die aus Polen stammende Regisseurin Iwona Jera ist Fleisch ist mein Gemüse ein Wunschkonzert. Ihre Inszenierungen am Theater Erlangen (Gretel und Hänsel, Witold Gombrowicz’ Iwona, Prinzessin aus Burgund, Heinrich Leopold Wagners Die Kindermörderin) und am Staatstheater Nürnberg (Hilfe, mein Geld ist weg) verbinden Elemente des grotesken polnischen Theaters mit einer eigenwilligen theatralen Bildsprache und sind stets rhythmisch-musikalisch durchkomponiert. Sie, die 1984 aus Polen ausreiste, wird einen Blick aus einer ganz anderen Perspektive auf dieses Jahrzehnt werfen.

 

Inszenierung: Iwona Jera

Bühne: Sandra Linde

Kostüme: Dorien Thomsen

Musik: N.N.

Dramaturgie: Sven Kleine

Mit: Daniel Breitfelder, An Kuohn, Andreas Ramstein, Lutz Wessel und Schauspielschüler / Innen der Schule des Theaters im „Theater der Keller“, Köln. Koproduktion mit der „Schule des Theaters“ im „Theater der Keller“, Köln

 

Die nächste Vorstellung ist am 31. Januar 2010 im KLEINEN SCHAUSPIELHAUS

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 13 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑