Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Geschichten aus dem Wiener Wald" in Münster"Geschichten aus dem Wiener Wald" in Münster"Geschichten aus dem...

"Geschichten aus dem Wiener Wald" in Münster

Volksstück von Ödön von Horváth,

Premiere: Samstag, 24. März 2007, Großes Haus der Städtischen Bühnen.

 

„Geschichten aus dem Wiener Wald“ – ein idyllisch klingender Titel, der Erwartungen hervorruft. Die Fassade mag korrekt erscheinen, doch blicken wir dahinter, tun sich Abgründe auf:

 

 

Marianne, die Tochter des Besitzers eines kleinen Geschäftes, ist dem Fleischer Oskar versprochen. Ihr Vater und der zukünftige Ehemann sind sich einig, und Marianne weiß es nicht besser, bis sie sich auf ihrer Verlobungsfeier in den charmanten Lebemann Alfred verliebt. Von unbekannten Gefühlen beflügelt, löst sie sich radikal vom Alten und beginnt ihr Leben. Marianne bekommt ein Kind von Alfred, sie leben in einer schäbigen Wohnung und finanzielle Schwierigkeiten potenzieren die vorhandenen Probleme. Das Kind wird zur Schwiegermutter und Großmutter gegeben und stirbt dort, wovon Marianne zuletzt erfährt. Vom Vater verstoßen und dem Desinteresse Alfreds ausgesetzt und schließlich von ihm verlassen, verdient Marianne das Lebensnotwendige in einer Nachtbar. Die Hoffnung auf bessere Zeiten und der Traum von der intakten Kleinfamilie lassen sie Unmenschliches ertragen.

 
Eine Karaoke-Bar als unglaublich wandlungsfähiger Spielort bildet die Kulisse für Horvaths Schreckensbilder vom scheiternden Leben. Hinter der glatten Fassade des bürgerlichen Anstands tritt das Fürchterliche zutage. Die stark typisierten Figuren sind traurig-komischen Überlebensversuchen ausgesetzt, und in einer Zeit, in der wir über „die neue Unterschicht“ und „die Verarmung des Mittelstandes“ diskutieren und dem Sozialstaat sein Ende prophezeit wird, sind die Szenarien des Autors von augenfälliger Aktualität.

 
Der Autor des am 2. November 1931 in Berlin uraufgeführten Stückes „Geschichten aus dem Wiener Wald“ Ödön von Horvath ist mittlerweile zu einem modernen Klassiker geworden und seine Stücke gehören zum festen Repertoire auf den deutschen Bühnen.

 
Regie: Markus Kopf
Bühne und Kostüme: Manfred Kaderk
Musik: Andreas und Matthias Hornschu
Dramaturgie: Ina Klose

Mitwirkende:

Tina Amon Amonsen (Marianne), Regine Andratschke (Die Mutter), Christiane Hagedorn (Valerie), Heidemarie Kunze (Tante), Cornelia Niemann (Die Großmutter); Matthias Caspari (Der Hierlinger Ferdinand/ Conferencier), Hannes Demming (Der Mister), Frank-Peter Dettmann (Rittmeister), Philip Gregor Grüneberg (Erich), Ilja Harjes (Alfred), Wolf-Dieter Kabler (Zauberkönig), Johannes-Paul Kindler (Oskar), N.N. (Havlitschek)

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 11 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Nachdenklich, Lebhaft, Wütend, Wehmütig! Ballett am Rhein: „Vier Neue Temperamente“

DIE VIER TEMPERAMENTE George Balanchine PHLEGMATIC SUMMER Michèle Anne de Mey (Uraufführung) SANGUINIC: CON BRIO Demis Volpi (Uraufführung) CHOLERIC Hélène Blackburn (Uraufführung) FROM TIME TO…

Von: Dagmar Kurtz

Hinter der Bühne

Adriana ist der gefeierte Star der Schauspielbühne. Aber auch Ruhm und Anerkennung schützen nicht davor, hintergangen zu werden. Und wenn zwei Frauen denselben Mann lieben, sind Eifersucht, Intrige…

Von: Dagmar Kurtz

Wie absurd ist das denn?

Die Volksbühne in Berlin kommt mit einer Uraufführung namens „SMAK! SuperMacho AntiKristo“ heraus, einer „hyperhybriden Hommage an den französischen Symbolisten Alfred Jarry“ und allerlei Anderes.  

Von: Stephan Knies

Zwei Außenseiter - "I am a problem" in der Deutschen Oper am Rhein: "Carmen“ "von Roland Petit und "Baal" von Aszure Barton

Der Kontrast könnte stilistisch nicht größer sein zwischen den beiden Choreografien, die an der Deutschen Oper am Rhein in „I am problem“ zu sehen sind. Und doch haben sie etwas gemeinsam, sie zeigen…

Von: Dagmar Kurtz

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑