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"Im toten Winkel" von Maurizio Lazzarato in Berlin

Premiere: 21. November 2013, 20 Uhr, Vierte Welt | Neues Zentrum Kreuzberg | Galerie 1. OG | Kottbusser Tor | Adalbertstr. 96. -----

Wir tragen Schuld auf ganzer Linie. Es ist eine durch Begierden und Maßlosigkeit angehäufte Schuld. Schuld bei der Natur, bei künftigen Generationen, bei der Bank und als Bürger beim Staat, dessen Schulden wir auf ewig tragen.

Was für ein auswegloses Setting!? Ein neoliberaler Traum! Alle Schuld wird individualisiert, der Sozialstaat wird wacker abgebaut und jeder einzelne, der zum Unternehmer seiner selbst gewordene Mensch, genau wie der arbeitende Arme, trägt wunderbar individuell die Kosten.

 

Der im Pariser Exil lebende Philosoph Maurizio Lazzarato hat für die Vierte einen Text geschrieben, der vom Ensemble Lubricat in drei Variationen auf die Bühne gebracht wird.

Lazzarato verschiebt die gängige Perspektive und analysiert die Struktur der Verschuldung von Staat und Individuen in seiner Tiefe. Das Paar Kapitalismus und Krise ist in seinen Augen obsolet. Die kapitalistische Antiproduktion, wie sie von Deleuze und Guattari beschrieben wurde, wird sichtbar und mit ihr die Koppelung von Produktion und Zerstörung.

Wir leben nicht in der Krise, wir leben in der Katastrophe.

 

Maurizio Lazzarato ist ein italienischer Aktivist, der seit den 1970er Jahren in Paris lebt und arbeitet. Er hat an der Universität Padua studiert, wo er an der Bewegung Autonomia Operaia beteiligt war, weshalb er in Italien angeklagt wurde. Er forscht über immaterielle Arbeit, die Zersplitterung der Lohnarbeiterschaft, Ontologie der Arbeit, kognitiven Kapitalismus und postsozialistische Bewegungen. Lazzarato schreibt über Kino, Video und neue Techniken der Bildproduktion und gehört der Redaktion der Zeitschrift Multitudes an.

 

Im toten Winkel nennt sich eine performative Reihe der Vierten Welt, die kritische Philosophie auf die Bühne bringt. Jeweils ein zeitgenössischer Philosoph schreibt einen Text, der von zwei Darstellern in drei Etappen für die Bühne erarbeitet und präsentiert wird. Über einen Zeitraum von sechs Monaten macht das Ensemble sich den Text zu einem Begleiter. Im toten Winkel besteht auf ein Weiterdenken und Weiterprobieren. Die Übungen zur Annäherung suchen kein Finale im Werk. Sie suchen Reibung und präsentieren (im besten Fall) drei Varianten, drei Lesarten eines Textes.

 

1.Version 21.+ 22. November 2013 | 2. Version 27.+28.Februar 2014 | 3. Version Mai 2014, 20h

 

Von und mit Judith van der Werff und Marcus Reinhardt

Ausstattung: Valentina Primavera und Johannes Maas

Dramaturgie: Annett Hardegen | Text: Maurizio Lazzarato | Inszenierung: Dirk Cieslak

 

Preise: 11€ |3€ | 7 Tickets unter karten@viertewelt.de oder 0157-88440941

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