Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Paradies fluten (verirrte sinfonie)" von Thomas Köck - Schauspiel Leipzig "Paradies fluten (verirrte sinfonie)" von Thomas Köck - Schauspiel Leipzig "Paradies fluten...

"Paradies fluten (verirrte sinfonie)" von Thomas Köck - Schauspiel Leipzig

Premiere am 12. Mai 2018, 20 Uhr, Diskothek

Ein Stück für zwei Überlebende in Klimakapseln, ein erschöpftes Symphonieorchester, ein ertrinkendes Tanzensemble und eine durchschnittliche weiße mitteleuropäische Familie. Also für eine Welt, der das Wasser bis zum Hals steht — oder vielleicht auch für das erste mitteleuropäische Flüchtlingsorchester. Mit dem ersten Teil seiner Klimatrilogie fordert Thomas Köck das Theater bereits in den Regieanweisungen, die man wie Kriegsgeräusche lesen soll, zum Äußersten heraus. Und begibt sich mit seinem Schreiben selbst dorthin — an die Außen­grenzen des Fassbaren.

 

Sprachgewaltig und mit viel Humor schlägt er einen Bogen von der Frühphase der Globalisierung bis ins Heute; vom Kautschukboom des späten 19. Jahrhunderts, dem ganze Landstriche und Völker zum Opfer fielen, bis hin zu einer zeitgenössischen Kleinfamilie und ihren prekären Arbeits- und Beziehungsverhältnissen. Selbst einer Flut gleichend, spült die Sprache des Stücks immer mehr Material der Menschheits­geschichte und -gegenwart auf die Bühnenoberfläche. Als Anleihe aus der Realität ist dies die Flut, in der Plastiküberreste eines hemmungslosen Konsums unmittelbar neben den Überresten der Schiffbrüchigen einer weißen Weltordnung in der Dissonanz des großen Geschäfts der Freiheit für Güter und Grenzen für Menschen treiben.

Der junge österreichische Autor Thomas Köck war mit diesem im besten Sinne überbordenden Text 2015 für den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts nominiert und erhielt 2016 den Kleist-Förderpreis. „Da das alles sicherlich sehr viel ist für einen Abend“, ist dem Stück die scherzhafte Empfehlung vorangestellt, „empfehle ich, den Text häufig nachzuspielen.“ Dies besorgt am Schauspiel Leipzig der mexikanische Regisseur, Autor und Theoretiker Alberto Villarreal, der zu den radikalsten Vertretern eines jungen mexikanischen Theaters zählt, das die Hinterlassenschaften des Kolonialismus — auch und gerade im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen ästhetischen, historischen und politischen Fragestellungen — aufarbeitet. Die Realität seines Heimatlandes changiert zwischen historischem Kolonialtrauma und einer Zwitterstellung im globalen West-Süd-Gefälle.

Mit: Dorothea Arnold, Thomas Braungardt, Claudia Burckhardt, Andreas Dyszewski, Marie Rathscheck, Florian Steffens

Regie & Bühne: Alberto Villarreal,
Kostüme & Mitarbeit Bühne: Agathe MacQueen,
 Dramaturgie: Katja Herlemann,
Video: Gabriel Arnold, Licht: Thomas Kalz

Do, 17.05. 20:00
Do, 31.05. 20:00

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 12 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„Vástádus eana/The answer is land“ von Elle Sofe Sara im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Hoch im Norden Europas lebt das indigene Volk der Samen. Mit ihrer Lebensart beschäftigt sich Elle Sofe Sara in ihrem Stück „Vástádus eana/The answer is land“ jenseits folkloristischer Attitude. So…

Von: Dagmar Kurtz

Nachdenklich, Lebhaft, Wütend, Wehmütig! Ballett am Rhein: „Vier Neue Temperamente“

DIE VIER TEMPERAMENTE George Balanchine PHLEGMATIC SUMMER Michèle Anne de Mey (Uraufführung) SANGUINIC: CON BRIO Demis Volpi (Uraufführung) CHOLERIC Hélène Blackburn (Uraufführung) FROM TIME TO…

Von: Dagmar Kurtz

Hinter der Bühne

Adriana ist der gefeierte Star der Schauspielbühne. Aber auch Ruhm und Anerkennung schützen nicht davor, hintergangen zu werden. Und wenn zwei Frauen denselben Mann lieben, sind Eifersucht, Intrige…

Von: Dagmar Kurtz

Wie absurd ist das denn?

Die Volksbühne in Berlin kommt mit einer Uraufführung namens „SMAK! SuperMacho AntiKristo“ heraus, einer „hyperhybriden Hommage an den französischen Symbolisten Alfred Jarry“ und allerlei Anderes.  

Von: Stephan Knies

Zwei Außenseiter - "I am a problem" in der Deutschen Oper am Rhein: "Carmen“ "von Roland Petit und "Baal" von Aszure Barton

Der Kontrast könnte stilistisch nicht größer sein zwischen den beiden Choreografien, die an der Deutschen Oper am Rhein in „I am problem“ zu sehen sind. Und doch haben sie etwas gemeinsam, sie zeigen…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑