Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Schauspielhaus Graz: "Die Physiker", Komödie von Friedrich DürrenmattSchauspielhaus Graz: "Die Physiker", Komödie von Friedrich DürrenmattSchauspielhaus Graz:...

Schauspielhaus Graz: "Die Physiker", Komödie von Friedrich Dürrenmatt

PREMIERE am 18. Oktober, 19.30 Uhr, HAUS EINS

Im Privatsanatorium „Les Cerisiers“ gibt sich Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd redlich Mühe mit ihren Insassen. Ihre drei Musterpatienten sind Einstein, der auf der Geige übt; Möbius, der mit König Salomo konferiert und Newton, der nicht ohne Allongeperücke unter die Leute geht. Die drei Möchtegern-Physiker leben in friedlicher Verrücktheit, bis ein schreckliches Unglück geschieht: Newton erdrosselt Schwester Dorothea mit einer Vorhangkordel.

 

Und auf rätselhafte Weise ereignet sich Ähnliches kurz darauf noch einmal: Einstein erwürgt Schwester Irene mit dem Kabel einer Stehlampe. Ist Schwester Monika, die Möbius betreut, in Gefahr? Die Polizei ermittelt. Dabei ist die Entdeckung, die Möbius gemacht hat, eigentlich die weit größere Gefahr. Denn Möbius ist gar nicht psychisch krank, sondern versteckt sich nur in der Klinik, weil er eine bahnbrechende Formel gefunden hat, die auf einen Schlag die Welt vernichten könnte. Und hinter ihm und seiner Formel sind bereits die Geheimdienste rivalisierender Staaten her.

Der Kalte Krieg hatte die Welt zur Entstehungszeit des Stückes Anfang der 60er Jahre in eine hochbrisante Lage gebracht. Dürrenmatt reagierte auf diese Situation mit einer Groteske, die eigentlich ein Agententhriller ist, der auch aufgrund seiner Unterhaltsamkeit ein Welterfolg wurde – ein halbes Jahr übrigens, bevor der erste Bond-Film „Dr. No“ erschien.

Heute fasziniert vor allem die wissenschaftsphilosophische Dimension des Stückes: Die Metapher des „Irrenhauses“, in das sich ein verantwortungsbewusster Mensch der Wissenschaft freiwillig einsperren müsste, weil er nur dort die Freiheit hat zu denken, was er zu denken in der Lage ist. Denn sobald Profitinteressen anstehen, wird es immer jemanden geben, der das reine Wissen missbraucht und dass die Erde dabei drauf gehen könnte, ist den Profiteur*innen bekanntlich egal.

Zur Regisseurin
Claudia Bossard, geboren 1985 in Zug, Schweiz, studierte Literatur- & Theaterwissenschaft an der Universität Bern. Nebst Inszenierungen in der freien Szene Schweiz, arbeitet sie als Dramaturgin für VOR ORT & deRothfils und war Mitglied im Tojo Theater Kollektiv. In ihrer Assistenzzeit am Konzert Theater Bern inszenierte sie 2015 Rodrigo Garcias „Picknick auf Golgatha“ als deutschsprachige Erstaufführung. Für die folgenden zwei Spielzeiten wechselte sie mit Iris Laufenberg als Regieassistentin an das Schauspielhaus Graz, wo die Österreichische Erstaufführung von Henriette Dushes „lupus in fabula“ entstand, die 2016 zum NachSpielPreis an den Heidelberger Stückemarkt und an die Autorentage Berlin eingeladen wurde.   

Es folgten für das Tojo Theater Bern Gogols „Der Revisor“, Ingeborg Bachmanns „Der gute Gott von Manhattan“ kombiniert mit dem Briefwechsel „Herzzeit“ am Schauspielhaus Graz und „Perfect Wives“, in Anlehnung an Ira Levins „Die Frauen von Stepford“ am Theater Osnabrück.In der vergangenen Spielzeit inszenierte sie „Romulus der Große“ von Friedrich Dürrenmatt an der Kunsthochschule Graz. Die Produktion wurde zum 30. Bundeswettbewerb deutschsprachiger Schauspielstudierender im Deutschen Theater Berlin eingeladen und dort von der Jury mit dem Förderpreis für herausragende Ensembleleistung ausgezeichnet. Darüber hinaus zeichnet Claudia Bossard verantwortlich für die Inszenierung „2666“ nach dem Roman von Roberto Bolaño, die zu den Hessischen Theatertagen 2019 eingeladen wurde.
Im Mai 2018 war sie Stipendiatin am Internationalen Forum des Berliner Theatertreffens.

Am Schauspielhaus Graz inszenierte Bossard des Weiteren „Der Gute Gott von Manhattan“ von Ingeborg Bachmann, die Österreichische Erstaufführung von „Bilder von uns“ von Thomas Melle und in der vergangenen Spielzeit das von Clemens J. Setz eigens für das Schauspielhaus Graz geschriebene Stück „Erinnya“; die Produktion wurde im Mai 2019 zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen.

Regie     Claudia Bossard
Bühne & Kostüme    Frank Holldack & Elisabeth Weiß
Komposition & Musikalische Leitung    Paul Öllinger
Choreografie    Nina Stadler
Licht    Viktor Fellegi
Dramaturgie    Jennifer Weiss

Mit
Mathilde von Zahnd:    Andri Schenardi
Oberschwester Marta Boll:    Matthias Ohner
Schwester Monika Stettler:    Frieder Langenberger
Newton:    Julia Richter
Einstein:    Tamara Semzov
Möbius:    Sarah Sophia Meyer
Jörg Lukas:    Alice Peterhans
Wilfried Kasper:    Anna Tropper-Lener
Adolf Friedrich:    Paul Öllinger
Frau Rose:    Oliver Chomik
Inspektor Voss:     Beatrix Doderer
Blocher:    Susanne Konstanze Weber

Musiker*innen
Alice Peterhans, Anna Tropper-Lener, Paul Öllinger    
 

weitere bereits disponierte Vorstellungen am 23., 29. und 30. Oktober, am 6., 8., 9., 21. und 22. November, am 12., 17. und 20. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr, sowie am 31. Dezember um 15.00 und 20.00 Uhr, HAUS EINS

Tickets
T 0316 8000, F 0316 8008-1565, E tickets@ticketzentrum.at

www.schauspielhaus-graz.com

Das Bild zeigt Friedrich Dürrenmatt

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 21 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑