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Uraufführung: „Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs“ von Vladimir Sorokin - Schauspielaus Graz

PREMIERE am 9. Oktober 2019, 19.00 Uhr, Museum für Geschichte

In der Zukunft gibt es kaum noch Bücher. Die meisten sind während des dritten Weltkriegs als Heizmaterial verbrannt worden oder danach der vollständigen Digitalisierung zum Opfer gefallen. Rund um die letzten Bücher ist eine illegale Spitzengastronomie entstanden, bei der Vermögende auf Werken der Weltliteratur erlesene Speisen grillen lassen. Dieser feierliche Vorgang heißt „Lesung“ und wird von verwegenen Männern ausgeführt, die zu einer verschwiegenen Gilde gehören.

 

Copyright: Lupi Spuma

Zum Beispiel von dem Ungarn Geza, der um die halbe Welt jettet, um für alte Adelige, neureiche Geschäftsleute und halbseidene Kriminelle Kobe-Beef auf einer Erstausgabe von Dostojewski, Ribeye-Steak auf Gogols „Toten Seelen“ oder auch Möhrenbratlinge auf Ergüssen im Stile Tolstois zu grillen.

Der komplexe Grillvorgang erfordert jahrelange Erfahrung. Ganze Bücher brennen bekanntlich schlecht, also werden sie kunstvoll mit Hilfe eines kleinen „Excaliburs“ Seite um Seite in die Flammen geblättert. Der Berufsverband der Book’n’Griller sorgt dafür, dass die Regeln der Zunft befolgt werden, notfalls mit Gewalt. Und so erhält Geza einen Auftrag, der ihn zum Berg Manaraga im Ural führt; eine Mission, die sein Leben umkrempelt und die Welt der Book’n’Griller auf den Kopf stellt ...

Angeblich werden die Bildungsbürger*innen, die die westliche Gesellschaft bisher kulturell geprägt haben, gerade von den „Genussbürger*innen“ abgelöst – Menschen, die z. B. Bücher nur mehr als dekoratives Wohnaccessoire schätzen und in der Theaterpause eher über die Qualität des Weines als über die des Stücks fachsimpeln. Zu diesem Befund passt Sorokins bissige Gesellschaftssatire, die das Wort „Kulturgenuss“ schal werden lässt. Das Stück wird so zu einem zentralen künstlerischen Projekt in der thematischen Erzählung des steirischen herbst ’19, der unter dem Titel „Grand Hotel Abyss“ einen kritischen Blick auf die Dekadenz der Gegenwart wirft.

Es inszeniert Blanka Rádóczy, die in der vergangenen Spielzeit „Pfeil der Zeit“ von Martin Amis auf die Bühne brachte. Die Inszenierung wird gemeinsam mit dem kuratorischen Team des steirischen herbst ’19 entwickelt, im Rahmen des Festivals an einem besonderen Ort gezeigt und anschließend ins Repertoire des Schauspielhauses übernommen.

AUS DEM RUSSISCHEN VON ANDREAS TRETNER

REGIE & BÜHNE
Blanka Rádóczy
BÜHNE UND KOSTÜME
Marie-Luce Theis
SOUNDDESIGN/KOMPOSITION
Florentin Berger-Monit
Johannes Wernicke
DRAMATURGIE
Martin Baasch
Karla Mäder
Dominik Müller

GEZA
Mathias Lodd
FLÖHE / HENRI
Lukas Walcher

Eine Gemeinschaftsproduktion von Schauspielhaus Graz & steirischer herbst ’19

ebenfalls am 11. und 12. Oktober, im Rahmen des steirischen herbstes
Schauspielhaus-Premiere am 23. Oktober, 20.30 Uhr, HAUS DREI, weitere bereits fixierte Vorstellungen am 24. Oktober sowie am 4. und 19. November, jeweils um 20.30 Uhr, HAUS DREI

 

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