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Schweizer Erstaufführung: DIE LÄCHERLICHE FINSTERNIS nach einem Hörspieltext von Wolfram Lotz, Luzerner Theater

PREMIERE: Donnerstag, 5. März 2015, 20.00 Uhr, UG. -----

1899 erscheint Joseph Conrads Erzählung «Herz der Finsternis» über einen wahnsinnig gewordenen Elfenbeinhändler in der Wildnis des Kongos. Achtzig Jahre später variiert Francis Ford Coppola die Geschichte in seinem epochalen Vietnam-Film «Apocalypse Now». 2013 greift Wolfram Lotz das Sujet auf und verdichtet es zu einem ironisch zugespitzten, irrwitzigen Panorama weltweiter Krisen und Konflikte der letzten Jahre.

Hauptfeldwebel Pellner fährt zusammen mit Unteroffizier Dorsch in den Regenwäldern Afghanistans in ei-nem Boot den Hindukusch hinauf. Sein geheimer Auftrag: Oberstleutnant Deutinger liquidieren, der im Wahn zwei Kameraden getötet hat. Es ist eine Reise durch die Wildnis und das Chaos der globalen Konflikte und Verwicklungen, aber auch eine Reise ins eigene Ich, in die finsteren Abgründe der eigenen Existenz.

 

Auf ihrer Expedition begegnen sie dem italienischen Blauhelmsoldaten Lodetti, der für die Mobilfunk-industrie die Ernte von Coltan überwacht und der vergeblich versucht, den einheimischen Arbeitern zivilisierte Toilettengewohnheiten beizubringen. Sie begegnen Reverend Carter, der verschleierte Mädchen zum Christentum bekehren möchte, damit sie ihre hübschen Beine zeigen können. Und sie treffen auf Bojan Stojković, der im Jugoslawienkrieg seine Familie verloren hat und jetzt auf einem Kanu lebend regen Handel mit Spannbetttüchern, Spirellinudeln und Investmentfonds treibt. Irgendwann steht Deutinger vor ihnen und konfrontiert sie angesichts der Schuldfrage mit der Mathematik des Krieges: «Letztendlich füh-ren wir Krieg, um zu verhindern, dass noch mehr Menschen sterben. Ich bin nicht irrsinnig. Es ist das Menschlichste, was hier möglich ist.»

 

Somalia, Ex-Jugoslawien, Afghanistan – die Konfliktherde dieser Welt verschwimmen zu einer einzigen bedrohlichen, monströsen Welt, die es zu durchqueren gilt. Die Gesetze von Zeit und Raum scheinen aus-ser Kraft gesetzt, die Fahrt auf dem Fluss führt immer tiefer ins «Herz der Apokalypse». Angesichts zu-nehmend undurchschaubarer Konfrontationslinien ringt der überforderte West-Europäer um Orientierung. Am Ende erwartet ihn nichts als rabenschwarze Dunkelheit.

 

2013 schreibt Wolfram Lotz «Die lächerliche Finsternis» und bezeichnet ihn als Hörspieltext, vorangestellt ist eine «Anmerkung zu der etwaigen Umsetzung des Skripts auf einer Theaterbühne». Nach der Uraufführung am Wiener Burgtheater wird das Stück gerade zeitgleich auf vielen Bühnen in Hamburg, Berlin, Essen und Wiesbaden gespielt; am Luzerner Theater kommt es zur Schweizer Erstaufführung.

 

Es basiert auf Joseph Conrads Erzählung «Herz der Finsternis» von 1899 und Francis Ford Coppola filmischer Adaption «Apocalypse Now» aus dem Jahr 1979. Wolfram Lotz greift das Sujet auf und verdichtet es zu einem ironisch zugespitzten, irrwitzigen Panorama weltweiter Krisen und Konflikte der letzten Jahre. Lotz’ Figuren erzählen stets ihre eigene, subjektive Sicht der Dinge, die wir aus medialen Informationen und Bildern der Kriegsberichterstattung zu kennen meinen und die sich schliesslich zu einem diffusen Weltbild verdichten.

 

Lotz wirft grosse Fragen auf und bricht sie radikal auf das Wesentliche herunter: «Ich will die Sprache nicht zur Institution werden lassen und breche immer schnell ab. Deshalb glauben viele, ich meine es nicht ernst. Aber wenn man etwas abbricht, um es verhandelbar zu machen, ist es wichtig, dass man es vorher umso ernster meint.» In seiner «Rede zum unmöglichen Theater» proklamiert er das Theater als Ort, an dem Fiktion in Wirklichkeit umgewandelt werden solle: «Wenn wir schreiben, fordern wir eine Autonomie von der Welt! Darüber sollten wir uns im Klaren sein. Wenn wir schreiben, so schreiben wir nicht einfach die Welt ab (wie sollte das überhaupt gehen), sondern wir entwerfen Vorschläge, Änderungen, Forderungen, indem wir die Welt nicht sehen, wie sie ist, sondern wie sie für uns ist, und wie sie sein könnte, wenn man uns lassen würde, oder wie sie nicht wäre, niemals.»

Wolfram Lotz

 

Wolfram Lotz, geboren 1981 in Hamburg, studierte Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaft in Konstanz, sowie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2010 nahm er mit «Einige Nachrichten an das All» an den Werkstatttagen des Burgtheaters Wien Teil und gewann mit «Der grosse Marsch» den Publikumspreis des Stückemarkts des Berliner Theatertreffens. 2011 wurde er mit dem Kleistförder-preis und in der Kritikerumfrage von «Theater heute» als Nachwuchsdramatiker des Jahres ausgezeich-net.

 

BESETZUNG

Dagmar Bock, Wiebke Kayser; Jörg Dathe, Clemens Maria Riegler, Patrick Slanzi, Samuel Zumbühl

 

PRODUKTIONSTEAM

Andreas Herrmann (Regie), Viola Valsesia (Bühne), Silvana Arnold (Kostüme), Ulf Frötzschner und Carmen Bach (Dramaturgie)

 

Alle Vorstellungen

(jeweils 20.00 Uhr): 5.3. | 12.3. | 13.3. | 14.3. | 20.3. | 28.3. | 2.4. | 4.4. | 9.4. | 11.4.2015 im UG

Alle Biografien finden Sie ab sofort unter: www.luzernertheater.ch

 

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