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"Simon Boccanegra" von Giuseppe Verdi im Theater Erfurt

Premiere 28. April 2013, 18 Uhr, Großes Haus. -----

Simon Boccanegra, vom Volk Genuas zum Dogen ernannt, wird von Jacopo Fiesco, der in ihm den Verführer seiner Tochter Maria sieht, mit Hass verfolgt. – 25 Jahre später: Maria ist gestorben, das

gemeinsame Kind aus der Beziehung mit Boccanegra wurde kurz nach der Geburt entführt und ist seither vermisst.

Die junge Amelia Grimaldi soll mit Paolo, Kanzler des Dogen, verheiratet werden, liebt aber den Edelmann Gabriele Adorno. Als Boccanegra in Amelia seine auf immer verloren geglaubte Tochter erkennt, verweigert er Paolo ihre Hand. Dieser sinnt auf Rache: Er überzeugt Gabriele, dass Boccanegra der Geliebte Amelias sei, der den Dogen daraufhin vergiftet. Erst im Angesicht des Todes kann Boccanegra den Irrtum aufklären, segnet das junge Paar und ernennt Gabriele zu seinem Nachfolger. In Pater Andrea erkennt er seinerseits Fiesco und eröffnet ihm, dass Amelia seine Enkelin sei – das Ende einer lebenslangen Todfeindschaft ist besiegelt.

 

Der ebenso düstere wie hoch spannende Plot des Simon Boccanegra kam Giuseppe Verdi, wie er in einem Brief an Cesare de Sanctis vom Neujahrstag 1853 schreibt, bei der Suche nach „neuen, grandiosen, abwechslungsreichen, kühnen Stoffen“ in besonderer Weise entgegen. Verdi konzentriert die Handlung ganz auf die Todfeindschaft zwischen Fiesco und Boccanegra, so dass der Liebe Amelias zu Gabriele Adorno kaum Platz eingeräumt wird, ja, diese tritt sogar hinter der Vaterliebe Boccanegras zur wiedergefundenen Tochter zurück!

 

Schließlich und endlich ist Simon Boccanegra aber auch ein eminent politisches Drama: Simon Boccanegra, der als Korsar gegen den Willen der Adelspartei durch das Volk zum Dogen ernannt wird,

scheitert letztlich an den unversöhnlichen, von Hass und Intrigen gelenkten Auseinandersetzungen der verfeindeten Lager. Die Unfähigkeit der jeweiligen Wortführer, sich zu einer Politik der Aussöhnung und Vereinigung des in Einzelstaaten zerfallenen Italiens durchzuringen, führt dem Dogen die Aussichtslosigkeit seiner Bestrebungen vor Augen und lässt ihn zugleich als durchaus schon tragikomisches Opfer seines von Gefühlen geleiteten Handelns erscheinen: „Ich weine über Euer trügerisches Blumenfest, / Und werde beständig rufen: Frieden! / Und ständig rufen: Liebe!“

 

Insbesondere in der durch Arrigo Boito im Zuge der Umarbeitung gänzlich neu geschaffenen Ratsszene als Finale des 1. Aktes kulminiert so „der politische Aufruhr mit den subjektiven Leidenschaften, die geschichtliche mit der individuellen Tragödie“. (Uwe Schweikert)

 

Simon Boccanegra erweist sich in der engen Verflechtung von politischer und privater Tragödie als zeitlos aktueller Stoff. Nicht zuletzt im Hinblick auf die jüngsten Parlamentswahlen in Italien und anderer europäischer Staaten wird deutlich, mit welch geradezu visionärem Blick Verdi und Boito hier ein Bild von der Unmöglichkeit verantwortlichen politischen Handelns im Zeichen von Korruption, Intrige und Todfeindschaft gezeichnet haben. Am Theater Erfurt ist Verdis eindrucksvolle, von großartigen Ensemble- und Chorszenen geprägte Oper erstmals nach über 80 Jahren wieder zu erleben, in einer spektakulären, die politische Dimension herausfordernden Inszenierung der jungen italienischen Regisseurin Pamela Recinella.

 

Nach Salome und La clemenza di Tito ist Verdis Simon Boccanegra in Erfurt die dritte Produktion

der erfolgreichen Reihe „Oper halbszenisch“!

 

Oper in einem Prolog und drei Akten

Text von Francesco Maria Piave und

Arrigo Boito

UA Venedig 1857 / Mailand 1881

In italienischer Sprache mit Übertiteln

 

Musikalische Leitung Samuel Bächli

Inszenierung Pamela Recinella

Ausstattung Norman Heinrich

 

Simon Boccanegra Kartal Karagedik

Jacopo Fiesco Vazgen Ghazaryan /

Sebastian Pilgrim

Paolo Albiani Máté Sólyom-Nagy

Pietro Dario Süß

Ameilia Grimaldi Ilia Papandreou

Gabriele Adorno Richard Carlucci

Ein Hauptmann Roberto Lee

Eine Magd Katja Bildt*

 

Thüringer Opernstudio

 

Opernchor des Theaters Erfurt

Philharmonisches Orchester Erfurt

Kooperation mit der

Thüringen Philharmonie Gotha

 

Weitere Aufführungen Fr, 10.05. l Fr, 17.05. l Sa, 01.06. l So, 09.06.2013

 

Tel. Kartenservice 0361-22 33 155 (tägl. 10 bis 18 Uhr)

Weitere Informationen unter www.theater-erfurt.de

 

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