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Simone Sterr in Gießen zur neuen Intendantin gewählt

ab Sommer 2022

Im Sommer 2022 übernimmt Simone Sterr die Intendanz am Stadttheater Gießen. Sterr hat sich im Team mit Ann-Christine Mecke beworben, die den Bereich Musiktheater leiten wird.

 

Mit der Entscheidung für Simone Sterr, die derzeit geschäftsführende Dramaturgin und Leiterin des Schauspiels am Theater Bremen ist, und der Dramaturgin für Musiktheater an der Staatsoper Wien, Ann-Christine Mecke, haben sich die Gießener Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und Landrätin Anita Schneider für zwei langjährig ausgewiesene Theatermacherinnen entschieden, die beide für Ensembletheater, Innovation und Internationalität stehen.

In einem Pressegespräch stellten die Gesellschafterinnen heute die beiden Frauen vor, die ab der Spielzeit 2022_23 das Stadttheater Gießen in die Zukunft führen werden.

Grabe-Bolz sprach von einer „wegweisenden besonderen Entscheidung“. Es freue sie sehr, dass zwei so kompetente Theatermacherinnen für die Leitung des Mehrspartenhauses gewonnen werden konnten. Die Entscheidung sei in Aufsichtsrat und Expertengremium ganz eindeutig ausgefallen, nach einem, wie sie betonte, „ordentlichen, ausführlichen und allen Gerüchten zum Trotz stets transparenten Prozess“. Auch freue sie sich, dass so die weibliche Tradition an der Führungsspitze fortgesetzt werde.

Schneider hob die „unglaublich vielen überzeugenden Bewerbungen“ hervor, die im Laufe des Verfahrens eingegangen seien. Sterr und Mecke hätten dabei nicht nur mit ihren konzeptionellen Vorstellungen für die Zukunft des Theaters auf ganzer Linie überzeugen können, sondern auch mit einem offenen Führungsstil mit flachen Hierarchien.

Auch Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, war zu der Pressekonferenz nach Gießen gekommen, um Simone Sterr und Ann-Christine Mecke persönlich zu gratulieren: "Ich freue mich riesig, dass wir nun für Gießen zwei so herausragende Theaterfrauen gewinnen konnten. Beide haben mit ihren konzeptionellen Überlegungen für ein ambitioniertes, ganzheitlich gedachtes Stadttheater überzeugt - wir sind der einhelligen Empfehlung der Fachberaterinnen und Fachberater in der Findungskommission deshalb sehr gern gefolgt. Und ich freue mich nun besonders, dass wir nach dem sehr erfolgreichen weiblichen Führungsduo des Landestheaters Marburg nun zwei weitere starke Frauen an der Spitze eines der vom Land mitgetragenen hessischen Theater haben."

Simone Sterr stellte im Pressegespräch die wesentlichen Punkte vor, die sie ab 2022 am Stadttheater umsetzen möchte. So eine Stärkung der festen Ensembles in allen Sparten und den Ausbau von festen SolistInnen im Musiktheater: „Feste Ensembles haben eine große identifikatorische Bedeutung, nach außen in der Beziehung zum Publikum, aber auch innerhalb der Mitarbeiterschaft. Menschen, die eine Meinung haben und die Stimme erheben, bringen das Theater voran.“ Sie skizzierte die Vorstellung eines vielstimmigen Theaters, das sie um unterschiedlichste internationale Blickwinkel bereichern, außerdem verstärkt spartenübergreifend und zeitgenössisch ausrichten möchte.

Sterr möchte zudem das Kinder- und Jugendtheater weiter stark machen: „Auch Kinder haben ein Recht, dass ihre Weltsicht und Lebenswirklichkeit auf der Bühne erzählt wird.“ Wichtig ist ihr zudem die Vernetzung mit dem Stadtraum und eine „Offenheit, raus aus der Stadt zu gehen“ und neue Spielorte zu erschließen. Dazu gehören auch Diskursreihen und Festivals: „Theater ist auch eine Feier, eine Party.“ Außerdem sprach sie sich dafür aus, dass weibliche Handschriften nicht eine Besonderheit sind, „sondern ein Selbstverständlichkeit“.

Ebenso betonte sie ihren Führungsstil mit den Worten: „Es kann nicht sein, dass wir auf der Bühne die Systeme kritisch hinterfragen und hinter den Kulissen Macht und Herrschraftstrukturen von vorgestern fortschreiben“.

KURZBIOGRAFIEN

Simone Sterr (*1970) ist seit 2015 geschäftsführende Dramaturgin und künstlerische Leiterin des Schauspiels am Theater Bremen. Ihre ersten Theatererfahrungen machte sie in der Dramaturgie am Stadttheater Konstanz bei Ulrich Khuon und bei Hans-Jürgen Drescher in Mannheim. Nach einem Studium der Neueren Deutschen Literatur und Philosophie in Köln und verschiedenen Arbeiten in der Freien Szene ging sie als Dramaturgin ans Schlosstheater Celle, wurde dann Spartenleiterin für Kinder-und Jugendtheater in Würzburg, später in Gießen, als Regisseurin arbeitete sie in Celle, Würzburg, Gießen, Hannover, Erfurt und Konstanz. Als jüngste Intendantin der Republik übernahm sie 2003 die Leitung des Theaters der Stadt Aalen, 2005 wechselte sie in gleicher Funktion an das Landestheater Tübingen, das sie bis Sommer 2014 führte. Als Regisseurin hat Simone Sterr mehr als 30 Inszenierungen verantwortet, als Dramaturgin arbeitete sie u.a. mit den Regisseur*innen Armin Petras, Samuel Weiss, Klaus Schumacher, Thomas Krupa, Ralf Siebelt, Pinar Karabulut, Jenke Nordalm, Mathilde Lehmann, Nina Mattenklotz, Alize Zandwijk zusammen, verantwortete zahlreiche Ur- und Erstaufführungen und internationale Theaterprojekte (u.a. das deutsch-russische Projekt „Scherbenpark“ am Theater Bremen, das von der Bundeskulturstiftung geförderte Austauschprojekt „Wanderlust“, die Zusammenarbeit mit dem Exil-Ensemble des Gorki Theater Berlin oder die Kooperation des Theater Bremen mit dem Nationaltheater Belgrad). Neben ihrer festen Tätigkeit schreibt Simone Sterr Stückfassungen und Theatertexte und für verschiedene Fachmagazine (Theater Heute, Theater der Zeit).

Ann-Christine Mecke (*1975) ist ab September 2020 Dramaturgin an der Wiener Staatsoper im Team von Bogdan Roščić. Sie studierte Philosophie, Musikwissenschaften und Physik in Hamburg und Heidelberg. Dort promovierte sie über den Umgang mit dem Stimmwechsel in der Musikgeschichte, arbeitete als Postdoc an der Königlich-Technischen Hochschule Stockholm und forschte im Bereich Akustik der Singstimme. Von 2005-2007 war sie Stipendiatin der Akademie Musiktheater Heute, arbeitete als Dramaturgin für Konzert und als Konzert- und Musiktheaterkritikerin des Feuilletons der Berliner Zeitung. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Musikdramaturgie war sie an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig tätig, bevor sie 2014 als Dramaturgin an die Oper Stuttgart wechselte. Bis zum Ende der Intendanz von Jossi Wieler 2018 war sie dort engagiert und arbeitete mit Regisseur*innen wie Jossi Wieler und Sergio Morabito, Frank Castorf, Kirill Serebrennikov, Demis Volpi und Nicola Hümpel (Nico and the Navigators) zusammen. Sie schreibt seit 2008 eine Kolumne im Leipziger Gewandhausmagazin und ist Co-Herausgeberin des „Lexikons der Gesangsstimme“ und Autorin des Opernführers Kompakt: „Salome“.

 

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