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"Tosca" von Giacomo Puccini, Uraufführung der Urfassung im Theater Münster

Premiere: Samstag, 19. Januar 2013, 19.30 Uhr, Großes Haus. -----

Lebensmissbrauchende Macht spielt ein Lied vom Tod. In „Tosca“ wird die Absurdität und todbringende Willkür wie auch die Problematik des Künstlers in einem Unrechtssystem bespiegelt.

 

Folgende Vorgeschichte bildet den Hintergrund der Opernhandlung: Unter dem Einfluss der Französischen Revolution hat sich in Italien ein republikanischer Geist ausgebreitet. Nach der Kriegserklärung Ferdinands IV. von Neapel und seiner Frau Maria Carolina an Frankreich gelten solche Überzeugungen als Hochverrat. Rom wird von den Franzosen eingenommen und zur „Römischen Republik“ erklärt, mit Cesare Angelotti als einem der Konsuln. Die Franzosen besetzen zudem Neapel und proklamieren auch dort die Republik. Königin Maria Carolina flieht mit ihrem Mann nach Sizilien, stellt dort ein Heer auf und vertreibt mit Hilfe Russlands, Großbritanniens und Österreichs die Franzosen aus Neapel. Ihre Truppen nehmen danach auch Rom in Besitz. In der „Ewigen Stadt“ hat nun Baron Vitellio Scarpia, ein Vertrauter Maria Carolinas, einen von Spionen und Spitzeln unterstützten Geheimpolizeiapparat aufgebaut, der alle republikanisch Gesinnten gnadenlos verfolgt. Vor diesem Hintergrund spielt die Oper im Juni des Jahres 1800. Angelotti, den man wegen Hochverrats eingekerkert hat, ist zu Beginn der Handlung gerade die Flucht aus der Engelsburg geglückt …

 

In diesen Strudel der Tagespolitik werden der Maler Mario Cavaradossi und seine Geliebte, die Sängerin Floria Tosca, hineingerissen. Cavaradossi bleibt bis zum Schluss eigentlich eine unpolitische Figur, die nur sterben muss, weil sie zufällig in die Maschen der politischen Auseinandersetzungen gerät. Und Tosca – von dem sadistischen Folterknecht Scarpia leidenschaftlich begehrt – wird zum Objekt eines ästhetischen Voyeurismus, zur Begierde einer ganzen Männergesellschaft. Politische Macht wird dabei uneingeschränkt für private Zwecke missbraucht. Die gewalttätige, perverse Triebstruktur des Politikers Scarpia ist gepaart mit eiskaltem, messerscharfem Kalkül; seine Lust befriedigt sich durch körperliche wie seelische Folter, daran zerbrechen Menschenleben.

 

Puccinis (1858–1924) fünfte Oper „Tosca“, 1900 in Rom uraufgeführt, etabliert – in einem bis dahin dem „Schöngesang“ vorbehaltenen Medium – einen rohen, ungeschminkten Realismus auf der Bühne. Es gelingt ihm meisterhaft, die ständige Gefährdung der Situation, die latente Unruhe über dem Ganzen, „das unabweisliche Gefühl langsam heranschleichenden Unheils, das vom ersten Takt an dem Hörer die Kehle zuschnürt“ (R. Specht), in der Komposition auszudrücken.

 

Inszeniert wird dieser zwischen Sex, Sadismus, Religion, Kunst und Politik angesiedelte „Opernthriller“ von Achim Thorwald, der von 1989 bis 1994 Generalintendant an den Städtischen Bühnen Münster war. Überdies freut sich das Theater Münster, sei-nem Publikum die Erstaufführung der im Bärenreiter/ Alkor-Verlag erschienenen Kritischen Neuausgabe vorzustellen: „Die Aufführung von „Tosca“ im Theater Münster auf Basis der Kritischen Neuausgabe in der Edition Meisterwerke (Verlagsgruppe Hermann) kann daher mit Recht als Uraufführung der bis heute nicht gespielten Ur-fassung gelten. Damit bietet sich erstmals die Möglichkeit, dieses Meisterwerk in un-verfälschtem Reichtum an musikalischen Details und Kontrasten zu erleben.“ (Michael Rot)

 

Melodramma in drei Akten von Giacomo Puccini, Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, nach dem Schauspiel “La Tosca” von Victorien Sardou

Uraufführung der Urfassung

 

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

 

Musikalische Leitung: Fabrizio Ventura

Inszenierung: Achim Thorwald

Bühne & Kostüme: Heiko Mönnich

Chöre: Inna Batyuk

Dramaturgie: Margrit Poremba

 

Mitwirkende:

Allison Oakes/ Barbara Dobrzanska (Floria Tosca, berühmte Sängerin), Adrian Xhe-ma (Mario Cavaradossi, Maler), Gregor Dalal (Baron Scarpia, Polizeichef), Lukas Schmid (Cesare Angelotti), Plamen Hidjov (Der Mesner), Fritz Steinbacher (Spoletta, Polizeiagent), Frank Göbel (Sciarrone, ein Gendarm), Hee-Sung Yoon (Ein Schlie-ßer), Claudius Kaulingfrecks/ Felix Zhang (Ein Hirt)

 

Opernchor des Theaters Münster, Extrachor des Theaters Münster,

Sinfonieorchester Münster

Theaterkinderchor Gymnasium Paulinum,

Leitung: Margarete Sandhäger/ Jörg von Wensierski

Claudius Kaulingfrecks (Capella Ludgeriana – Knabenchor am Dom zu Münster)

Felix Zhang (Westfälische Schule für Musik der Stadt Münster)

 

Weitere Vorstellungen im Januar, Februar und März:

Samstag, 26. Januar, 19.00 Uhr

Dienstag, 5. Februar 19.30 Uhr

Freitag, 15. Februar, 19.30 Uhr

Mittwoch, 6. März, 19.30 Uhr

Freitag, 8. März, 19.30 Uhr

Freitag, 22. März, 19.30 Uhr

Sonntag, 24. März, 19.00 Uhr

 

 

 

 

 

 

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