HomeBeiträge
Uraufführung von „The End. Eine Replikantenoper“ von Autor Jan Eichberg im Theater BremenUraufführung von „The End. Eine Replikantenoper“ von Autor Jan Eichberg im...Uraufführung von „The...

Uraufführung von „The End. Eine Replikantenoper“ von Autor Jan Eichberg im Theater Bremen

Premiere ist am 26. September 2019 um 20 Uhr im Kleinen Haus

Vielleicht schreiben wir das Jahr 2350. Menschen gibt es keine mehr. Die von ihnen geschaffenen Arbeitssklaven, die sogenannten Replikanten, sind allein auf der Welt. Ob sie ihre Schöpfer abgeschafft haben oder die sich selbst, ist ungewiss. Regisseur Felix Rothenhäusler und Autor Jan Eichberg werfen in der Uraufführung „The End. Eine Replikantenoper“ einen Blick in eine nicht allzu ferne Zukunft, eine nach einer unbenannten Eskalation: Ob der Krieg oder eine Klimakatastrophe die Menschheit ausgelöscht hat, bleibt offen. Ob die Welt ohne die Menschen eine bessere ist, auch. In dieser fernen und unwirtlichen Zukunft wird jedoch eine Frage verhandelt, die uns auch heute beschäftigt: Die Frage nach der Herkunft unserer selbst: Welche Geschichte erzählen wir uns? Sind wir von jemandem geschaffen?

 

„Wir haben uns vorgestellt, dass die künstlichen Replikanten eine Art Kirche gegründet haben, in der sie – ähnlich des christlichen Krippenspiels – die Ereignisse der alten Zeit nachspielen.“, erläutert Jan Eichberg: „Die Religion der Replikanten beschäftigt sich mit ihrem existenzialistischen Dilemma und ihrer Erlösung: Die „echten“ Menschen waren ihre Schöpfer, ohne sie gäbe es die Replikanten nicht. Gleichzeitig waren diese „Götter“ ihre größten Widersacher und mussten überwunden werden, was wiederum bedeutete, dass die Replikanten einer neuen Form der Fortpflanzung bedurften. Und auch einer neuen Religion, denn mit dem Verschwinden der Menschen ist Gott nun endgültig tot.“

 

Auf der Bühne verhandelt werden diese Fragen nun in Form einer Oper – einer Oper im Schauspiel allerdings. Theresa Schlesinger ist zu Beginn der Spielzeit 2019/20 als Dramaturgin ans Theater Bremen gekommen und begleitet die Proben und die Entstehung der Fassung zu „The End. Eine Replikantenoper“. Was es heißt, wenn Felix Rothenhäusler ein Stück inszeniert, in dem das Wort „Oper“ vorkommt, erklärt sie wie folgt: „Die Replikantenoper ist der Versuch, einen Resonanzraum zu schaffen, in dem die Sprache zur Musik wird, sich mit ihr verbindet und über die Erzählung hinaus eine emotionale Anbindung schafft an die Angst vor dem Aussterben und die Vorstellung von einer Zukunft ohne Menschen. Es handelt sich nicht um eine klassische Oper, wie wir sie kennen, vielmehr sind Bruchstücke davon geblieben, die eine neue Form begründen und uns damit vielleicht in ein neues Zeitalter geleiten.“

 

Regie führt Felix Rothenhäusler, Hausregisseur am Theater Bremen und regelmäßiger Gast an den Münchner Kammerspielen. Er studierte Theater- und Medienwissenschaft in Bayreuth und Paris sowie Regie an der Theaterakademie Hamburg. Während des Studiums gastierte er mit seinen Inszenierungen beim Körber Studio Junge Regie in Hamburg, bei Radikal jung in München und auf dem Festival Premières in Straßburg, danach folgten Arbeiten unter anderem am Düsseldorfer Schauspielhaus und am Deutschen Theater in Göttingen.

 

Regie: Felix Rothenhäusler

Bühne: Katharina Pia Schütz

Kostüme: Elke von Sivers

Musik: Jo Flüeler, Moritz Widrig

Dramaturgie: Theresa Schlesinger

 

Mit: Annemaaike Bakker, Nadine Geyersbach, Justus Ritter, Matthieu Svetchine, Alexander Swoboda

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 15 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Geld regiert die Welt

Biblische Stoffe als Grundlage für eine Oper hatten es nicht nur um 1870 schwer, überhaupt aufgeführt zu werden, sondern scheinen auch heute das Publikum nicht allzu sehr zu reizen, wenn man die…

Von: Dagmar Kurtz

Amerikanische Avantgarde

Mit gleich vier Stücken amerikanischer Choreographen der Moderne, die die amerikanische, aber auch die internationale Tanzszene erheblich beeinflussten, wartet der b40-Ballettabend an der Deutschen…

Von: Dagmar Kurtz

Kein Ort. Nirgends.

Ein goldener Läufer, golden wie eine Rettungsdecke, nimmt die Mitte der Bühne ein. Im Hintergrund liegt ein Mensch in eine graue Wolldecke gehüllt. So beginnt Raimund Hoghes Stück "Lettere amoroso".…

Von: Dagmar Kurtz

Ende einer Spaßgesellschaft

Eine reiche, leicht exzentrische Gesellschaft trifft sich in Hollywood zur Poolparty auf einem luxuriösem Anwesen. Sie hat sich in Schale geworfen, trägt nette 50er Jahre Sommerkleidung. Nur Hermann…

Von: Dagmar Kurtz

Clubnacht

Die Bühne schwarz, der Bühnenboden mit dunkler Erde und Plastikbechern bedeckt. Eine Frau kommt aus dem Dunklen und bewegt sich ganz langsam wie in Zeitlupe vorwärts. Nach und nach kommen weitere…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

 

Hintergrundbild der Seite
Top ↑