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Uraufführung: AUFTAUCHEN. EINE BESTANDSAUFNAHME. Volkstheater Wien

Premiere 2. Juni, 19.30 Uhr, Empfangsraum

 

Drei Menschen, die verschwunden sind, teils „freiwillig“, teils gänzlich erzwungen: Ein entführtes Mädchen in einem Keller. Ein junger Mann, dem Blutrache droht.

Er ist aufgrund gültiger Tradition gezwungen, sich in seinem Zimmer aufzuhalten und befindet sich damit in seinen eigenen vier Wänden in einer perversen Sicherheit. Verlässt er die Wohnung, darf er getötet werden. Eine Asylwerberin, die als U-Boot die letzte Chance erhofft, doch noch in Sicherheit bleiben zu können, nicht der Lebensgefahr in ihrem Heimatland ausgeliefert zu sein. Aber ihr Zeitgefühl schwindet in ihrem Versteck und sie fürchtet, vergessen zu werden und mangels Lebensmittel zugrunde gehen zu können. Der Kontrollverlust über die Situation löst panikartige Zustände in ihr aus.

 

Drei Menschen, die unter der Wahrnehmungsoberfläche existieren: Am Leben, aber nicht im Alltagsleben präsent. Mit „Auftauchen“ wird eine Bestandaufnahme des Ausgeliefertseins konkret erfahrbar.

 

Die Grenzen, die räumlich festgelegt sind, entsprechen nicht jenen des Bewusstseins. Diese inneren Grenzen sind es, die die Eingeschlossenen immer wieder aufs Neue aufsuchen müssen, um ihr Überleben zu gewährleisten. Dieselben Grenzen sind es, die ihnen aber gleichzeitig mögliche Auswege verstellen. Innen und Aussen verschmilzt während dem Warten auf Veränderung.

 

Konzept, Raum, szenische Gestaltung: Veronika Barnaš

Konzept, Text: Julya Rabinowich

 

Mit: Susa Meyer, Nanette Waidmann; Matthias Mamedof

 

Musikalische Begleitung: Franz Hautzinger

 

Julya Rabinowich (Konzept, Text):

„Durch das Einsteigen in den inneren Monolog dreier Eingeschlossener wird ein Erfahren der Mechanismen möglich, die in einer solchen Situation wirksam werden, um dem Betroffenen ein Überleben zu ermöglichen. Dieser innere Monolog hat kein Anfang und kein Ende, was sich im Aufbau des Stückes spiegelt - wie es begonnen hat, so schließt sich der Kreis im Leerlauf wieder, indem die letzten fünf Minuten ident mit den ersten fünf Minuten sind. Schließlich ist die Zeitlosigkeit eines der wichtigsten Faktoren, die das Leben eines Eingeschlossenen bestimmen. Die Tage verschmelzen zu einer endlosen Kette von inneren Fragen und Antworten, nur die Begründungen variieren, denn der menschliche Geist muss auf unmenschliche Situationen logisch stimmige Erklärungen finden, wenn er nicht zerbrechen möchte.

 

Indem das subjektive Erleben von unterschiedlichen Situationen, die allerdings den gleichen Effekt haben, bis ins tiefste Detail seziert wird, ergibt sich ein echoartig ineinander geschnittener Dialog, der im Endeffekt doch nichts anderes darstellt als eine kontinuierliche Monologisierung. Durch die unterschiedlichen Charaktere lässt sich eine feine Abstufung in dem Überlebensmechanismus aufzeigen.“

 

Julya Rabinowich, geboren 1970 in St. Petersburg. 1977 entwurzelt und umgetopft nach Wien. 1998-2006 Studium an der Universität für Angewandte Kunst Wien, Diplom 2006. Preise und Stipendien: exil-literaturpreis Schreiben zwischen den Kulturen 2003, Arbeitsstipendium der Stadt Wien 2004. Ihr Debütroman „Spaltkopf“ erschien im Oktober 2008 in der edition exil, für den sie den Rauriser Literaturpreis 2008 erhielt. Lebt als freie Malerin und Schriftstellerin mit ihrer Tochter in Wien.

 

Veronika Barnaš (Konzept, Raum, szenische Gestaltung):

 

„Der Empfangsraum wird in einen ‚Bunker’ verwandelt, der mittels Farb- und Lichtgestaltung ‚neutralisiert’ wird. Je nach Lichtstimmung ist es sowohl möglich Enge als auch Leere und Weite zu schaffen, mittels übergrellen Lichts die Raumgrenzen aufzuheben. So bewegen sich die Figuren z.B. in einem grellen ‚Nichts’ oder auch, in einem bedrückend engem, düsterem Raum. Ihre inneren Zustände werden nach Aussen gespiegelt, Ängste, Verlust von Zeitgefühl, Fremdbestimmtheit, Schmerz, Ausgeliefert sein, ‚Auflösung’ und ganz bei sich sein...“

 

Veronika Barnaš, geboren 1978 in Wien, studierte von 1999-2001 in der Meisterklasse Metall und von 2001-2006 raum&designstrategien, beides an der Kunstuniversität Linz. Veronika Barnas arbeitet künstlerisch raumbezogen und mit unterschiedlichsten Medien. Ein Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit individuellen Raumkonstruktionen („subjektive Kartographie“) sowie Methoden ihrer Darstellbarkeit. Insbesondere im Zusammenhang mit Literatur, Sprache und Biographien, wobei immer der „Raum“ in seinen unterschiedlichsten Bedeutungen und Ausprägungen den großen Kontext darstellt. Projektleiterin und Kuratorin der Ausstellungsreihe „unORTnung“ in Wien. Lebt und arbeitet in Wien.

 

Kartentelefon: 01-52111-400

 

weitere Vorstellungen: 8., 10., 18., 22., 23. Juni 2010

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