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Uraufführung: DIE WOLFSHAUT - Eine Produktion und Inszenierung von ACHIM LENZ nach dem Roman von HANS LEBERT im Theater Chur

Premiere 11. Jan. 2012, 20 Uhr. -----

Die WOLFSHAUT ist Österreichs düsterster Roman über die Provinz, eine Parabel über Schuld und Sühne. ACHIM LENZ und sein grösstenteils Bündner Ensemble machen aus dem surrealen Dorfroman ein hochvirtuoses Sprachstück.

Eine Tanzveranstaltung im Dorf Schweigen endet mit einem unheimlichen Todesfall. Beim alten Ziegelofen findet sich die Leiche des jungen Hans Höller. Niemand hat etwas gesehen, die Todesursache ist unklar. Was ist los in Schweigen, einem kleinen, abgeschiedenen Dorf?

 

Der Matrose Johann Unfreund, der sieben Jahre nach dem Krieg und dem Selbstmord seines Vaters in dieses Dorf zurückgekehrt ist, stösst auf eine kollektive Schuld, die das Dorf verschweigt und hütet. Er interessiert sich für die Morde an einer Gruppe von Zwangsarbeitern, die gegen Ende des Krieges dort umgebracht worden waren und an die kein Dorfbewohner sich erinnern will. Als auch der alte Schreckenschlager mit einer Axt erschlagen, von Schnee bedeckt, gefunden wird, glaubt das Dorf, ein Wolf treibe sein Unwesen. Denn die Menschen glauben lieber an den Wolf, als die Schuld aufzuarbeiten. Angst macht sich breit. Unfreund, der sich abseits der Dorfgemeinschaft hält und nachforscht, wird verdächtig. Das friedliche Bild des idyllischen Landlebens wird zunehmend brüchig.

 

Das gemeinsame Verbrechen, von dem alle wissen, über das aber keiner redet, schweisst die Dorfgemeinschaft gegen Fremde zusammen. Und der Wolf erscheint in der Gestalt des Fotografen Maletta, eines Aussenseiters, Getretenen, der sich nach und nach, durch Demütigungen, die seine Menschlichkeit zerstören, zum Tier wandelt. Maletta wird zur Bruchstelle durch die die transzendenten Kräfte der Natur – oder ist es Gott? – in die Welt der Lebenden eindringen. Der dritte Mord ist denn auch nicht mehr einer menschlichen Hand zuzuschreiben und während der Wald Wache steht, weicht der Regen das Schweigen im Dorf auf.

 

Sprachlich virtuos, mit den Mitteln einer Kriminalgeschichte, beschreibt Hans Lebert in «Die Wolfshaut» die Verstrickung einer Dorfgemeinschaft in die Verbrechen des 2. Weltkriegs. Damit war er einer der ersten, der sich des Themas Schuld und Verdrängen annahm, drastisch und schonungslos. Der düstere Heimatroman, 1991 neu verlegt, wurde u.a. auch von Elfriede Jelinek besprochen, die den Roman als „eines der grössten Leseerlebnisse ihres Lebens“ bezeichnet hat.

 

Der gebürtige Churer Achim Lenz inszeniert «Die Wolfshaut» mit einem hochkarätigen, grösstenteils Bündner Ensemble als Chorstück unter Schweizer Verhältnissen. Das Dorf Schweigen steht als Kollektiv mit Jaap Achterberg, Marco Luca Castelli, Max Rüdlinger, Nikolaus Schmid, Lea Schmocker, Gian Rupf und Tonia Maria Zindel auf der Bühne.

 

Eine Produktion und Inszenierung

von ACHIM LENZ nach dem Roman von HANS LEBERT

Regie: Achim Lenz

Ausstattung: Corinne Rusch

Dramaturgie: Ann-Marie Arioli

Assistenz: Gianina Flepp

Produktionsleitung: Mathias Balzer

Administration: Brigitte Balzer-Brunold

 

Mit: Jaap Achterberg, Marco Luca Castelli, Max Rüdlinger, Nikolaus Schmid, Lea

Schmocker, Gian Rupf, Tonia Maria Zindelf

 

Koproduktion: PRAIRIE. Das Koproduktionsmodell von Migros-Kulturprozent mit

innovativen Schweizer Theatergruppen, Theater Chur, Schlachthaus Theater Bern

In Kooperation mit: Ringlokschuppen Mülheim a.d.R.

Unterstützung: Migros Kulturprozent, Kanton Graubünden, Stadt Chur, Schweizer

Kulturstiftung Pro Helvetia, Ernst Göhner Stiftung, Artephila Stiftung, Ars Rhenia,

Wilhelm Doerenkamp Stiftung, Stiftung Dr. M. O. Winterhalter, Stiftung Lienhard

Hunger

 

Fr 13. / Sa 14. / So 15. Jan. 2012 20 Uhr

 

Weitere Vorstellungen: 20. / 21. Jan. 2012 Ringlokschuppen Mülheim a.d.R.,

28. Jan. 2012 Kurtheater Baden, 18. – 20. Apr. 2012 Schlachthaus Theater Bern

 

Achim Lenz wurde 1978 in Chur geboren. Er studierte an der Universität Basel Griechisch, Latein und Alte Geschichte. 2005 – 2009 studierte er an der Folkwang Universität der Künste Schauspiel- und Musiktheaterregie. Hier inszenierte er unter anderem «Sappho – es sinkt nun die Sonne» (2006), «Bier für Frauen» von Felicia Zeller (2006), «tötet die liebenden» von Xavier Durringer (2007) und «Alkestis» nach Euripides (2008). Seine Produktion T-A-N-N-Ö-D, welche als Ensemblearbeit im Rahmen des Treffens aller deutschsprachigen Schauspielschulen entstand, wurde 2008 mit dem Max-Reinhardt-Preis des österreichischen Bundesministeriums ausgezeichnet. Achim Lenz ist Förderpreisträger des Kantons Graubündens, des Eliette-von-Karajan-Kulturfonds und der Armin-Ziegler-Stiftung für Regie und Schauspiel. Er ist Mitglied der Festspielleitung der Gandersheimer Domfestspiele in Niedersachsen und unterrichtet an der Folkwang Universität der Künste. Im Februar 2010 machte seine Inszenierung «Öderland» nach Max Frischʻs «Graf Öderland» am Theater Chur Furore.

 

Hans Lebert wurde am 9. Januar 1919 in Wien geboren und begann nach der Schulzeit eine Gesangsausbildung. Er war zunächst Chorsänger, dann Opernsänger und spezialisierte sich auf Wagner-Partien. Im 2. Weltkrieg wurde er wegen «Wehrkraftzersetzung» angeklagt, entging seiner Verurteilung nur mit Glück und arbeitete auch mit österreichischen Widerstandskämpfern zusammen. Nach dem Krieg veröffentlichte er 1946 erste Gedichte in der Zeitschrift «Plan». 1956 ließ er sich in Baden bei Wien nieder, wo er in Zurückgezogenheit seiner schriftstellerischen Tätigkeit nachging. Sein Roman «Die Wolfshaut» (1960), an dem er fast ein Jahrzehnt gearbeitet hatte, brachte Lebert den Durchbruch als Autor, er wurde 1961 mit dem Theodor-Körner-Preis und 1962 mit dem Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet. Doch negative Kritik an seinem nächsten Buch «Der Feuerkreis» und der Tod seiner Frau Anette führten zum völligen Rückzug Leberts aus dem literarischen Leben. Erst die Neuauflage von «Die Wolfshaut» im Jahr 1991 – von der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek als «eines der größten Leseerlebnisse ihres Lebens» und «erster radikal moderner Roman der österreichischen Nachkriegsliteratur» eingestuft – wurde ein großer Erfolg, der Lebert in seinen letzten Lebensjahren noch entsprechende Würdigungen zuteil werden ließ.

1992 wurde er mit dem Grillparzer-Preis geehrt. Er starb 1993.

 

www.theaterchur.ch

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