Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Uraufführung: "Macht und Widerstand", Bühnenfassung des Romans von Ilija Trojanow, im Schauspiel HannoverUraufführung: "Macht und Widerstand", Bühnenfassung des Romans von Ilija...Uraufführung: "Macht und...

Uraufführung: "Macht und Widerstand", Bühnenfassung des Romans von Ilija Trojanow, im Schauspiel Hannover

Premiere 15. Dezember 2016, 19:30 Uhr, Schauspielhaus. -----

Ilija Trojanow hat mit Macht und Widerstand seinen Lebensroman geschrieben. Er beschreibt darin den politischen Umbruch von einem totalitären Regime in eine Demokratie und wie sich Opfer und Profiteure des früheren Regimes nach der Zeitenwende begegnen.

Bulgarien. Zwei Biografien. Die des Anarchisten Konstantin – zehn Jahre saß er für die Sprengung eines Stalindenkmals in Haft: Lager, Karzer, Zwangsarbeit, Psychiatrie, Kälte- und Hungerfolter, Wanzen, Schläge. Und die seines Folterers Metodi, dem »Michelangelo des Verhörs«, Produkt und Profiteur eines Regimes, das auf das Ressentiment der Zukurzgekommenen setzte und der Brutalität freien Lauf ließ. Doch das ist Jahre her. 1989 wechselt die Regierung, es bricht eine neue Zeit an – zumindest äußerlich. Die Protagonisten der Macht bleiben die gleichen. Sie haben sich ohne größeren Reibungsverlust neu eingerichtet. Erinnerungen sind trügerisch. Und unerwünscht. Konstantin versucht, in den Akten der Staatssicherheit Zeugnisse für das Erlebte zu finden. Er sucht die Wahrheit, zornig und kompromisslos. Seine Unerbittlichkeit wird ihm selbst von Leidensgefährten zum Vorwurf gemacht. Warum zurückschauen? Tatsächlich stößt Konstantin nur auf wenig aussagekräftige Dokumente. Die Sicherheitsbehörden haben gründliche Arbeit geleistet, ihre Arme reichen bis in die Gegenwart. Seine Erfahrungen werden negiert, finden keinen Widerhall. Und so bleiben Opfer und Folterer, Konstantin und Metodi, aneinander gekettet, ihre Biografien auf Lebenszeit miteinander verflochten, makaber aufeinander angewiesen durch die Zeugenschaft, die allein sie sich gegenseitig ablegen können.

 

Der Autor und Kosmopolit Ilija Trojanow recherchierte fast zwanzig Jahre, führte Gespräche mit Zeitzeugen, bezog Originaldokumente mit ein. Ein eminent politisches Buch, das ein zeitgeschichtliches Panorama von exemplarischer Gültigkeit entfaltet.

 

ILIJA TROJANOW (geb. 1965 in Sofia) floh als Sechsjähriger mit seiner Familie aus Bulgarien in den Westen. Er wurde ein deutschsprachiger Autor, preisgekrönt, ein Kosmopolit, der für diesen großen Roman zu den Wurzeln zurückkehrt. Fast zwanzig Jahre lang recherchierte er, führte Gespräche mit Zeitzeugen, bezog Originaldokumente mit ein. Es ist sein Lebenswerk. Ein eminent politisches Buch und ein schwindelerregender Blick in den Abgrund zwischen Macht und Widerstand. Am Schauspiel Hannover war Trojanow von 2012 bis 2015 Gastgeber der Gesprächsreihe Weltausstellung Prinzenstraße.

 

Die Inszenierung liegt in den Händen von Dušan David Pařízek, der schon in seiner Maria Stuart-Inszenierung der Spielzeit 2014/15 gezeigt hat, wie sehr ihm die Reduktion komplexer Handlungsstränge und einer Vielzahl von Figuren auf wenige Akteure liegt. Auch in Macht und Widerstand werden nur drei Schauspieler und eine Schauspielerin alle wichtigen Figuren des Romans verkörpern: Neben Henning Hartmann und Sarah Franke aus dem Ensemble spielen Markus John und Samuel Finzi (Tatort, Kokowääh), der erstmals am Schauspiel Hannover gastiert. Finzi stammt wie der Autor Ilija Trojanow aus Bulgarien und kann eigene Erfahrungen aus der bulgarischen Vergangenheit in die Probenarbeit einbringen. Als ehemaliger Moderator der Gesprächsreihe Weltausstellung Prinzenstraße ist Ilija Trojanow dem Schauspiel Hannover schon seit mehreren Jahren verbunden.

 

Regie und Bühne Dušan David Pařízek

Kostümbild Kamila Polívková

Dramaturgie Judith Gerstenberg

 

Mit Samuel Finzi, Sarah Franke, Henning Hartmann, Markus John

 

Karten 21,50-43,50 € unter Tel. 0511 9999 1111, im Internet unter www.schauspielhannover.de und an den Kassen der Staatstheater

 

Preview, 13. Dezember, 19:30 Uhr, Schauspielhaus

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 16 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑