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ELLBOGEN von Fatma Aydemir, in einer Bühnenfassung von Ute Bansemir, theaterperipherie in Frankfurt

Premiere am 16. November 2017 um 19.30 Uhr im TITANIA, Basaltstr. 23, 60487 Frankfurt. -----

"Mein Name ist Hazal Agündüz und mein Thema lautet Überleben." Der Roman erzählt die Geschichte von Hazal, einem jungen Mädchen aus Berlin/Wedding, die sich - zwischen der Enge in der Wohnung ihrer türkischstämmigen Familie, der Perspektivlosigkeit in der Berufsvorbereitenden Maßnahme, Konflikten mit Ladendetektiven und deutschen blonden Mädchen, zu denen "das Leben von Anfang an einfach schon zu gut war" - mit ihren Freundinnen von Joint zu Joint hangelt.

Die Reste einer Hoffnung auf eine Änderung in ihrem Leben setzt sie auf ihren 18. Geburtstag, auf dessen Vorbereitung sie sich tagelang konzentriert. An der Tür zur der Diskothek, die der Eintritt in die Welt sein sollte, von denen, die eh überall Zugang haben, macht der Türsteher den Mädchen einen Strich durch die Rechnung: "Es ist zu voll. Es können nicht alle rein!"

 

Der Abend endet in einer Katastrophe, als die drei Mädchen auf dem Heimweg in eine Auseinandersetzung mit einem Student geraten, an deren Ende Hazal den "Studentenkörper" auf das U-Bahn-Gleis wirft. Hazal flüchtet daraufhin zu einer Chat-Bekanntschaft nach Istanbul, eine Stadt, die ihr völlig fremd ist, in der ein Putsch stattfindet, dessen Gründe sie noch nicht mal vor Ort versteht,... aber plötzlich sieht es so aus als könnten die Karten nochmal neu gemischt werden.

 

Die Inszenierung von theaterperipherie wird von vier jungen Mädchen gespielt, die alle im Alter von Hazal sind und kaum bis keine Erfahrung mit dem Theater haben, dafür aber die Lebenswirklichkeit von Hazal kennen. Sie folgen dem Roman ganz stringent darin, keine Antworten zu geben, sondern Fragen zu stellen, bohrend und hartnäckig - wie Hazal, deren reuelose, wütende, rebellische, nach Liebe hungernde Haltung ein Schrei danach ist, wahrgenommen zu werden und sie zu einer Figur macht, die uns mehr erzählen kann über Ungerechtigkeiten, Schuld und das Leben als soziologische Studien, politische Talkshows oder andere Formate, in denen über die Hazals in unserem Land diskutiert wird, deren Perspektive auf die Welt aber nicht wirklich vorkommt. Weil die Sachen, die sie sagt, unbequem sind, unzugänglich und gefährlich, weil Hazal alles in Frage stellt, was wir zu wissen glauben über Chancengleichheit, Integration, Emanzipation und das richtige Leben, weil Hazal Scheinheiligkeiten entlarvt, auf die wir nur ungern unseren Blick richten.

 

"Ich war wütend in der Nacht und hatte Angst. (...) Aber das war nicht nur wegen der Nacht oder wegen dem Studenten, ich war schon vorher wütend, die ganze Zeit. Und nach der Nacht war plötzlich alles anders. Vielleicht nur für ein paar Tage, aber es hat sich so angefühlt, als sei nicht schon jeder Stein auf meinem Weg vorherbestimmt. Als gäbe es da einfach noch eine andere Möglichkeit vor mir. (...) Ich soll Reue zeigen, na klar. (...) Irgendwelche Leute haben das Sagen und versuchen, die anderen fertigzumachen und mit dem Finger auf sie zu zeigen. (...) Kein Schwanz interessiert sich für uns, sie sehen uns nur, wenn wir Scheiße bauen, dann sind sie neugierig. Wenn wir einen Thorsten vor die U-Bahn schneißen, wollen sie auf einmal wissen, wer wir sind. (...) Ich verstehe endlich, wie die Sache läuft, ich verstehe, dass die Welt scheißungerecht ist und dass sie anders besser wäre, , aber anders wird sie nie werden. Doch das liegt nicht an mir. Und dass ich das weiß, wird mir vielleicht nicht helfen, so im praktischen Leben. Aber es hilft meinem Herz."

 

mit: Jasna Ines Sayar, Luna Vega, Nazli Dersüneli, Omeira Ibrahim

 

Regie: Ute Bansemir

Dramaturgie: Hannah Schassner

Ausstattung/Video: Sandra Li Maennel

 

weitere Termine: 30.11.17 // 13.12.17, jeweils um 19.30 Uhr

 

 

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