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Vortragsreihe GELEHRTE IM THEATER in Münster - MENSCHHEITSDÄMMERUNG- DER ERSTE WELTKRIEG UND DIE KÜNSTEVortragsreihe GELEHRTE IM THEATER in Münster - MENSCHHEITSDÄMMERUNG- DER...Vortragsreihe GELEHRTE...

Vortragsreihe GELEHRTE IM THEATER in Münster - MENSCHHEITSDÄMMERUNG- DER ERSTE WELTKRIEG UND DIE KÜNSTE

Sonntag, 23. März bis Sonntag, 20. Juli 2014. -----

Die Vortragsreihe GELEHRTE IM THEATER wurde 2004 von dem Dramaturgen und Pressesprecher der Städtischen Bühnen Münster (seit August 2012 Theater Münster) Wolfgang Türk konzipiert. Sie widmet sich alljährlich unter Beteiligung namhafter Fachwissenschaftler kulturgeschichtlichen Themenstellungen.

 

Im Jahr ihres zehnjährigen Bestehens kann die Reihe (gemeinsam mit den 2009 begründeten THEATERGESPRÄCHEN) auf fast 300 Veranstaltungen zurückblicken. Mit 25 Vorträgen – und damit länger denn je – und einer begleitenden Filmreihe thematisiert GELEHRTE IM THEATER diesjährig den Ersten Weltkrieg im Spiegel der Künste und Wissenschaften.

 

„Vorlesung am Vorabend abgesagt. Morgens Einkäufe: Revolver. Nachmittags gegen 3 Uhr verkünden Extrablätter den drohenden Kriegszustand“, notiert der Elsässer Dichter Ernst Stadler am 31. Juli 1914 in sein Kriegstagebuch. Einen Tag später tritt Deutschland in den Krieg ein, am 3. August folgt Frankreich, am 4. August Großbritannien – am Monatsende werden es 15 Nationen von Europa bis Japan sein. Nach vier Jahren verzeichnen die Chronisten die verheerende Bilanz eines Krieges, der als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ in die Geschichte eingehen sollte: 10 Millionen Kriegstote, mehr als 20 Millionen Verletzte, ein unüberschaubare Anzahl physisch und psychisch gebrochener Menschen, verwüstete Landstriche und Städte, ein totaler Zusammenbruch der politischen Systeme und wirtschaftliche Folgen, die in Inflation und Arbeitslosigkeit noch jahrelang spürbar bleiben sollten.

 

Kriegserwartung, -verlauf und -folgen sind von Dichtern, Künstlern, Komponisten, Philosophen und Intellektuellen in außergewöhnlicher Fülle über Jahre hinaus europaweit literarisierend, musikalisch und bildkünstlerisch begleitet und kommentiert worden. Gedicht- und Bildzyklen, Romane und Theaterstücke belegen die Gemüts- und Seelenverfassung einer Generation, die seismographisch auf die Zeitereignisse reagierte und mythisierend, idealisierend, verklärend, angstvoll, anklagend oder dauerhaft traumatisiert auf den Krieg reagierte und nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen für das Gesehene und Erlebte rang. Der Untergang des alten Europa im Ersten Weltkrieg beförderte in zynischer Paradoxie eine unerwartet reiche Kunstproduktion, die unweigerlich den Weg in die Moderne wies.

 

Unter dem Titel MENSCHHEITSDÄMMERUNG. DER ERSTE WELTKRIEG UND DIE KÜNSTE wird die Reihe GELEHRTE IM THEATER in 25 Vorträgen ein großes Panorama der Zeit entfalten, und in den unterschiedlichen Kunstgattungen die vielgestaltigen Bilder des Krieges, die Künstler zum Ausdruck des Unfassbaren fanden, im europäischen Kontext vorstellen. Historiker von Rang wie Hans-Ulrich Wehler, Herfried Münkler und Christopher Clark werden die geistige Mobilmachung der Intellektuellen im Kriegsjahr 1914 erläutern, in einem Podiumsgespräch wird Starphilosoph Peter Sloterdijk die Rolle der bildungsbürgerlichen Eliten im Vorfeld des Weltkriegs erörtern. Vorträge über Gerhart Hauptmann, Karl Kraus, Thomas und Heinrich Mann, Alfred Döblin sowie Bertolt Brecht reflektieren die Haltungen deutscher Großschriftsteller zum Kriegsgeschehen. Von Käthe Kollwitz über Ernst Ludwig Kirchner bis hin zu Otto Dix und George Grosz reicht das Spektrum der Künstler, deren erschütternde Bildschöpfungen zum Krieg vorgestellt werden. Weitere Beiträge widmen sich dem Musikleben in den Kriegsjahren, den Bildern der Mütter im Krieg wie auch schließlich den Opfern, den „toten und versehrten Helden“, in Literatur, Malerei und Denkmalkult nach 1918. Am 20. Juli, dem Gedenktag des deutschen Widerstands, soll in einem Abschlussvortrag die Traumatisierung der deutschen Gesellschaft durch den Ersten Weltkrieg thematisiert werden, um auf den eigentlichen „Gewinner“ des Kriegs zu verweisen: Adolf Hitler.

 

Eine begleitende Filmreihe (Montag, 5. Mai bis Montag 23. Juni 2014) widmet sich der cineastischen Umsetzung des Ersten Weltkriegs in internationalen Spielfilmen.

 

Idee und Konzeption: Wolfgang Türk, Theater Münster

 

Termine

 

Sonntag, 23. März, 11.30 Uhr

Prof. Dr. Hans-Ulrich Wehler

Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie,

Universität Bielefeld

DER WEG IN DEN ERSTEN WELTKRIEG.

ENTSTEHUNG UND VORAUSSETZUNGEN

 

Sonntag, 30. März, 11.30 Uhr

Prof. Dr. Roland Berbig

Institut für deutsche Literatur, Humboldt-Universität zu Berlin

„DICHTER KÖNNTE MAN WIRKLICH ZU HAUSE LASSEN …“.

LITERARISCH-KULTURELLE STREIFZÜGE IM KRIEGSJAHR 1914

 

Sonntag, 6. April, 11.30 Uhr

Prof. Dr. Klaus Vondung

Germanistisches Seminar, Universität Siegen

APOKALYPTISCHE VISIONEN DES KRIEGS – VOR UND NACH 1914

 

Sonntag, 13. April, 11.30 Uhr

Prof. Dr. Peter Petersen

Musikwissenschaftliches Institut, Universität Hamburg

MUSIKALISCHE MOBILMACHUNG IM ERSTEN WELTKRIEG

 

Sonntag, 27. April, 11.30 Uhr

Prof. Dr. Heike Gfrereis

Deutsches Literaturarchiv Marbach

SCHREIBEN IM KRIEG.

BRIEFE UND TAGEBÜCHER DEUTSCHER SCHRIFTSTELLER

 

Donnerstag, 1. Mai, 11.30 Uhr

Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Ribbat

Germanistisches Institut, Westfälische Wihelms-Universität Münster

ERZÄHLTER WELTKRIEG.

ALFRED DÖBLIN, ARNOLD ZWEIG, HERMANN BROCH – UND AVI PRIMOR

 

Sonntag, 4. Mai, 11.30 Uhr

Prof. Dr. Gunter Reiß

Germanistisches Institut, Westfälische Wihelms-Universität Münster

HERRENRECHT.

LITERARISCHE REFLEXE EINER AUTORITÄREN GESELLSCHAFT

IM VORFELD DES ERSTEN WELTKRIEGS

 

Sonntag, 4. Mai, 15.30 Uhr

Prof. Dr. Peter Hoeres

Institut für Geschichte, Julius-Maximilians-Universität Würzburg

KRIEG DER PHILOSOPHEN.

EUROPÄISCHE INTELLEKTUELLE IM POLEMISCHEN GESPRÄCH

 

Sonntag, 11. Mai, 11.30 Uhr

Prof. Dr. Barbara Vinken, Ph. D.

Lehrstuhl für Romanische und Allgemeine Literaturwissenschaft,

Ludwig-Maximilians-Universität München

KRIEG DER MÜTTER.

OPFERN FÜR DEUTSCHLAND

 

Sonntag, 18. Mai, 11.30 Uhr

Prof. Dr. Hermann Korte

Germanistisches Seminar, Universität Siegen

STIMMEN ÜBER BARBAROPA.

DER ERSTE WELTKRIEG UND DIE LYRIK DES EXPRESSIONISMUS

 

Sonntag, 25. Mai, 11.30 Uhr

Priv. Doz. Dr. Ernst Piper

Historisches Institut, Universität Potsdam

NACHT ÜBER EUROPA.

DIE JÜDISCHEN INTELLEKTUELLEN UND DER ERSTE WELTKRIEG

 

Donnerstag, 29. Mai, 11.30 Uhr

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Frühwald

Institut für Deutsche Philologie, Ludwig-Maximilians-Universität München

LITERARISCHER PAZIFISMUS.

GERHART HAUPTMANN, ERNST TOLLER, BERTOLT BRECHT

UND DER TRAUM VON EINER BESSEREN WELT

 

Donnerstag, 29. Mai, 15.30 Uhr

Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Borchmeyer

Germanistisches Seminar, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

„GEDANKEN IM KRIEGE“.

EIN BRUDERZWIST IM HAUSE MANN

 

Sonntag, 1. Juni, 11.30 Uhr

Prof. Dr. Jens Malte Fischer

Theaterwissenschaft München, Department Kunstwissenschaften,

Ludwig-Maximilians-Universität München

DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT.

KARL KRAUS UND DER ERSTE WELTKRIEG

 

Sonntag, 1. Juni, 15.30 Uhr

Prof. Dr. Volker Klotz

Institut für Literaturwissenschaft, Universität Stuttgart

ABTRÜNNIGER ANTIMILITARISMUS.

SELBSTVERRAT DER OPERETTE ANNO 1914 ff.

 

Sonntag, 8. Juni, 11.30 Uhr, Kleines Haus

PODIUMSDISKUSSION

Prof. Dr. Christopher Clark

Faculty of History, University of Cambridge

Prof. Dr. Herfried Münkler

Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin

DER ERSTE WELTKRIEG ALS „URKATASTROPHE“ DES 20. JAHRHUNDERTS

 

Sonntag, 15. Juni, 11.30 Uhr

Prof. Dr. Helmuth Kiesel

Germanistisches Seminar, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

VOM KRIEGSTAGEBUCH ZUM HELDENEPOS:

DIE VERARBEITUNG DER KRIEGSERFAHRUNG

BEI ERNST UND FRIEDRICH GEORG JÜNGER

 

Sonntag, 15. Juni, 15.30 Uhr

Prof. Dr. Uwe-K. Ketelsen

Germanistisches Institut, Ruhr-Universität Bochum

WIR SIND „EIN GRAUES HEER UND FAHR’N IN KAISERS NAMEN“ .

WALTER FLEX’ UND ERICH MARIA REMARQUES WELTKRIEGSROMANE

 

Donnerstag, 19. Juni, 11.30 Uhr

Prof. Dr. Uwe Pörksen

Deutsches Seminar, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

ERSTER WELTKRIEG.

SPRACHE DER PROPAGANDA UND IDENTIFIKATION –

DES ZWEIFELS UND DER VERWEIGERUNG

 

Donnerstag, 19. Juni, 15.30 Uhr

in Kooperation mit dem Richard-Wagner-Verband Münster

Nora Eckert, Berlin

RICHARD WAGNER UND DER ERSTE WELTKRIEG.

ÜBER DIE BEGEGNUNG VON KUNST UND POLITIK IM MYTHOS

 

Sonntag, 22. Juni, 11.30 Uhr

Prof. Dr. Uwe M. Schneede

Direktor der Hamburger Kunsthalle (1991–2006)

ABBRÜCHE UND BESCHLEUNIGUNGEN.

WIE SICH DIE KRIEGSERLEBNISSE IN DER BILDKUNST AUSWIRKTEN

 

Sonntag, 29. Juni, 11.30 Uhr, Großes Haus

PODIUMSDISKUSSION

Prof. Dr. Peter Sloterdijk

Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Dr. Dr. h.c. mult. Manfred Osten, Bonn

„GEHORSAM UND LANGE BEINE“ (NIETZSCHE) –

1914: EINE URKATASTROPHE DER BILDUNG

 

Sonntag, 6. Juli, 11.30 Uhr

Prof. Dr. Sabine Kienitz

Institut für Volkskunde/ Kulturanthropologie, Universität Hamburg

BESCHÄDIGTE HELDEN.

KRIEGSINVALIDITÄT UND KÖRPERBILDER NACH DEM ERSTEN WELTKRIEG

 

Sonntag, 13. Juli, 11.30 Uhr, Theatertreff

Prof. Dr. Hans-Ernst Mittig

Hochschule der Künste Berlin

ÜBER TRAUER HINAUS: WELTKRIEGSDENKMÄLER NACH 1918

 

Sonntag, 20. Juli, 11.30 Uhr, Theatertreff

Prof. Dr. Gerd Krumeich

Institut für Geschichtswissenschaften, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

DIE DEUTSCHE GESELLSCHAFT UND DAS TRAUMA DES ERSTEN WELTKRIEGS oder WIE HITLER DEN ERSTEN WELTKRIEG GEWANN

 

Die Vortragsveranstaltungen finden, wenn nicht anders genannt, im Oberen Foyer des Theaters statt. Der Eintritt beträgt jeweils 10 € (erm. 5 €), bei Buchung der gesamten Reihe 150 € (erm. 75 €).

 

Filmreihe

 

Montag, 5. Mai, 20.00 Uhr

Marli Feldvoss, Frankfurt am Main

DER ERSTE WELTKRIEG UND DAS KINO.

VOM ERSTEN MEDIENKRIEG ZUR FILMISCHEN ERINNERUNGSKULTUR: DEUTSCHLAND – ENGLAND – FRANKREICH – USA

im Anschluss, 22.00 Uhr

Film mit Einführung

ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT (Im Westen nichts Neues)

von Lewis Milestone, USA 1930

 

Montag, 12. Mai, 20.00 Uhr

Film mit Einführung

LA GRANDE ILLUSION (Die große Illusion)

von Jean Renoir, Frankreich 1937

 

Montag, 19. Mai, 20.00 Uhr

Film mit Einführung

PATHS OF GLORY (Wege zum Ruhm)

von Stanley Kubrick, USA 1957

 

Montag, 26. Mai, 20.00 Uhr

Film mit Einführung

JOHNNY GOT HIS GUN (Johnny zieht in den Krieg)

von Dalton Trumbo, USA 1971

 

Montag, 2. Juni, 20.00 Uhr

Film mit Einführung

GALLIPOLI (Gallipoli)

von Peter Weir, Australien 1981

 

Montag, 16. Juni, 20.00 Uhr

Film mit Einführung

LA VIE ET RIEN D’AUTRE (Das Leben und nichts anderes)

von Bertrand Tavernier, Frankreich 1989

 

Montag, 23. Juni, 20.00 Uhr

Film mit Einführung

UN LONG DIMANCHE DE FIANCAILLES (Mathilde. Eine große Liebe)

von Jean-Pierre Jeunet, Frankreich 2004

 

Die Filme werden jeweils in der deutschen Synchronfassung gezeigt. Die Filmvorführungen finden im Theatertreff des Theaters Münster statt. Der Eintritt beträgt jeweils 5 €, bei Buchung der gesamten Reihe 30 €.

 

Gesamtprogramm: www.theater-muenster.com

 

Kartenreservierung: Theaterkasse (Tel.: 0251.5909–100)

 

 

 

 

 

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