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Wuppertaler Bühnen: FALSTAFF von Giuseppe Verdi

Premiere 27. November 2011, 18.00 Uhr im Opernhaus. -----

Wohlbeleibt und stets bestrebt, seinen Bauchumfang zu vergrößern, genießt Ritter Sir John Falstaff mit seinen Dienern Bardolfo und Pistola ein ausschweifendes Leben am Rande der Legalität, misstrauisch beäugt von der gutbürgerlichen Gesellschaft mit ihren konservativen Regeln.

Vorwürfe wegen Diebstahls und diverser anderer Missetaten, wie von Dr. Cajus vorgebracht, werden unter höhnischem Gelächter abgewiesen. Doch dann bekommt Falstaff die Rechnung für sein nächtliches Festgelage präsentiert und muss erkennen, dass er pleite ist. Eine lukrative Liaison mit gleich zwei reich verheirateten Damen der Gesellschaft – herbeigeführt durch zwei gleichlautende Liebesbriefe Falstaffs – soll neben verheißungsvollen Rendezvous mit den beiden Schönen auch

den Ausweg aus der finanziellen Misere darstellen.

 

Aber die Briefübergabe durch seine Diener scheitert fast an deren Geldgier, außerdem erliegen die befreundeten Damen Falstaffs Charme keineswegs. Als sie sein Vorhaben durchschauen, planen sie gemeinsam mit Mrs. Quickly und Alices Tochter Nannetta, dem Schürzenjäger eine Lektion zu erteilen. Zufällig erfährt auch Alices eifersüchtiger Ehemann von dem geplanten Stelldichein und ist wild entschlossen, es mit List und Waffengewalt zu vereiteln.

 

In letzter Sekunde kann Falstaff der brenzligen Situation entrinnen, muss dafür aber ein unfreiwilliges Bad nehmen. Nass und frierend sucht der Ritter Trost im Glühwein, doch sein unverwüstliches Selbstvertrauen treibt ihn in eine weitere Falle der Frauen: beim vermeintlichen Stelldichein um Mitternacht wird er von der verkleideten Gesellschaft – darunter auch die eingeweihten Männer und Falstaffs Diener – kräftig verprügelt.

 

Plötzlich erkennt Falstaff einen seiner Peiniger und die unerwartete Wendung der Geschichte beweist, dass Falstaff nicht der einzige Genarrte der nächtlichen Maskerade ist. Auch gegen Fords Plan, seine Tochter Nannetta mit dem unattraktiven Dr. Cajus zu verheiraten, sind die Frauen gewappnet: im allgemeinen Trubel werden Nannetta und der junge Fenton ein Ehepaar. Die Gesellschaft versöhnt sich mit Falstaff in einem gemeinsamen Fest.

 

Über sein letztes Bühnenwerk schrieb Giuseppe Verdi: »Falstaff ist ein schlimmer Geselle, der allerlei Unarten begeht, aber witzig. Er ist ein Typ! Die Typen sind so selten auf der Opernbühne … Und meine Oper ist ganz und gar komisch.« Der Komponist, dessen Name für die größten Tragödien der Opernwelt steht, beendete sein Lebenswerk ausgerechnet mit einer komischen Oper. Shakespeare, dessen Dramen Verdi hoch schätzte und mehrfach vertonte, lieferte auch für Falstaff die Vorlage: aus den Lustigen Weiber von Windsor und Heinrich IV. schuf Arrigo Boito eine liebevolle Charakterstudie und ein wahres Feuerwerk der Eloquenz, in dessen Mittelpunkt die Liebeseskapaden des alternden Ritters Sir John Falstaff stehen. Dabei entstand ein Meisterwerk, das bei allem Witz auch viel Weisheit des lebens- und opernerfahrenen Komponisten in sich trägt. Verdi bedachte seine scheinbar lächerliche Hauptfigur mit besonderer Liebe und verabschiedete sich mit dem »Schmerbauch« augenzwinkernd von der Opernbühne.

 

Opernintendant Johannes Weigand inszeniert gemeinsam mit seinem langjährigen Produktionsteam Moritz Nitsche (Bühne) und Judith Fischer (Kostüme) einen Sommernachtstraum der besonderen Art. Englische Sommerfrische in der Kulisse von Strand und Meer bilden den Rahmen für den schwergewichtigen Ritter und seine amourösen Abenteuer. Raffiniert und mit feinem Humor bringt die Inszenierung Verdis Schlussmotto »Die ganze Welt ist Komödie« auf den Punkt.

 

Musikalische Leitung: Hilary Griffiths

Inszenierung: Johannes Weigand

Bühne: Moritz Nitsche

Kostüme: Judith Fischer

Choreinstudierung: Jens Bingert

Dramaturgie: Ulrike Olbrich

 

Mit: Kiril Manolov (Falstaff), Thomas Laske (Ford), Banu Böke (Alice Ford), Dorothea Brandt (Nannetta), Boris Leisenheimer / Christian Sturm (Fenton), Stephan Boving (Dr. Cajus), Ralf Rachbauer (Bardolfo), Thomas Schobert (Pistola), Diane Pilcher (Mrs Quickly), Joslyn Rechter (Meg Page)

 

Opernchor und Statisterie der Wuppertaler Bühnen

 

Sinfonieorchester Wuppertal

 

Die nächsten Vorstellungen sind am 29. November, 04. / 08. und 17. Dezember 2011, 08. und 20. Januar sowie am 19. Februar 2012 im Opernhaus.

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