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Zum Tod des Schauspielers Claus Eberth

Mit Trauer und Dankbarkeit für eine Jahrzehnte lange, freundschaftliche, gemeinsame künstlerische Arbeit gibt das Bayerische Staatsschauspiel München bekannt, dass der Schauspieler Claus Eberth am 24. Juni 2009 gestorben ist.

 

Claus Eberth, als Kind eines Schauspielerehepaars am 21. September 1934 in Würzburg geboren, erhielt Schauspielunterricht an den Hamburger Kammerspielen und gelangte über Engagements in Schloss Maßbach, Karlsruhe und Wuppertal an die Staatlichen Schauspielbühnen Berlin.

 

1976 kam er an die Münchner Kammerspiele und spielte in Dieter Dorns Antrittsinszenierung der „Minna von Barnhelm“ den Paul Werner. Seit dieser Zeit war Claus Eberth einer der begehrtesten und meistbeschäftigten Schauspieler des Ensembles und arbeitete mit vielen wichtigen Regisseuren des Hauses: mit Dieter Dorn (als Theseus und Oberon im „Mittsommernachtstraum“, Sir Toby Rülps in „Was ihr wollt“, als Danton in „Dantons Tod“, als Orest in der „Iphigenie“, als Sir Lancelot in "Merlin", als General Irrigua in "Ein Klotz am Bein", als der Maler Titorelli in "Der neue Prozess", als Achilles in "Troilus und Cressida", als Gerichtsrat Walter im „Zerbrochnen Krug“, als Kent in „König Lear“ und Kottwitz im „Prinz von Homburg“, als Belarius in "Cymbelin"), Hans Lietzau (als Meister Anton in „Maria Magdalena“ von Hebbel, als Wanja in "Onkel Wanja", als „Blauer Boll“ von Barlach), Ernst Wendt (die Titelrolle in „Ödipus“ und "Germania" in "Germania Tod in Berlin", beides von Heiner Müller und im „Balkon“ von Genet), George Tabori (als Pozzo in "Warten auf Godot" von Samuel Beckett) Thomas Langhoff (als Glashüttendirektor in "Und Pippa tanzt", als Dr. Wangel in der „Frau vom Meer“) Harald Clemen (in "Auf dem Chimborazo" von Trankred Dorst und "Hase Hase"von Coline Serreau) Peter Zadek (als Hutmacher in Alice im Wunderland) und Hans-Joachim Ruckhäberle (in „Wolokolamsker Chaussee“ von Heiner Müller).

 

2001 wechselte er mit Dieter Dorn ans Bayerische Staatsschauspiel und spielte dort in der Regie von Thomas Langhoff im „Vater“ von Strindberg, im „Friedensfest“ von Hauptmann und im „Eingebildet Kranken“ von Molière, außerdem arbeitete er mit den Regisseuren Florian Boesch und Jochen Schölch. Seine letzten Arbeiten galten den Beckett-Stücken „Das letzte Band“ und „Endspiel“, die er gemeinsam mit seinem Sohn Matthias im Marstall aufführte.

 

Dieter Dorn:

„Claus Eberth hatte in München den großen Auftritt. Er kam 1976 mit mir vom Berliner Schillertheater, ein hoch geschätzter Schauspieler. Er spielte den Werner in der „Minna von Barnhelm“, meiner ersten Münchner Premiere, den „Ödipus“ in der Regie von Ernst Wendt, Theseus und Oberon in meinem „Mittsommernachtstraum“, Sir Toby Rülps in „Was ihr wollt“, Danton in „Dantons Tod“, Orest in der Iphigenie, bei Lietzau den Meister Anton in „Maria Magdalena“ und den „Blauen Boll“ von Barlach. 2001 kam er mit uns ans Bayerische Staatsschauspiel, konnte aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so viel spielen.

 

Claus Eberth lebte in einem Widerspruch, in dem Widerspruch zwischen seinem robusten Aussehen, der großen Kraft, die er ausstrahlte und der ungeheuer zarten Sensibilität, die ihm zu Eigen war. Eberth sah so aus, wie man sich auf dem Theater einen Kämpfer und Helden vorstellt. In Genets „Balkon“ wurde er von Ernst Wendt dementsprechend als „Roger, der Revolutionär“ besetzt. Als Schauspieler war ihm das Revolutionäre und Robuste aber ganz fremd, seine Arbeit war ein ununterbrochenes Suchen und Entwickeln. Und er war, auch dies nicht unbedingt seiner Wirkung als Kämpfer entsprechend, ein Mensch, der Harmonie brauchte und suchte, nicht die Konfrontation. Deshalb war er mein Danton.

 

Eberth kämpfte mit jeder Rolle, mit ihren Herausforderungen, mit seinem Anspruch an sich selbst und seiner Sehnsucht, der Rolle wirklich ganz und gar gerecht zu werden. Das ging so weit, dass er während der Proben seine ganze Existenz in den Dienst der Arbeit an der Rolle stellte. Immer suchte er in ihr die Nähe zu sich und seiner Situation, bis ins konkret Biographische. Deshalb interessierte ihn zuletzt vor allem der Umgang mit Becketts alten Männern, mit denen er sich begeistert identifizierte und die ihm in schwierigen Zeiten wieder Lebensmut gaben: Krapp im „Letzten Band“ und Hamm im „Endspiel“, die er zusammen mit seinem Sohn Matthias im Marstall realisierte und spielte.

Zum letzten Mal trat er am 14. November 2008 als Hamm im "Endspiel" auf.“

 

 

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