Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
10 Dramatiker im Autorenwettbewerb - HEIDELBERGER STÜCKEMARKT 2011 mit Theaterland Türkei10 Dramatiker im Autorenwettbewerb - HEIDELBERGER STÜCKEMARKT 2011 mit...10 Dramatiker im...

10 Dramatiker im Autorenwettbewerb - HEIDELBERGER STÜCKEMARKT 2011 mit Theaterland Türkei

Die Finalisten für den Autorenwettbewerb des HEIDELBERGER STÜCKEMARKTS 2011 stehen fest: Jérôme Junod, Konradin Kunze, Stephan Lack, Christian Lehnert, Sascha Macht, Bonn Park, Rike Reiniger sowie die türkischen Autoren Berkun Oya, Ahmet Sami Özbudak und Fehime Seven sind nominiert.

Theaterverlage, Schreib-Lehrgänge und ehemalige Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben 79 bislang nicht uraufgeführte deutschsprachige Stücke eingereicht. Die achtköpfige Vorjury aus Dramaturgen und Schauspielern des Heidelberger Theaters hat beschlossen, den Kreis der deutschsprachigen Finalisten von sechs auf sieben Autoren zu erweitern.

 

Folgende Stücke werden bei den Autorentagen am 7. und 8.5.2011 in szenischen Lesungen und Publikumsgesprächen vorgestellt: Sascha Macht fackelt nicht lange und schlägt „Die gewaltige Schlacht um die Herzen der Menschen“ (empfohlen von Jens Groß), derweil Bonn Park seinen Helden in „Die Leiden des jungen SuperMario in 2D“ (empfohlen von John von Düffel) quer durch alle Levels des Spiele-Klassikers schickt. Rike Reiniger beschäftigt die tragische Geschichte des Meisterboxers Johann ‚Rukelie‘ Trollmann in ihrem Jugendstück „Zigeuner-Boxer“ (Theaterstückverlag). „Der Ring“ (Suhrkamp Theaterverlag) ist ein dramatisches Gedicht des Lyrikers Christian Lehnert, eine Parabel auf ein Paar im Ausnahmezustand. In ein Krisengebiet zieht es einen jungen Mann in „foreign angst“ von Konradin Kunze (empfohlen von Kristo Šagor). Wortspielerisch untersucht Stephan Lack die „Verfassung der Strände“ (Sessler Verlag) zwischen Ölkatastrophe, Schiffspiraterie und Tourismusindustrie, während Jérôme Junod endlich einmal den „Text“ selbst zu Wort kommen lässt (empfohlen von Anna Maria Krasnigg).

 

Hinzu kommen drei Stücke aus dem diesjährigen Gastland Türkei, die die Vorjury unter acht Vorschlägen des Scouts Dilek Altuntaş ausgewählt hat. Zwei gesellschaftliche Realitäten und zwei Liebesgeschichten knallen in Berkun Oyas „Schöne Dinge sind auf unserer Seite“ (Güzel Şeyler Bizim Tarafta) im modernen Istanbul aufeinander. „Die Spur“ (İz) führt Ahmet Sami Özbudak durch drei Stationen jüngerer türkischer Geschichte, ohne das Wohnzimmer im von Gentrifizierung bedrohten Stadtteil Tarlabaşı zu verlassen, während die erst 17-jährige Fehime Seven mit der Familien-Komödie „Der Türkei-Stein“ (Türkiye Kayası) daran erinnert, wie die türkische Minderheit 1989 aus Bulgarien vertrieben wurde. Die türkischen Stücke werden für das Festival eigens übersetzt und am 1.5.2011 in szenischen Lesungen präsentiert.

 

Der HEIDELBERGER STÜCKEMARKT ist mit insgesamt 23.500 € Preisgeld der höchstdotierte Förderwettbewerb für neue Dramatik. Zu den Gewinnern der letzten Jahre gehörten Philipp Löhle und Nis-Momme Stockmann. Über den Hauptpreis (gestiftet von der Manfred Lautenschläger Stiftung), den Innovationspreis (gestiftet von der Volksbank Kurpfalz H & G Bank) und den Preis für das beste Stück aus dem Gastland (gestiftet vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg) entscheidet eine Fachjury. Das Publikum vergibt den Preis des Freundeskreises. Mindestens eines der ausgezeichneten Stücke wird in der Spielzeit 2011-12 am Heidelberger Theater uraufgeführt.

 

Der Schwerpunkt des diesjährigen Uraufführungsfestivals liegt auf dem Theaterland Türkei. Eröffnet wird es mit „Herr Dağacar und die goldene Tektonik des Mülls“ von Rimini Protokoll (Helgard Haug / Daniel Wetzel), produziert mit der garajistanbul und dem HAU Berlin. Dazu kommen herausragende postmigrantische Produktionen aus Deutschland, darunter zwei Inszenierungen von Nurkan Erpulat aus dem Berliner Ballhaus Naunynstraße: „Lö Bal Almanya“ erzählt die 50jährige Geschichte der Türken in Deutschland seit dem Anwerbeabkommen von 1961. In „Verrücktes Blut“, koproduziert von der Ruhrtriennale, dreht eine überforderte Lehrerin den Spieß um. Mit der Waffe in der Hand unterrichtet sie in ihrer Klasse Schiller – und alle Klischees unserer Migrationsgesellschaft kommen ins Rutschen.

 

Das vollständige Programm des HEIDELBERGER STÜCKEMARKTS 11 ist ab 1.4.2011 im Internet zu finden unter www.heidelberger-stueckemarkt.de.

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 18 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑