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50 Jahre Österreichische Theatergemeinde

Die Republik, diverse Organisationen und Institutionen, das Burgtheater und die Staatsoper, alle feiern in diesem Jahr. Auch die Österreichische Theatergemeinde kann auf ihr 50jähriges Bestehen zurückblicken

Sie ist die einzige private Theaterbesucherorganistion, die über die Grenzen der Bundeshauptstadt hinaus theaterbegeisterte Menschen aller Altersklassen zu ihren Mitgliedern zählen darf. Ob aus dem Burgenland, Niederösterreich oder Wien, allen diesen Freunden des Theaters wird täglich die Möglichkeit geboten, einen schönen, anspruchsvollen Theaterabend zu genießen. Dabei hilft ein modernes, elektronisch unterstütztes Zuteilungssystem, das die zur Verfügung stehenden Karten optimal verteilt und auch die speziellen Wünsche der Mitglieder weitestgehend berücksichtigt. Das Abonnementsystem, acht Vorstellungen in acht verschiedenen Theatern, von Oper bis Kabarett, hat sich über Jahrzehnte bewährt und bietet einen ausgewogenen Einblick in die aktuelle Theaterszene. Als wichtiges Bindeglied zu den Mitgliedern fungiert die periodisch erscheinende Zeitschrift „ticket point news“. Sie berichtet über Inhalte der Stücke, Neues aus der Welt des Theaters, Anekdoten, Theater woanders und vieles mehr. Und da es sich um eine dienstleistungsorientierte Organisation handelt, werden auch gerne Karten für Veranstaltungen, die nicht im Rahmen des Abonnements angeboten werden, besorgt. Selbstverständlich kann man auch im Internet viele Informationen über das Angebot finden und sich online für ein Theater- oder Konzertabonnement anmelden.

 

So präsentiert sich die Österreichische Theatergemeinde heute, 50 Jahre nachdem am 25. November 1955 vom österreichischen Schriftsteller Dr. Hans Naderer und anderen Theaterenthusiasten die „Österreichische Volkskunst-Theatergemeinde“ gegründet wurde. Damals stand neben der Organisation des Theaterbesuches die Pflege und Verbreitung christlich geprägter Volkskunst im Vordergrund. Wenn auch die Durchsetzung weltanschaulicher Anliegen nicht von großem Erfolg gekrönt war, so sollte sich der Grundstein als Theaterbesucher-Organisation jedoch als festes Fundament für die Zukunft erweisen. Waren es 1956 nur 19 Vorstellungen, die den Mitgliedern vermittelt werden konnten, brachte man es in der Saison 1979/1980, also vor 25 Jahren, bereits auf 274 Aufführungen. Derzeit sind es 396 Vorstellungen pro Saison. Das sind immerhin rund 31.000 Karten pro Jahr.

 

Der ursprüngliche Wunsch der Gründer, dass ihre Organisation bei der Gestaltung der Spielpläne gehört wird, hat sich ebenso wenig erreichen lassen, wie eine finanzielle Unterstützung seitens der öffentlichen Hand. Der Bund und die Gemeinde subventionieren die Theater, ohne Augenmerk auf deren Auslastung zu legen. Die Förderung des Theaterbesuches durch eine Besucherorganisation ist offenbar keiner finanziellen Unterstützung würdig, wenngleich die Österreichische Theatergemeinde seit 5 Jahrzehnten ein „Großabnehmer“ für darstellende Kunst ist. Dass Großkunden stets die besten Konditionen eingeräumt werden, hat sich in der Wiener Theaterlandschaft (mit wenigen Ausnahmen von Kleinbühnen) in den letzten fünfzig Jahren nicht herumgesprochen. So war es immer schwierig, die notwendigen Kartenkontingente zu bekommen, obwohl die Auslastung der Theater das durchaus zugelassen hätte.

 

Die Österreichische Theatergemeinde sah es stets als ihre vordringlichste Aufgabe an, ein neues, inneres Verhältnis zwischen Bühne und Zuschauerraum herzustellen und neuen Besucherschichten, insbesondere jenen aus mittelständischen Kreisen, die zu allen Zeiten die eigentlichen Kulturträger waren, einen regelmäßigen Theaterbesuch zu leistbaren Preisen zu ermöglichen. Aber sie wurde offensichtlich stets als Konkurrenz gesehen, obwohl doch alle, die öffentliche Hand, die Direktoren der Theater und die Publikumsorganisationen, letztlich nur ein gemeinsames Ziel haben sollten: Kunst den Menschen näher zu bringen.

 

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