Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Abgesoffen" nach dem Roman von Carlos Eugenio López im Staatstheater Braunschweig "Abgesoffen" nach dem Roman von Carlos Eugenio López im Staatstheater..."Abgesoffen" nach dem...

"Abgesoffen" nach dem Roman von Carlos Eugenio López im Staatstheater Braunschweig

Premiere am 10.02. um 20.00 im U 22. -----

Irgendwo im Süden Spaniens. Zwei Männer fahren im Auto durch die Nacht, man ist auf Dienstreise – gewissermaßen. Im Kofferraum: ein Toter.

Um sich wachzuhalten, unterhalten sich die beiden. Über Alexan­der den Großen, Frauen, Gott und die Welt. Der jüngere der beiden ist redselig, ein Schwätzer, dessen Besserwisserei durchaus komische Züge trägt. Der ältere ruht in seiner Lebenserfahrung. Zu vieles hat er gesehen, um nicht über ihre Arbeit ins Grübeln zu kommen. Jobs sind rar, und wie alle brauchten die beiden doch nur ein bisschen Geld zum Überleben. Darum haben sie sich von der Regierung anwerben lassen. Ihre Aufgabengebiet: illegale Einwanderer.

 

Der spanische Autor Carlos Eugenio López, geboren 1954 in Léon, verließ Spanien 1977 und lebt nach Stationen in Frankreich und England inzwischen in Griechenland. Mit seinem ausschließlich aus Dialogen bestehenden Roman über die beiden Killer im Auftrag der »Festung Europa« hat er einen ebenso bösartigen wie hintersinnigen Kommentar auf den abendländischen Humanismus und die moderne Dienstleistungsgesellschaft verfasst. López lässt seine beiden Protagonisten, den Vorlauten und den Scheuen, den Nullachtfünfzehn-Rassisten und den Typ »unauffälliger Arbeitnehmer«, bei ihrer nächtlichen Fahrt mit Leiche virtuos auf der Klaviatur von Smalltalk und Philosophie, Männerzoten und Männerfreundschaft, Groteske und Poesie spielen. Da geht es um die Mutter aus La Mancha, die es niemals geschafft hat, »Don Quijote« zu lesen, darum, ob der eine den anderen erschießen würde, wenn er durch einen Unfall querschnittsgelähmt würde, um Frauen, Masturbation, das Verhältnis von Prostitution und Marktwirtschaft, um gute und schlechte Werbespots, König Philipp II., Papst Johannes XXIII. und Stalin, um die Augenfarbe ihrer 29 Opfer, darum, dass Spanien den Spaniern gehört, Afrika den Tieren und dass man sich wehren muss im Leben: »Es ist eine Sache, den Kopf in den Sand zu stecken, und eine andere, sich eine Kugel zu geben. Es gibt auch noch etwas in der Mitte.«

 

Die Welt, das Geld, die Verhältnisse und die Kunst des Absaufens – López’ Killer sind Experten des Alltags, in jeder Hinsicht. Carlos Eugenio Lopéz´ abgründiger Roman ist ein einziger langer Dialog. Für die Bühne bear­beitet, ist »Abgesoffen« erstmals auf einer Braunschweiger Bühne zu erleben.

 

Inszenierung: Simon Paul Schneider

Bühne und Kostüme: Felicia Schick, Simon Paul Schneider

Musik: Sonja Möller

Dramaturgie: Axel Preuß

 

Mit: Philipp Grimm, Klaus Lembke

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 13 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑