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"Androklus und der Löwe" von G. B. Shaw in München

Premiere Dienstag 19. Dezember 2006, 19:00 Uhr im Residenztheater.

Rom. Im Colosseum zur Zeit der Christenverfolgungen. Eine kleine Schar Christen weigert sich, das obligate Körnchen Weihrauch vor den Göttern der Staatsregierung zu verbrennen und fordert durch ihre Renitenz das Imperium heraus.

"Ständig lachen sie und machen Witze", beschwert sich der Centurio. Sie brüllen vor Lachen, als der römische Hauptmann eine Textänderung des Marschlieds „Vorwärts, christliche Soldaten!“ in „Werfet sie den Löwen vor!“ anordnet. Sie formieren sich zum Vier-Gänge-Menü für die Löwen. „Da fehlt die richtige Religion“. Shaw beobachtet ihre Fundamentalopposition als belustigter Sympathisant: Ausgerechnet die Vorläufer der jetzigen Staatskirche beginnen ihre Karriere als Staatsfeinde und Störer der öffentlichen Ordnung. Das Colosseum ist ein Hexenkessel.

 

Shaws Glaubenskomödie wählt den größten Vergnügungspalast der damaligen Welt als Ort der Bewährung. Ein schwacher Christ wie Spintho verliert schon im Gedanken daran die Nerven und kommt in der Gefahr um, der er entgehen will. Mit Ferrovius vollbringt das Stück ein Glaubenswunder. Der gewaltigste Gotteskrieger der Christen verliert im Augenblick der Herausforderung ebenfalls die Selbstbeherrschung. Der Geist der alten Götter kommt über ihn, er verrät zum eigenen Entsetzen seinen Friedfertigkeitsschwur, wird abtrünnig und bahnt dem neuen Gott gerade dadurch den Weg. Lavinia flirtet mit dem hübschen Hauptmann und entdeckt ihre schöne tapfere Seele.

 

Shaws wahrer Held ist aber Androklus. Man erinnert sich, Helden sind „diejenigen, die Taten wagen, an die ihr Mut nicht heranreicht“. Androklus ist ein lächerlich kleiner griechischer Schneider, der selber nicht unbedingt an die selig machende Kraft des Martyriums glaubt. Aber christliche Nächstenliebe ist bei ihm Natur. Sie erstreckt sich auf alle zwei- und vierbeinigen Geschöpfe. Androklus ist der Scheue und Beherzte, dem bei der Begegnung mit einem verletzten Löwen nicht von vornherein der Griff nach der Schusswaffe in den Sinn kommt. Sein freundliches Herz träumt den Gedanken des irdischen Paradieses und lässt ihn auf der schmalen Basis einer Tier- und Menschen-Partnerschaft für die Dauer einer Zirkusnummer Gestalt annehmen. Unter der unfreiwilligen Beteiligung des Kaisers feiert das Stück, was schon Goethes Löwennovelle gefeiert hatte: Die einzige wahrhaft erzählenswerte, immer wieder neu und nie genug zu bestaunende Begebenheit in der Geschichte der menschlichen Zivilisation ist nicht die Liquidierung, sondern das Abenteuer einer friedlichen Zähmung der wilden Natur.

 

RegieDieter Dorn
Bühne Dieter Dorn, Gotthard Wulff
Kostüme Monika Staykova
Musik Rudolf Gregor Knabl

Anna Riedl, Lisa Wagner, Rudolf Waldemar Brem, Burchard Dabinnus, Matthias Eberth, Maximilian Löwenstein, Thomas Loibl, Oliver Nägele, Felix Rech, Arnulf Schumacher, Michael Tregor, Rudolf Wessely, Stefan Wilkening
von der Kung Fu Academy Berlin
Bambang Tanuwikarja/Benjamin Schiegl und Uenal Idge/Thomas Sperling

 

Nächste Vorstellungen am
Freitag 22. Dezember 2006, 19:30 Uhr
Sonntag 31. Dezember 2006, 18:00 Uhr
Mittwoch 10. Januar 2007, 20:00 Uhr
Mittwoch 17. Januar 2007, 20:00 Uhr
Donnerstag 25. Januar 2007, 20:00 Uhr

   

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