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DER GOTT DES GEMETZELS von Yasmina Reza in Münster

WOLFGANG BORCHERT THEATER

Premiere A | Donnerstag, 10. April 2008, Premiere B | Samstag, 12. April 2008, Beginn 20 Uhr

 

Zwei Jungen, beide elf Jahre alt, haben sich im Park geprügelt. Einer der beiden hat dem anderen zwei Schneidezähne ausgeschlagen.

Die Eltern treffen sich, um ganz sachlich, tolerant und wie es sich für kultivierte Menschen gehört, über den Vorfall zu sprechen. Alain und Annette überlegen mit Véronique und Michel bei Kaffee und Gebäck, wie man pädagogisch richtig auf Ferdinand [den Täter] und Bruno [das Opfer] einwirken kann. Aber das ist nicht so einfach. Denn wer war denn nun wirklich der Schuldige? Möglicherweise Bruno? Und deutet vielleicht Ferdinands rabiates Verhalten auf Eheprobleme zwischen Alain und Annette hin?

 

Und schließlich, was ist schlimmer: Daß der konsensbemühte Michel den Hamster seiner Tochter heimlich ausgesetzt hat, oder daß Alain einen Pharmakonzern mit einem gesundheitsschädlichen Medikament juristisch vertritt, und zwar ständig, am Handy? Aus Sticheleien werden Wortgefechte, aus Streitereien werden Handgreiflichkeiten, und der Nachmittag unter zivilisierten Menschen unserer westlichen Gesellschaft nimmt einen, gelinde gesagt, unangenehmen Verlauf.

 

Yasmina Reza, in Paris geboren als Tochter eines iranischen Ingenieurs und einer ungarischen Geigerin, studierte Soziologie und Theaterwissenschaft, verwischt in ihrem neuesten Stück DER GOTT DES GEMETZELS [LE DIEU DU CARNAGE], das in Zürich noch vor der französischen Erstaufführung in deutscher Sprache zur Uraufführung kam, mit diabolischem Humor und schneidender Rhetorik die Grenzen zwischen Zivilisation und Barbarei. 1994 hatte sie mit ihrem Stück „KUNST“ einen Welterfolg, und inzwischen ist sie die meistgespielte Theaterautorin der Gegenwart.

 

Yasmina Rezas Stücke handeln unterhaltsam und nachdenklich, nie sentimental oder selbstgefällig von den ältesten Passionen der Menschen. Sie erzählen von den Komödien des Verstandes und der Politik der Gefühle. Dabei ist sich die Autorin der Ungewißheit der Dinge, der Zerbrechlichkeit und der Einsamkeit der Menschen immer bewußt und hält mit viel Ironie und Eleganz Abstand, so wie es auch ihre Theaterfiguren tun, die alle Gescheiterte und Geschundene sind, die eine Welt nicht mehr verstehen, die zu brutal und modern für sie ist. Inspiriert von Botho Strauss und seinen Stücken interessiert sie das scheinbar Nebensächliche, das winzige zwischenmenschliche Detail, an dem sich die oft tragikomische Tragödie ihrer Figuren offenbart.

 

Inszenierung | Kathrin Sievers

Ausstattung | Petra Buchholz

 

Mit | Heiko Grosche [Michel Houillé] | Monika Hess-Zanger [Véronique Houillé] | Stefanie Mühle [Annette Reille] | Meinhard Zanger [Alain Reille] |

 

 

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