Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Deutsche Erstaufführung: "1984" nach dem Roman von George Orwell im Theater Freiburg Deutsche Erstaufführung: "1984" nach dem Roman von George Orwell im Theater...Deutsche Erstaufführung:...

Deutsche Erstaufführung: "1984" nach dem Roman von George Orwell im Theater Freiburg

Premiere 16. Mai 2009, 20 Uhr, Kleines Haus

 

»1984« von George Orwell (eigentlich Eric Arthur Blair) erschien im Juni 1949 als die anti-utopische Beschreibung eines totalitären Überwachungs- und Präventionsstaates im Jahre 1984.

Es ist die Geschichte des einfachen Parteimitglieds Winston Smith, dessen Gefühle und Absichten als systemfeindlich entdeckt werden, woraufhin er von den mitleidslosen Machthabern unerbittlich körperlich und seelisch zerstört wird, um ihn anschließend neu zu erschaf-fen.

 

Doch was bedeutet die Geschichte und ihre Rezeption im Jahre 2009 – 25 Jahre nach »1984«, geschrieben 1948 – was bedeutet ein Zukunftsroman, der in der Vergangenheit spielt, auf der Bühne? Der heutige Blick auf Orwells letztes Werk zeigt nicht nur, wie visionär der Autor eigentlich war. »1984« ist in erster Linie ein philosophischer Roman. Er handelt von der Sehnsucht nach Wahrheit in einer Umwelt, in der es keine verlässliche Geschichte und Objek-tivität gibt. Orwell geht es um den Menschen in seinem Ringen, das eigene Sein in einer sich ständig verändernden Welt zu positionieren. In »1984« lässt er seinen Protago-nisten Winston Smith sagen: »Ich frage mich, ob ich nicht selbst irrsinnig bin. Ein Irrer ist vielleicht nichts an-deres als eine Einmannminderheit.

 

Früher war der Glaube, die Erde drehe sich um die Sonne, ein Zeichen von Irrsinn gewesen; heute ist es der Glaube, die Vergangenheit sei unveränderbar. War es immer so gewesen? Hatte das Essen immer so geschmeckt? Waren die U-Bahnen immer schon über-füllt, die Häuser baufällig, das Brot dunkel, der Kaffee scheußlich? Mit diesem Glauben mag ich allein dastehen, und wenn es so ist, dann als Irrer. Doch die Vorstellung, ein Irrer zu sein, macht mir nicht viel aus: das Grauen liegt vielmehr darin, dass ich auch Unrecht haben könnte. Man braucht sich ja nur umzublicken, um festzustellen, dass das Leben in Diskrepanz zu den Lügen steht, die aus den Teleschirmen strömt. Große Bereiche des Lebens er-schöpfen sich darin, sich mit öden Jobs abzumühen, sich einen Platz in der U-Bahn zu erkämpfen, einen löchrigen Strumpf zu stopfen, eine Süßstofftablette zu schnorren, einen Zigarettenstummel aufzuheben. Eine Welt der Millionen Mülltonnen. Tag und Nacht bedröhnen einen die Tele-schirme mit Statistiken, die beweisen, dass die Menschen heute mehr zu essen, mehr Kleider, bessere Häuser, besse-rer Freizeitmöglichkeiten haben – dass sie länger leben, kürzere Arbeitszeiten haben, größer, gesünder, stärker, glücklicher, intelligenter, gebildeter sind, als die Menschen vor fünfzig Jahren.«

 

Wir beobachten Winstons Verwandlung von einer Person, die den Herrscher Big Brother abgrundtief hasst, zu einem Men-schen, der am Ende mit Hingabe sagen kann: »Ich liebe Big Brother«.

 

Für die Bühne bearbeitet von Alan Lyddiard

 

Regie Tom Kühnel

Bühnenbild Jo Schramm

Kostüme Ulrike Gutbrod

Dramaturgie Arved Schultze

 

Mit:

Anna Böger

Nicola Fritzen

Bettina Grahs

Elisabeth Hoppe

Konrad Singer

 

Weitere Vorstellungen im Kleinen Haus:

 

Sa 23.05. 20 Uhr Di 26.05. 20 Uhr

Mi 27.05. 20 Uhr Mo 01.06. 20 Uhr

So 07.06. 20 Uhr Fr 12.06. 20 Uhr

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 15 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑