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Deutsche Erstaufführung: „Der Andere“ von Florian Zeller im Kölner Theater Tiefrot

Premiere am 2.3.2007 um 20.30h, Dagobertstr. 32.

 

Nach fünfjährigem Zusammenleben erkennen sich "Sie" und "Er" nicht wieder. Beide, die geglaubt hatten, sie könnten aufgrund der Regeln, die sie sich gesetzt hatten, auf ewig glücklich zusammenleben, werden eingeholt vom "modernen Märchen" der Liebe: Langeweile, Überdruß, Schweigen, Eifersucht und Untreue bestimmen und rhythmisieren von nun ab den Alltag ihrer Partnerschaft.

Jeder sieht sich mit seiner Einsamkeit und diesem "Anderen" konfrontiert, der sie nun begleiten wird, um sie wohin zu führen? Eingesperrt durch ihre dramatische Einsamkeit leben sie in einem geschlossenen Universum, in dem sie sich eingerichtet haben. Wie irrende Schatten in einer mit Barrikaden gespickten Wüste fliehen sie sich selbst und die Wahrheit. Eine ganz simple Geschichte also, die der Autor erzählt. Die Qualität aber, die dieses Stück auszeichnet ist die Art und Weise, wie er sie erzählt. Es ist vor allem seine Sprache, die verführt und verzaubert, eine Sprache, die sich durch eine gewisse Einfachheit, eine bewundernswerte Musikalität und durch eine subtile, spielerische Leichtigkeit auszeichnet.

 

Das Stück „Der Andere“ besticht vor allem durch die Sprache. In diesem Stück zeichnet sich die Sprache durch eine gewisse Schlichtheit und einem sehr harmonischen, flüssigen Ablauf aus, was gerade die Finesse ausmacht. Dieser Umgang mit Sprache findet sich sowohl bei Marivaux als auch bei Zeller: die Sprache ist in ihren Werken mehr als nur ein Werkzeug, sie ist ein Akteur, sie ist der Akteur, sie bestimmt das Schauspiel. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Zeller „verführt“ war, zum Theater zu gehen. Er folgte seinem Instinkt. Am Theater setzt er seine Fähigkeiten hervorragend um. Ist es nicht gerade am Theater, wo man die Sprache in seiner ganzen Vielfalt erlebt – autonom, frei und souverän? Man hat bei Zeller das Gefühl, dass die Charaktere und der Inhalt des Stückes von der Sprache gelenkt werden. Es gleicht einem Schattentheater, wo Darsteller und Charaktere transparent sind. Sie sind nur Vermittler, ohne besondere Bedeutung. Dieses Stück ist im Gegensatz zur derzeitigen Mode weit von psychologischem Realismus entfernt.

Die Welt von Florian Zeller ist eine Infra-Welt, wo die Tiefe des intimen Ichs weiter fortbesteht, häufig ohne eigenes Bewusstsein, und wo die Realität nichts ist als Ungewissheit und sich abzeichnende Frustration. Wahrnehmung und Erinnerung sind die entscheidenden Elemente bezüglich dieser fremdartigen Welt, die von Unbewusstem und Traum lebt. Jeglicher chronologische Ablauf wird durch den Unfrieden der Seele – hart in ihrem Dasein und doch so schwach in ihrem Ausdruck - durcheinander gebracht. Die Charaktere des Stückes leben in einem dehnbaren Zeitlauf.

 

Darüber hinaus leben sie in einem geschlossen Raum, wo die dramatische Einsamkeit, in der die Charaktere nahezu schwelgen, sie einschließt. Die Grundidee dieses Stückes ist ein hindernisreiches, ödes Leben, in der die herumirrenden Charaktere mehr und mehr der Realität entfliehen. Zellers Poesie lässt diese idealistische Thematik, die durch die heutige Gewöhnlichkeit vergessen ist, mit besonderem Geschick wieder aufleben.

 

 

mit Marion Mainka, Miklós Horváth und Volker Lippmann
Regie: Stefan Krause

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