Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
DEUTSCHSPRACHIGE ERSTAUFFÜHRUNG: RONDO von Alan Ayckbourn, THEATER BIELEFELD DEUTSCHSPRACHIGE ERSTAUFFÜHRUNG: RONDO von Alan Ayckbourn, THEATER BIELEFELD DEUTSCHSPRACHIGE...

DEUTSCHSPRACHIGE ERSTAUFFÜHRUNG: RONDO von Alan Ayckbourn, THEATER BIELEFELD

PREMIERE 05.11.2016, 19:30 Uhr, Theater am Alten Markt. -----

Alan Ayckbourn hat mit Rondo fünf kurze, lose miteinander verbundene Stücke geschrieben, die in beliebiger Reihenfolge gezeigt werden können. Die Reihenfolge der Szenen wird jeden Abend aufs Neue und unter Mithilfe der Zuschauer bestimmt: Das Los entscheidet über eine der 120 Variationsmöglichkeiten.

Jede ergibt ein spielerisches Kaleidoskop, dessen Protagonisten auf der Flucht vor sich selbst oder anderen sind, verstrickt in die Vergangenheit und auf der Suche nach neuen

Möglichkeiten.

 

Da ist zum Beispiel die Theateragentin Gale Devonne, die Frau mit der tragischen Erste-Liebe-Geschichte, die junge Mädchen an Politiker vermittelt und die sich einem äußerst gewaltbereiten Trupp von Gläubigern nur mit Hilfe eines lästigen, aber unvermutet fantasievollen Nachbarn entziehen kann. Unterdessen wartet die von ihr vermittelte schauspielbegabte Schülerin Roz Perkins im Büro eines Abgeordneten – in der Annahme, es handele sich um ein Casting-Studio – auf die Chance ihres Lebens. Dort bemerkt sie der BBC-Reporter Sean McKintyre, der aus Roz’ Anwesenheit im Nu eine reißerische Klatschgeschichte entwickelt.

 

Oder da ist der pensionierte Richter Tom Holgate, der die schwindenden Erinnerungen an seine verstorbene Frau mit Hilfe eines Callgirls in einer Hotelsuite nachzustellen versucht. In seinem eigenen Haus gewinnt man eine völlig andere Vorstellung von seinem einstigen Leben mit seiner Frau, zumal die Tochter des Richters, eine erfolglose Krimiautorin, dem anwesenden Pfarrer nichts weniger als eine Mordgeschichte auftischt.

 

Ayckbourn treibt seine Figuren in aberwitzige Situationen, die mehr miteinander zu tun haben, als man anfangs ahnt. Das Zufallsprinzip der Szenenfolge spielt mit der Figurenwahrnehmung des Zuschauers: Figuren, die zunächst als Opfer wahrgenommen werden, entpuppen sich als Täter, aus Mitleid wird Schadenfreude und umgekehrt. Harmlose Bemerkungen hier haben fatale Konsequenzen dort, Figuren

kehren in verändertem Kontext wieder, und Handlungsfäden nehmen ungeahnte Wendungen. Alle Figuren spielen »Theater«. Sie führen sich in die Irre, erfinden Lügengeschichten und verschließen die Augen vor der Realität. Der Motor, der sie antreibt, ist der Versuch, das kleine Leben in die richtigen Bahnen zu lenken. Ihre Suche nach Sinn und Erfüllung macht sie allesamt zu sympathischen, tragikomischen und trotz ihrer Abstrusität aus dem Leben gegriffenen Charakteren.

 

Inszenierung Christian Schlüter

Bühne Anke Grot

Kostüme Franziska Gebhardt

Dramaturgie Viktoria Göke

 

Mit

Cédric Cavatore

Isabell Giebeler

Laura Maria Hänsel

Stefan Imholz

Nicole Lippold

Henriette Nagel

Jakob Walser

Thomas Wolff

 

Die nächsten Vorstellungen

06.11., 21.11., 07.12., 10.12.,

17.12., 25.12., 26.12.16; weitere

Termine folgen

Karten

0521 / 51 54 54

www.theater-bielefeld.de

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 13 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Ausbruch mit Jacke - Gelungener Saisonstart im Theater Pfütze in Nürnberg mit Christina Gegenbauers Dramatisierung „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“

Wenn es während der Vorstellung unwichtig wird, für welche Zielgruppe eine Theaterproduktion gemacht wurde, ist das immer ein gutes Zeichen. Mit „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“ nach dem…

Von: Stephan Knies

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑