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Deutschsprachige Erstaufführung: "Schatten" von Jon Fosse in den Münchner Kammerspielen

Premiere am Freitag, 20. Oktober 2006, um 19.30 Uhr im Schauspielhaus.

Wenn bürgerliche Menschen plötzlich nicht mehr wissen, wo sie sind, dann sind sie entweder tot, oder Jon Fosse hat sie ins Reich der Schatten geschickt. Aber was ist das Reich der Schatten? Ist es der Himmel?

Ist es die Hölle? Ist es das immerwährende Dazwischen? In Fosses neuestem Stück kommt das bürgerliche Theater in der skandinavischen Folge Strindbergs und Ibsens ganz zu sich selbst und löst sich gleichzeitig auf, weil es sich selbst den Raum entzieht, den es darstellen will. Die bürgerliche Wohn- und Lebenswelt wird zu einem nicht zu fassenden Schattenreich. Das Personal sind die Archetypen bürgerlichen Lebens, sind wir selbst. Vater, Mutter, Der Mann, Der Freund, Das Mädchen, Die Frau. Sie zelebrieren das Familientreffen einer Geistersippe. Niemand hat Orientierung in diesem Schattenreich, aber alle kennen sich, erkennen sich wieder, und vor allem: sie erinnern sich aneinander. An die Beziehungen, die Liebschaften, die Verletzungen, die Trennungen, die Enttäuschungen, die Äng te, die so ein Leben jenseits von Orientierung durch Moral, Religion oder Politik mit sich bringt. Kunstvoll lässt Fosse seine Figuren, Schatten gleich, in stetig wechselnden Konstellationen aufeinandertreffen, miteinander verschwimmen. Sein Stück ist eine Séance, eine Recherche im Archiv bürgerlicher Empfindung. Lüge und Wahrheit, Vergessen und Erinnern, Freiheit und Abhängigkeit, all die Zutaten unseres Gefühlshaushalts werden in der minimalistischen Poesie des norwegischen Autors zu einem packenden Ritual unserer Normalität. Fosse ist ein Meister der Sprachkomposition.

 

Seine Dialoge sind Musik. So ist es nur konsequent, den jungen französischen Regisseur Laurent Chétouane, der sich durch seine Forschungen in den Sprach- und Körperwelten klassischer wie moderner Texte einen unverwechselbaren Namen gemacht hat, mit Jon Fosses Text zusammenzubringen. Laurent Chétouane hat an den Kammerspielen u.a. Lothar Trolles Hermes in der Stadt und Goethes Iphigenie auf Tauris und Stadt, Land, Fisch inszeniert.

 

Weitere Vorstellungen am 23. und 29. Oktober um 19.30 Uhr, am 9. und 18. November 2006 um 20.00 Uhr.

 

Mit: Hans Kremer, Hildegard Schmahl, Edmund Telgenkämper, Christoph Luser, Lena Lauzemis, Brigitte Hobmeier

 

Bühne Laurent Chétouane, Marie Holzer

Kostüme Imke Schlegel

Dramaturgie Björn Bicker

Musik Lenard Schmidthals

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