Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
DIDO UND AENEAS von Henry Purcell - Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle WeimarDIDO UND AENEAS von Henry Purcell - Deutsches Nationaltheater und...DIDO UND AENEAS von...

DIDO UND AENEAS von Henry Purcell - Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar

Premiere: 16.11.2017, 20.00 Uhr, E-Werk

Mit »Stürmen der Sorge« ist Didos Herz beladen, als sie Aeneas begegnet: Seit der Ermordung ihres Mannes regiert sie alleine über die Geschicke Karthagos. Aeneas ist seit dem Untergang Trojas auf der Flucht und sucht Schutz im Reich der Königin. Dido entbrennt in Liebe zu ihm – aber sie ist stolz und unnahbar: nur dank Zuredens guter Geister wagt sie den Sprung ins Unbekannte.

Mit „Dido und Aeneas“ von Henry Purcell bringt das DNT Weimar erneut ein musikdramatisches Meisterwerk des Barock auf die Bühne im E-Werk. Unter der Leitung des 2. Kapellmeisters Dominik Beykirch wird erstmals am Haus eine Oper aus dieser Epoche von Musikern der Staatskapelle Weimar und Gästen auf historischem Instrumentarium aufgeführt.

Die Regie der Produktion liegt bei Corinna von Rad, die am DNT u.a. bereits Shakespeares „Sturm“, Händels „Alcina“ und zuletzt „Astoria“ von Jura Soyfer inszeniert hat. Sie siedelt die aus Vergils „Aeneas“-Epos entlehnte Geschichte im geisterhaften „Hotel Karthago“ an, dessen Bewohner mit ihren Biographien und uneingelösten Sehnsüchten eine zwischen Tod und Leben gestrandete Schicksalsgemeinschaft bilden. An jenen schattenhaften Ort verschlägt es in ihrer Inszenierung (Bühne: Ralf Käselau, Kostüme: Sabine Blickenstorfer) einen Fremden, der „einsame Reisende der Nacht“, gespielt von Schauspieler Krunoslav Sebrek. Als Erzähler erweckt er diese Urgeschichte aller Liebestragödien zum Leben, in die er zugleich selbst verstrickt wird aber ohnmächtig ist, deren Verlauf zu ändern.

Anders als in der Sage haben in Purcells Oper allerdings nicht Götter ihre Hand im Spiel, sondern finstere, heidnische Mächte personifiziert in einer bösen Zauberin samt Hexen und Geister sind am Werk, um das Glück von Dido und Aeneas zu zerstören. Obwohl die stolze, unnahbare Karthager-Königin seit der ersten Begegnung in Liebe zu dem trojanischen Prinzen entbrannt ist, gibt sie ihren Gefühlen und seinem Werben nur zögerlich nach. Umso größer ist ihr Zorn und ihre Verzweiflung, als er seine Leidenschaft der Pflicht unterordnet: von einem Geist an seinen Auftrag erinnert, ein neues Troja zu errichten, rüstet er zum Aufbruch. Dieser Verrat an ihrer unbedingten Hingabe treibt Dido zum Äußersten. Von tiefempfundenen Arien über groteske Hexengesänge bis hin zu virtuosen Tanzmusiken reicht die atmosphärische Bandbreite, in der Purcell die Beziehung der beiden Protagonisten als innerseelisches Drama entfaltet. Am Ende steht mit Didos kühnem, leuchtendem Lamento eine der eindringlichsten musikalischen Klagen der Opernliteratur: »Remember me – but ah! forget my fate.«

Für die erkrankte Sayaka Shigeshima hat kurzfristig die Mezzosopranistin Amira Elmadfa die Partie der Dido übernommen, den Aeneas singt Uwe Schenker-Primus. In weiteren Rollen sowie im Chor sind u.a. Heike Porstein, Friederike Beykirch, Nils Wanderer, SuJin Bae, Phila Terttunen, Jens Schmiedeke, Margarita Greiner und Herren des DNT-Opernchores zu erleben.

 Weitere Vorstellungen: 18.11., 24.11., 9.12., 20.12. sowie ab Januar 2018.

Karten: 21,70 Euro

Foto Candy Welz

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 15 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑