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„Die Grönholm-Methode“ von Jordi Galceran in Moers

Premiere am Donnerstag, 22. Februar, im Großen Sitzungssaal im Neuen Rathaus, Meerstraße 2.

Ein raffiniertes Verwirrspiel ist das neue Stück im Schlosstheater. Während die Figuren sich nahezu über die gesamte Dauer des Stückes tarnen, fällt am Schluss das Visier, wenn es aus der Personalabteilung gegenüber dem Bewerber um einen Posten heißt: „Wir suchen nicht einen guten Menschen, der nach außen ein Arschloch ist. Was wir suchen, ist ein Arschloch, das nach außen ein guter Mensch ist.“

„Die Grönholm-Methode“ des katalanischen Autors Jordi Galceran behandelt die Frage von Entscheidungsfindungen. Das Stück greift gebräuchliche Methoden und vor allem Entgleisungen aus der Praxis von Bewerbungsverfahren auf und treibt das Geschehen auf die Spitze. Diese Überhöhungen entfalten zunehmend eine beklemmende und zugleich entlarvende Komik. „Wir wollen aber keine platte Manager-Schelte abliefern“, so der Regisseur Tobias Lenel. Vielmehr würde es um die Frage gehen, wie weit man bereit sei, für einen Job seine Seele zu verkaufen und wie weit Demütigungen für ein mögliches Arbeitsverhältnis gehen können.

 
In dem Stück sitzen 4 Bewerberinnen und Bewerber für einen Leitungsjob in einem Raum und sollen Aufgaben lösen, die nach und nach per Telefon ankommen. Die Forderungen werden immer absurder – doch scheinbar machen alle bei dem „Spiel“ mit. Zu allem Übel hat der potenzielle Arbeitgeber in die Gruppe einen Psychologen eingeschleust, der die Bewerber noch mehr aus der Reserve locken soll. „Der Autor hat geschickt eine zweite Ebene eingebaut, ein Spiel im Spiel, kann dadurch alles kommentieren und bewahrt sich dennoch davor, ins Kabarettistische zu geraten“, berichtet STM-Dramaturg Joachim Henn.

 
Für die Aufführung wählte das STM einen ungewöhnlichen Spielort: den Großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses. „Bürgermeister Norbert Ballhaus hat sich stark dafür gemacht, dass wir den Raum nutzen dürfen. Dafür sind wir sehr dankbar“, freut sich Henn. Der Saal als ein Entscheidungsraum würde ein gutes Spannungsverhältnis zum Thema des Stückes schaffen. Denn gerade dort würden wie im Stück Entscheidungen getroffen werden. Theater und Realität finden hier ein angemessenes Feld zur Reibung aneinander.

 
Es spielen: Ulrike Volkers, Ekkehard Freye, Werner Strenger und Jonas Vietzke. Regisseur Tobias Lenel liefert mit dem Stück seine zweite Arbeit in Moers ab. Im letzten Jahr inszenierte er bereits Ibsens „Gespenster“. Lenel studierte Russisch, Geschichte und Philologie in Göttingen und schloss mit einem Magister ab. Sein Studium an der Folkwang-Hochschule brach er vorzeitig ab, weil es ihm nicht sinnvoll erschien. Seit 1988 ist er als freier Regisseur tätig und schreibt gelegentlich Drehbücher.

Der Autor Jordi Galceran wurde 1964 in Barcelona geboren und erhielt für seine Werke zahlreiche Preise. „Die Grönholm-Methode“ entwickelte sich zum Dauerbrenner auf den spanischen Bühnen. Im Jahr 2003 feierte das Stück in Karlsruhe seine deutschsprachige Erstaufführung und begann seinen Erfolgsweg durch die deutsche Theaterlandschaft.

Weitere Aufführungen sind zu sehen am 24. und 25. Februar sowie am 9., 10., 17. und 18. März. Auch im April und Mai sind Vorstellungen geplant. Karten sind erhältlich im Foyer des Grafschafter Museums im Moerser Schloss, Kastell 9. Vorbestellungen unter 02841/201-731. Der Eintritt kostet 15 Euro beziehungsweise 6 Euro ermäßigt.

 

 

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