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"Die Heimkehr des Odysseus" nach Claudio Monteverdi, Schaubühne am Lehniner Platz Berlin

Premiere am 22. Januar 2011, 20.30 Uhr

 

Vor zwanzig Jahren wurde Odysseus einberufen, um Krieg zu führen für eine Sache, die ihn selbst überhaupt nicht betrifft. Seitdem wartet Penelope auf seine Heimkehr – oder die Nachricht seines Todes.

Eine Existenz im ständigen Zwischenstadium. Ihr altes Leben ist vorüber, ein neues kann sie nicht beginnen, solang über den Verbleib ihres Mannes nicht Klarheit herrscht. Vergeblich bemühen sich ihre Verehrer Eurimachos, Antinoos und Pisandros, sie zu einer frischen Liebe zu drängen. Vergeblich erträumt sich ihr Sohn Telemach einen Vater, den er selbst nie kennengelernt hat. Und doch haben sie alle sich im Provisorischen ein heimliches Idyll eingerichtet. Als Odysseus in Begleitung seiner Schutzgöttin Athene plötzlich doch heimkehrt, ist nichts wie früher. Sein Sohn erkennt ihn nicht, seine Kontrahenten pöbeln ihn als Penner an, selbst seine Frau hält ihn für einen Betrüger.

 

Endlich dem mörderischen Krieg entronnen, bleibt Odysseus erneut nur der Mord, um wirklich zu Hause anzukommen. Mit »Die Heimkehr des Odysseus« schuf Claudio Monteverdi eine der ersten Opern überhaupt. Komponiert 1640 für den Karneval von Venedig, führt sie selbst einen typischen Karnevals-Topos vor: die verkehrte Welt. Fremde und Domestiken gebären sich als Hausherren, der Hausherr wird als fremder Asozialer ausgeschlossen. »Draußen rast die Zeit«, heißt es im Libretto. Im Haus der Penelope dagegen ist die Zeit stehengeblieben. Eine Laborsituation, die nicht Bestand haben kann.

 

David Marton und sein Ensemble denken sie konsequent weiter. Das Provisorium ist zum Dauer zustand geworden. Doch verheißt es vielleicht auch eine ganz unerwartete Form von Glück? Und ist sein Ende für die Wartenden nicht die eigentliche Katastrophe? In einem Universum, in dem die Zeit ihren gewohnten Lauf eingestellt hat, verbinden sich auch alle Epochen zu einem Zwitter wesen jenseits der Geschichte. Der homerische Mythos überlagert sich mit dem ersten Auftauchen des Odysseus im Musiktheater bei Monteverdi – und seinen teils paradoxen und überraschenden modernen Inkarnationen. So wird die Bühne zu einer Art archäologischen Stätte, an der aber letzten Endes unsere eigene Gegenwart ausgegraben wird.

 

David Marton (*1975 in Budapest) war zunächst Bühnenmusiker und musikalischer Leiter zahlreicher Theaterproduktionen unter Christoph Marthaler und Frank Castorf. Seit 2004 führt er Regie, u.a. in den Sophiensaelen Berlin, am Burgtheater Wien, der Volksbühne Berlin, dem Königlichen Schauspielhaus in Kopenhagen und dem Thalia Theater in Ham burg. Für seine Inszenierungen von »Lulu« nach Alban Berg und Frank Wedekind am Staatstheater Hannover und »Don Giovanni. Keine Pause« in den Sophiensaelen wählte ihn die Zeitschrift Deutsche Bühne zum Opernregisseur des Jahres 2009.

 

Regie

David Marton

Musikalische Leitung

David Marton

Kalle Kalima

Michael Wilhelmi

Bühne und Kostüme

Alissa Kolbusch

Dramaturgie

Florian Borchmeyer

Licht

Erich Schneider

 

Mit

Thorbjörn Björnsson

Niels Bormann

Jule Böwe

Franz Hartwig

Theresa Kronthaler

Matthias Matschke

Ernst Stötzner

 

Gitarre

Kalle Kalima

Kai Brückner

Violine

Nurit Stark

Piano

Michael Wilhelmi

 

Termine

23.01.2011, 20.30 Uhr

24.01.2011, 20.00 Uhr

30.01.2011, 20.00 Uhr

31.01.2011, 20.00 Uhr

01.02.2011, 20.30 Uhr

02.02.2011, 20.30 Uhr

25.02.2011, 20.00 Uhr

 

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