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Die Monteverdi-Trilogie in der Komischen Oper Berlin

Premiere 16. September 2012 ab 11:00 Uhr. -----

Zum ersten Mal werden die drei vollständig erhaltenen Opern Claudio Monteverdis nicht nur als Trilogie, sondern an nur einem einzigen Tag zu erleben sein. Barrie Kosky inszeniert zur Eröffnung seiner neuen Intendanz zwölf Stunden Musiktheater mit fast 200 beteiligten Künstlern.

Monteverdis Opern gelten zurecht als die ersten Meisterwerke der Operngeschichte. Wie eine DNA der Oper bergen sie bereits alles in sich, was die kommenden 400 Jahre der Operngeschichte bis heute prägt. Auf der Grundlage von Monteverdis musikalischem Material, das kaum Angaben zu einer konkreten Orchestrierung enthält, hat die aus Taschkent stammende, international erfolgreiche Komponistin Elena Kats-Chernin die drei Opern mit einer neuen, eigenwilligen Instrumentierung versehen. Ähnlich wie Monteverdi zu seiner Zeit eignet sich Elena Kats-Chernin auf äußerst vitale Weise verschiedene Traditionen an, mit Hilfe derer sie auch populäre Quellen wie Jazz, Klezmer, Tango oder Ragtime in ihren Stil integriert. So finden in ihrer »Neuschöpfung« der Monteverdi-Opern nicht nur die tradi­tionellen Instrumente eines modernen Opernorchesters Verwendung, sondern auch exotische Instrumente aus Osteuropa, dem Mittleren Osten und Westafrika.

 

Im Mittelpunkt jeder der drei Opern steht ein Liebespaar, dessen Liebe zueinander unterschied­licher nicht sein könnte: Der jugendlich-leidenschaftlichen Liebe Orpheus’ und Eurydikes steht die abgeklärte Sehnsucht der jahrelang getrennten Eheleute Odysseus und Penelope gegenüber, wohingegen in der knisternden Erotik zwischen Nero und Poppea Machtstreben und sexuelle Besessenheit untrennbar miteinander verbunden sind. Kein anderer als Gott Amor selbst eröffnet die Trilogie, um uns mitzunehmen auf eine Reise durch die Höhen und Tiefen der Liebe …

 

Orpheus

Claudio Monteverdi/Elena Kats-Chernin

Favola in musica in einem Prolog und fünf Akten [1607/2012]

Libretto von Alessandro Striggio d.J.

Deutsche Textfassung von Susanne Felicitas Wolf

Barockoper in deutscher Sprache

Auftragswerk der Komischen Oper Berlin

 

Am Anfang der Geschichte der Musik steht ein Mythos: die Sage vom thrakischen Sänger Orpheus, der mit seinem Gesang nicht nur die belebte, sondern auch die unbelebte Natur zu rühren imstande ist. Mit der Kraft seiner Musik wagt er denn auch den für Sterbliche gefahrvollen Weg in die Unterwelt, um seine geliebte Eurydike zurückzugewinnen. Liebe und Musik sind untrennbar mit­einander verbunden in diesem Ur-Mythos einer Künstlergestalt: Ist es die bedingungslose Liebe zu seiner Eurydike, die die Herrscher der Unterwelt rührt, oder die betörende Kraft seines Klagegesangs? Ist es übermäßige Liebe, die zu Orpheus’ Scheitern auf dem Rückweg aus der Unterwelt führt, oder ist es die unerträgliche Stille einer musiklosen Welt, die ihn den fatalen Blick zurück werfen lässt?

 

Am Anfang der Oper Orpheus erscheint »Die Musik« höchstpersönlich, um die tragische Liebesgeschichte des Titelhelden zu präsentieren. Oder ist es nicht doch vielleicht die Musik gewordene Liebe selbst? Zwei Akte lang werden in Tänzen und Liedern, Chören und Sologesängen Natur und Liebe zugleich gefeiert – bis die Nachricht von Eurydikes Tod die arkadische Ausgelassenheit urplötzlich zum Schweigen bringt. Doch die Musik verstummt nur für einen kurzen Augenblick. Denn wie sie vorher Ausdruck des Glücks und der Ausgelassenheit war, so stimmt sie nun Töne der Klage und der Trauer an, wird zur Hoffnung auf Orpheus’ Weg in die Unterwelt und behält auch ganz am Ende, nach dem erneuten tragischen Verlust der geliebten Eurydike, das letzte Wort oder vielmehr: den letzten, tröstenden Ton.

 

Musikalische Leitung André de Ridder

Inszenierung Barrie Kosky

Bühnenbild, Kostüme Katrin Lea Tag

Kostüme Katharina Tasch

Choreographie Otto Pichler

Dramaturgie Ulrich Lenz

Chöre André Kellinghaus

Licht Alexander Koppelmann

 

Orpheus Dominik Köninger

Eurydike Julia Novikova

Amor Peter Renz

Sylvia / Proserpina Theresa Kronthaler

Charon Stefan Sevenich

Pluto Alexey Antonov

Figuren Orpheus und Eurydike Frank Soehnle

Tänzer

Meri Ahmaniemi, Martina Borroni, Sarah Bowden, Alexson Capelesso, Suleika Fichtner, Paul Gerritsen, Jesco Himmelrath, Nikos Fragkou, Marcell Prét, Alessandra Bizzarri

 

*****

 

Odysseus

Claudio Monteverdi/Elena Kats-Chernin

Dramma per musica in einem Prolog und drei Akten [1640/2012]

Libretto von Giacomo Badoaro

Deutsche Textfassung von Susanne Felicitas Wolf und Ulrich Lenz

Barockoper in deutscher Sprache

Auftragswerk der Komischen Oper Berlin

 

20 Jahre lang wartet Penelope darauf, dass ihr geliebter Mann Odysseus endlich aus dem Krieg gegen Troja heimkehrt. Keiner in ihrer Umgebung glaubt mehr ernsthaft an eine Rückkehr des Helden. Von allen Seiten bedrängt, doch endlich mit der Vergangenheit abzuschließen und ein neues Leben an der Seite eines neuen Mannes zu beginnen, hält Penelope an ihrer Liebe fest und widersteht hartnäckig den um sie werbenden Freiern. Odysseus hofft nach 20 Jahren des Krieges und der Irrfahrten end­lich auf die Rückkehr ins verlorene Arkadien, seiner einstigen Heimat. Doch bei der ersten Begegnung mit Penelope, die in einem Blutbad an den Freiern endet, erkennt die Gattin den Ersehnten, vom Krieg Gezeichneten nicht. So wird die Annäherung zwischen den beiden lang getrennten, entfremdeten Eheleuten zu einer letzten Bewährungsprobe der Liebe.

 

In den 30 Jahren zwischen der Entstehung des Orpheus und der des Odysseus ist Monteverdis Stil zu einer einheitlicheren Musiksprache gereift. Das musikalische Band, mit dem er das Leiden und die Sehn­sucht seiner beiden Helden verfolgt, zieht sich nahtlos durch das ge­samte Werk, ohne in einzelne Nummern zu zerfallen. Die Musik ist es, die Odysseus und Penelope trägt und zusammenführt, bis sich ganz am Ende einer langen musikalischen Reise endlich auch ihre Stimmen in einem Duett der Wiedersehensfreude vereinen können.

 

Musikalische Leitung André de Ridder,

Inszenierung Barrie Kosky

Bühnenbild, Kostüme Katrin Lea Tag

Kostüme Katharina Tasch

Dramaturgie Ulrich Lenz

Chöre André Kellinghaus

Licht Alexander Koppelmann

 

Besetzung

Odysseus Günter Papendell

Penelope Ezgi Kutlu

Telemachos Tansel Akzeybek

Amor / Iros Peter Renz

Melanto Mirka Wagner

Eurymachos Adrian Strooper

Eurykleia Christiane Oertel

Eumaios Thomas Michael Allen

Die Zeit / Antinoos Jens Larsen

Pisandro Christoph Späth, Tom Erik Lie

Anphinomos Tom Erik Lie

Das Schicksal Karolina Gumos

Minerva Annelie Sophie Müller

 

***

 

Poppea

Claudio Monteverdi/Elena Kats-Chernin

Opera musicale in einem Prolog und drei Akten [1642 oder 1643/2012]

Libretto von Giovanni Francesco Busenello

Deutsche Textfassung von Susanne Felicitas Wolf

Barockoper in deutscher Sprache

Auftragswerk der Komischen Oper Berlin

 

In wilder Leidenschaft verbringt Kaiser Nero jede Nacht bei seiner Geliebten Poppea und droht darüber fast seine Pflichten als Herrscher zu vergessen. Poppea wiederum drängt den Geliebten sanft, aber bestimmt dazu, mit Kaiserin Octavia auch öffentlich zu brechen. Octavia aber fügt sich nicht kampflos in ihr Schicksal: Sie zwingt Poppeas einstigen Liebhaber Otho zum heimlichen Mord an der Rivalin. Doch der Plan misslingt, Otho wird gefasst, die Urheberschaft Octavias aufgedeckt und alle Schuldigen dem ungewissen Schicksal der Verbannung überantwortet. Endlich ist der Weg frei zu Poppeas Krönung. Dem Glück der beiden Liebenden steht nichts mehr im Weg.

 

In Monteverdis Polit-Thriller voll von Erotik, Mord und Intrige ist es ausgerechnet die amour fou der beiden Hauptpersonen, die das Gleichgewicht der politischen Mächte zu gefährden droht. So wird der Kampf der anderen ums pure Überleben unweigerlich zum Kampf gegen die Liebe zwischen Nero und Poppea, sowie auch Poppeas Kampf für ihre Liebe letztlich ein Kampf um ihr eigenes Überleben ist. Die Unschuld arkadischer Liebe ist längst verloren und pervertiert.

 

Monteverdi findet die unterschiedlichsten Töne für die verschiedenen Charaktere in diesem Mächtepoker, niemals jedoch wertet oder verurteilt seine Musik. So zählt das traumhaft schwebende Duett zwischen Nero und Poppea am Ende der Oper ohne Einschränkung zu den innigsten Liebesduetten der gesamten Operngeschichte.

 

Musikalische Leitung André de Ridder

Inszenierung Barrie Kosky

Bühnenbild, Kostüme Katrin Lea Tag

Kostüme Katharina Tasch

Dramaturgie UIrich Lenz

Chöre André Kellinghaus

Licht Alexander Koppelmann

 

Besetzung

Poppea Brigitte Geller

Nero Roger Smeets

Octavia Helene Schneiderman

Otho Theresa Kronthaler

Drusilla Julia Giebel

Seneca Jens Larsen

Valletto Tansel Akzeybek

Damigella / Das Schicksal Ariana Strahl

Arnalta Thomas Michael Allen

Amme Tom Erik Lie

Amor Peter Renz

Die Tugend Annelie Sophie Müller

Liberto Adrian Strooper

 

***

 

Alles an einem Tag oder einzeln.

Die drei Opern der Trilogie kann man ganz nach Lust und Laune an einem einzigen Tag, innerhalb einer Woche oder auch verteilt über einen Monat erleben.

 

Nahrung nicht nur für Aug’ und Ohr.

Wer sich dazu entscheidet, alle drei Opern an einem Tag zu sehen, muss sich nicht vor einem knurrenden Magen fürchten, denn zwischen den einzelnen Teilen findet sich in den Foyers der Komischen Oper Berlin ein reichhaltiges Angebot an kulinarischen Köstlichkeiten aus aller Herren Länder.

 

Wer früh bucht, spart Geld!

15% sparen beim Kartenkauf für die Monteverdi-Trilogie am 16. September/ 3. Oktober/ 4. November 2012.

 

Die Monteverdi-Trilogie

So, 16. September ab 11:00 Uhr

Mi, 3. Oktober ab 11:00 Uhr

So, 4. November ab 11:00 Uhr

 

 

 

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