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"Die Präsidentinnen" von Werner Schwab, Münchner Volkstheater

Premiere am 25. Oktober 2015, Kleine Bühne. -----

Liveübertragung der Papstmesse im Fernsehen. Um diesem heiligen Moment beizuwohnen, treffen sich die drei alternden Putzfrauen Erna, Grete und Mariedl. Jammernd ergeht sich Erna über ihr Schicksal, Mutter eines sich der Fortpflanzung verweigernden Alkoholikers zu sein.

Grete dagegen trauert dem Schwinden ihrer sexuellen Reize nach. Zufrieden mit ihrem Schicksal ist allein das fromme Mariedl. Als Klofrau hat sie ihr Weltbild zum Beruf gemacht. Sie wühlt im Schmutz der anderen herum, „um in die Wirklichkeit hineinzuschauen“. Aber jetzt wird unter dem Festsaal des Lebens abgerechnet mit Kindern, Küche, Kirche. Jetzt quasseln und schwadronieren sie sich durch ihr verkorkstes Leben. Sie lassen die Gespenster ihres Lebens aufmarschieren und werden schliesslich von ihnen massakriert. Je mehr sie reden, je mehr Lebensschmutz sie aufwirbeln, desto tiefer sinken sie hinab in einen Sumpf aus Selbstmitleid, Grössenwahn und Schuld. „Die Präsidentinnen“ ist das erste Stück des früh verstorbenen Österreichers Werner Schwab.

 

Werner Schwab, geboren 1958, gestorben 1994 in Graz, wandte sich, nach einem abgebrochenen Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, 1982 vermehrt dem Schreiben zu. Jahrelang lehnten Theater und Verlage seine Texte ab. Erst mit der Uraufführung von „Die Präsidentinnen“ im Wiener Künstlerhaus 1990 ändert sich das. Autobiografisch schöpfend aus der Enge einer kleinbürgerlichen Herkunft entlädt sich seine Wut über jede Form sozialer, materieller, sexueller Demütigung. Mit deftig-kräftigen Ausdrücken und skurrilen Wortverbindungen versuchte er die schöngeistige Literatursprache zu demaskieren.

 

Abdullah Kenan Karaca wurde 1989 in Garmisch-Partenkirchen geboren. Nach dem Abitur wurde er 2009 Regieassistent am Münchner Volkstheater und arbeitete bei den Salzburger Festspielen als Regieassistent beim „Jedermann“ unter Christian Stückl. 2011 assistierte er unter Christian Stückl bei der Produktion „Joseph und seine Brüder“ nach dem Roman von Thomas Mann im Oberammergauer Passionstheater. Er assistierte u.a. bei Simon Solberg, Bettina Bruinier, Christine Eder. 2012 inszenierte er „Arabboy“, 2013 „Der große Gatsby“ und 2014 „Woyzek“. Er studiert Regie an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Im Rahmen des Theatersommer in Oberammergau inszenierte er „Romeo und Julia“ von William Shakespeare in einem Zirkuszelt neben dem Passionstheater. Mit der kommenden Spielzeit 2015/16 wird er Hausregisseur am Münchner Volkstheater. Zudem wird er 2020 zweiter Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele an der Seite von Christian Stückl.

 

Regie: Abdullah Kenan Karaca

Bühne & Kostüm: Sita

 

Mit: Paul Behren, Moritz Kienemann und Max Wagner

 

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