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DREI SCHWESTERN von Anton Tschechow im Schauspielhaus Zürich

Premiere: Donnerstag, 11.9.2014, 20 Uhr, Pfauen. -----

Sie leben in der Erinnerung, in der Zukunft, in der Vergangenheit. Die Figuren in Tschechows DREI SCHWESTERN sind Zeit-Entrückte. Und verlieren sich im Nebel zwischen Gesagtem und Gemeintem, zwischen Wünschen und Taten.

Man könnte meinen, Tschechow habe seinen Tod schon erwartet, als er das Drama, von Tuberkulose gezeichnet, in Jalta verfasste. Dennoch hat er ein Stück über die Leichtigkeit geschrieben: die Hoffnung,

die Lebensfreude und Liebe, unter denen der Tod lauert.

 

Elf Jahre ist es her, dass der Brigadekommandant Sergej Prosorow mit seinen Kindern Moskau verliess und für die ganze Familie ein neues Leben begann. Ein Jahr nach dem Tod des Vaters träumen die Schwestern Olga, Mascha und Irina noch immer von Moskau, dem Sehnsuchtsort ihrer Kindheit. In der Provinz sorgen nur die Offiziere für Ablenkung: Mascha, die mit dem farblosen Gymnasiallehrer Kulygin verheiratet ist, stürzt sich in eine Affäre mit dem melancholischen Batteriechef Werschinin. Irina entscheidet sich für eine Ehe mit Baron Tusenbach, den sie nicht liebt. Olga ist Lehrerin und flüchtet sich in die graue Arbeit am Gymnasium. Alle drei hoffen sie, ihr Bruder Andrej möge Professor werden, damit die Rückkehr endlich wahr werde. Doch der verliebt sich in Natascha, der einzigen in Tschechows Figurenkaleidoskop, die einen Sinn für die Gegenwart hat. Sie organisiert ihr Leben, heiratet

Andrej und bringt das Karussell der Träumer zum Stehen. Am Schluss verlässt die Brigade den kleinen Ort mitten in der russischen Provinz und Moskaus Lichter erlöschen.

 

Tschechows Figuren träumen von einem besseren Leben, reden von Arbeit als „einzigem Sinn des Lebens“ und drehen sich dennoch im Kreis. Sie verlieren sich im Nebel zwischen Gesagtem und Gemeintem. Hinter ihren vermeintlich zufälligen Gesprächen versteckt sich das gnadenlose Räderwerk

des Älterwerdens.

 

Barbara Frey war nach Arbeiten u.a. am Theater Neumarkt, am Nationaltheater Mannheim und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg von 1999 bis 2001 Hausregisseurin an der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin, 2005 bis 2008 in gleicher Funktion am Deutschen Theater Berlin. Wiederholt

inszenierte sie am Theater Basel, am Bayerischen Staatsschauspiel in München („Onkel Wanja“ wurde 2004 zum Berliner Theatertreffen eingeladen), am Burgtheater Wien und bei den Salzburger Festspielen. Am Schauspielhaus Zürich führte sie 2005 bei Ibsens „John Gabriel Borkman“ und 2007 bei Schnitzlers „Reigen“ Regie. Seit der Spielzeit 2009/10 ist Barbara Frey Künstlerische Direktorin, seit 2011/12 Intendantin des Schauspielhauses Zürich. Seitdem waren hier in ihrer Regie Schillers „Maria Stuart“, Shakespeares „Was ihr wollt“, die Uraufführung „Malaga“ von Lukas Bärfuss, Marieluise Fleissers „Fegefeuer in Ingolstadt“, das Edgar Allan Poe-Projekt „A Dream Within a Dream“ und

„Platonow“ von Anton Tschechow zu sehen. In der Spielzeit 2011/12 inszenierte sie Büchners „Leonce und Lena“ und „Richard III.“ von William Shakespeare, 2012/13 Ibsens „Baumeister Solness“, „Der Menschenfeind“ von Molière sowie – im Rahmen von „Arm und Reich – Drei neue Stücke“ „Die schwarze Halle“ von Lukas Bärfuss. In der vergangenen Saison eröffnete sie mit Kafkas „Prozess“ die Spielzeit im Pfauen und inszenierte Goldonis „Der Diener zweier Herren“.

 

DREI SCHWESTERN

von Anton Tschechow

Deutsch von Werner Buhss

Regie Barbara Frey

Bühne Bettina Meyer

Kostüme Bettina Munzer

Licht Rainer Küng

Dramaturgie Andreas Karlaganis

 

Mit:

Andrej Sergejewitsch Prosorow Markus Meyer

Natalja (Natascha) Iwanowna Hilke Altefrohne

Olga Friederike Wagner

Mascha Sylvie Rohrer

Irina Dagna Litzenberger Vinet

Fjodor Iljitsch Kulygin Nicolas Rosat

Alexander Ignatjewitsch Werschinin Stefan Kurt

Nikolai Lwowitsch Tusenbach Christian Baumbach

Wassili Wassiljewitsch Soljony Milian Zerzawy

Iwan Romanowitsch Tschebutykin Johann Adam Oest

Ferapont Siggi Schwientek

 

Weitere Vorstellungen im Pfauen

12./ 16./ 18./ 19./ 24./ 26. September, jeweils 20 Uhr

14./ 21. September, jeweils 15 Uhr

3./ 4. Oktober, 20 Uhr

 

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