Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Erich Wolfgang Korngolds Oper »Die tote Stadt« im Theater MagdeburgErich Wolfgang Korngolds Oper »Die tote Stadt« im Theater MagdeburgErich Wolfgang Korngolds...

Erich Wolfgang Korngolds Oper »Die tote Stadt« im Theater Magdeburg

Premiere am Samstag, 23. Januar 2016 um 19.30 Uhr im Opernhaus/Bühne. -----

Der Witwer Paul weigert sich, den Tod seiner Frau Marie zu überwinden, und zieht sich ganz in seine Wohnung in der »toten Stadt« Brügge zurück, wo er seine Reliquien  Gegenstände, die an die Tote erinnern  aufbewahrt. Eines Tages begegnet er der Tänzerin Marietta, die der Verstorbenen verblüffend ähnelt.

Im Körper der Doppelgängerin scheint die Tote wiederauferstanden. Doch Details verraten, dass Marietta nicht Marie sein kann. Und vor allem ist Marietta eine selbstbewusste Frau, die bereit ist, um Pauls Liebe zu kämpfen. Mit tödlichem Ausgang …

 

Korngold zeichnet das Portrait eines pathologischen Psychopathen und dessen ausbrechenden Wahnsinns. Der Zeit entsprechend ist Korngolds Oper von den populären Theorien Sigmund Freuds, etwa der Trauerarbeit und dem Umgang mit Traumata, geprägt. Pauls Verlust und die Trauerbewältigung waren nicht nur nach dem Ersten Weltkrieg drängende Themen, sondern sind auch nach wie vor aktuell.

 

Mit der schillernden und farbigen Musik schuf Korngold eine spätromantische Oper, die mit ihrer Uraufführung 1920 zu einem riesigen Erfolg für den 23-jährigen Komponisten wurde. Das Werk traf den damaligen Zeitgeist, der geprägt war vom Trauma des Ersten Weltkrieges, Sigmund Freuds zunehmend populären Theorien der Psychoanalyse sowie dem Siegeszug des Kinos.

 

»Die tote Stadt« zählte zu den meist aufgeführten Opern der 1920er Jahre – bis zu dem Verbot von Korngolds Werken durch die Nationalsozialisten. Während seines Exils in den USA wurde Korngold zum Begründer der sinfonischen Filmmusik und des typischen Hollywoodsounds, worauf die Musik der »Toten Stadt« bereits vorausweist. Es dauerte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges noch lange, bis sein Schaffen wieder Eingang in die Spielpläne fand.

 

Die Magdeburger Inszenierung nimmt die Nähe zum Film zum Anlass, die Geschichte optisch in eine Psychothriller-Ästhetik à la Hitchcock zu übertragen.

 

Der Regisseur Jakob Peters-Messer, der in Magdeburg bereits die Telemann-Opern »Orpheus« (2010) und »Miriways« (2012) inszenierte, lässt die verschiedenen Ebenen von Wirklichkeit, Illusion, Traum und Wahn ineinandergreifen. Chefdirigent Kimbo Ishii dirigiert Korngolds großes Orchester, das üppige Klangeruptionen bereithält. Berühmt geworden sind die lyrischen Nummern »Glück, das mir verblieb« und »Mein Sehnen, mein Wähnen«. Für die anspruchsvolle Hauptpartie konnte der Tenor Wolfgang Schwaninger verpflichtet werden, der Paul bereits an den Theatern von Hof, Regensburg, Innsbruck und St. Gallen verkörperte. Als Marietta gibt Sopranistin und Ensemblemitglied Noa Danon ihr Rollendebüt mit einer weiteren großen Partie des deutschen Fachs, nachdem sie in dieser Spielzeit bereits Chrysothemis in der hochgelobten Magdeburger Inszenierung von »Elektra« sang.

 

Libretto von Paul Schott

Mit Übertiteln

In Koproduktion mit der Nederlandse Reisopera

 

Musikalische Leitung Kimbo Ishii

Regie Jakob Peters-Messer

Bühne / Lightdesign Guido Petzold

Kostüme Sven Bindseil

Dramaturgie Benjamin Wäntig

Choreinstudierung Martin Wagner

 

Paul Wolfgang Schwaninger

Marietta/Die Erscheinung Mariens Noa Danon

Frank Roland Fenes

Brigitta Ks. Undine Dreißig

Juliette Irma Mihelič

Lucienne Sylvia Rena Ziegler

Victorin Manfred Wulfert

Fritz Thomas Florio

Graf Albert Markus Liske

Opernchor des Theaters Magdeburg

Opernkinderchor des Konservatoriums »Georg Philipp Telemann«

Magdeburgische Philharmonie

 

Weitere Vorstellungen: Sa. 30. 1., 19.30 Uhr / Fr. 12. 2., 19.30 Uhr / Sa. 27. 2., 19.30 Uhr / So. 3. 4., 16.00 Uhr / Fr. 15. 4., 19.30 Uhr, jeweils im Opernhaus/Bühne

 

Karten: Reservierung und Kauf an der Theaterkasse: Tel. 0391 – 40 490 490 oder online: www.theater-magdeburg.de

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 17 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑