"Faust" im schauspielhannover

Tragödie von Johann Wolfgang von Goethe Premiere am 19. Oktober 2007 um 19.30 Uhr im Schauspielhaus Wie viele Tragödien sind im Faust-Stoff versammelt? Des ersten Teiles erster Teil widmet sich dem doppelbeseelten Wissenschaftler Faust, der sieht, „dass wir nichts wissen können!“

Und statt es sich in diesem sokratischen Zustand behaglich zu machen, will es ihm „schier das Herz verbrennen.“ Doch bald schon ist die Gelehrtentragödie vorbei und es beginnt das Drama um Gretchen, das Kind, das Faust begehrt, nachdem ihm der Teufel das Begehren zurückgab. Am Ende ist sie tot und ihre gesamte Familie mit ihr.

Der große Theatermann Einar Schleef hat darauf hingewiesen, dass „Faust“

wie eine Geschichte wiederholter Einnahme von Drogen ist – ein Trip.

Nirgendwo bildet sich dies deutlicher ab als in der Tragödie zweitem Teil.

Dies Alterswerk Goethes, bildungsprall und schier unspielbar, durchreist nun

tatsächlich Himmel, Welt und Hölle. Die Grenzen von Raum und Zeit sind

aufgehoben, der Reichtum an Figuren und Ideen überbordend.

Die letzte Tragödie der Tragödie: das Schicksal Mephistos. Er, der einsieht,

dass alles Trug und Wahn ist und der die Menschen bedauert, wenn er sieht,

wie sie sich im Himmelslicht göttlicher Vernunft plagen. Er ist es, der am Ende dem Wahn verfällt. Was für eine Tragödie, wenn selbst ein Teufel verrückt wird!

Regie beim hannoverschen Faust-Projekt führt der renommierte Schauspiel- und Opernregisseur Sebastian Baumgarten (Opernregisseur des Jahres 2006). Sein inszenatorischer Zugriff öffnet neue Perspektiven auf bekannte

Theaterstoffe – in Hannover war dies zuletzt bei seiner Arbeit „Richard III.

“ zu sehen. Unter Verwendung von Videotechnik und Musik erweitert er die

erzählerischen Ebenen. So entsteht eine Vielstimmigkeit und Vielschichtigkeit, ein neuer Blick auf einen alten Stoff. Und ein „Faust“, den man doch so gut zu kennen glaubt, wird zu einem „Faust“, wie man ihn noch nie gesehen hat.

Mit Kathrin Angerer, Sonja Beißwenger, Holger Bülow, Matthias Buss,

Mila Dargies, Fabian Gerhardt (junger Faust), Benjamin Höppner, Susanne

Jansen, Werner Rehm (alter Faust), Oda Thormeyer und Boris Groys (per Video)

Regie Sebastian Baumgarten · Bühne Natascha von Steiger

Kostüme Ellen Hofmann

Musik Andrew Pekler/Stefan Schneider

Video Stefan Bischoff ·

Dramaturgie Carl Hegemann/Robert Koall

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