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Geld oder Leben – Die Spielzeit 2006/07 des Moerser Schlosstheaters

Ab 28. September, Eröffnungspremiere „Woyzeck“ von Georg Büchner.

Nach der viel beachteten und erfolgreichen Demenzkampagne greift das Schlosstheater Moers in der neuen Spielzeit wieder ein Tabuthema auf. Unter dem Motto „Geld oder Leben“ setzt sich das Ensemble mit den unterschiedlichen Formen der Armut auseinander.

So steht neben der nach den Sorgen um Geld und Arbeit auch die Frage nach emotionaler beziehungsweise geistiger Armut im Mittelpunkt. Dazu zählen die Auseinandersetzung mit sozialen Gefügen und auch das Thema „Analphabetismus“. „Wir wollen in der neuen Spielzeit wieder künstlerische und soziale Aktivitäten verbinden“, so Intendant Ulrich Greb. Alle Formen der Armut hätten viel mit dem Überwinden der eigenen Scham zu tun und seien daher das richtige Thema für eine künstlerische Kampagne.

 

In Georg Büchners Dramenfragment „Woyzeck“, dem Auftakt der Spielzeit, erleben die Zuschauerinnen und Zuschauer, wie die von der Umwelt drangsalierte Hauptfigur ausbricht. Mit seinem Gewaltakt übt Woy-zeck gleichermaßen einen Akt der Selbstzerstörung als auch einen Protest gegenüber einer menschenver-achtenden Gesellschaft aus. Die Inszenierung von Ulrich Greb ist ab 28. September zu sehen.

 

Mit dauerndem Pech hat Henri Boulanger in „I Hired A Contract Killer“ zu kämpfen. Nach seiner fristlosen Kündigung beschließt er, seinem Leben ein Ende zu setzen – was aber kläglich scheitert. In seiner Not setzt er einen Berufskiller auf sich an. Während Boulanger auf seinen Mörder wartet, verliebt er sich in die Rosenverkäuferin Margaret. Das tragikomische Märchen sucht nach der Hoffnung in der Ausweglosigkeit und findet dabei eine erschreckend einfache Antwort. Die Theaterfassung in der Regie von Kay Voges ba-siert auf dem gleichnamigen Film des finnischen Regisseurs und Autors Aki Kaurismäki. Ab 25. November ist das Stück in der Kapelle an der Rheinberger Straße zu sehen.

 

Ödön von Horváths 1938 entstandener Roman „Jugend ohne Gott“ zeichnet eine gestochen scharfe Ana-lyse heutiger gesellschaftlicher Entwicklungen. Er nimmt die Sehnsucht aber auch die Verführbarkeit junger Menschen in den Blick. Die Inszenierung von Anja Schoen ist in einer eigenen Bühnenfassung des Schlosstheaters zu erleben. Die Premiere ist am 7. Dezember.

 

Einen eigenen Theaterabend widmet das STM der Jazzlegende Billie Holiday ab 18. Januar. Unter der musikalischen Leitung des Kontrabassisten Tim Isfort zeichnet das Stück das extreme Leben der Sängerin zwischen Gewalt, Drogen, Sex und Musik auf Basis ihrer Autobiographie nach.

 

Einen erbitterten Kampf liefern sich die letzten vier Kandidaten in der finalen Bewerbungsrunde um eine Managerstelle in „Die Grönholm-Methode“. In dem Stück des spanischen Autors Jordi Galceran werden gebräuchliche Methoden aus der Praxis von Bewerbungsverfahren auf die Spitze getrieben und entfalten eine entlarvende Komik. Spielort ist der Große Sitzungssaal im Neuen Rathaus, in dem sonst die Mitglieder des Rates und seiner Ausschüsse tagen.

 

Gleich drei Produktionen nehmen im Frühling 2007 als Kampagne „Vorsicht: ArMut“ die Armut in der direk-ten Nachbarschaft ins Visier. Mit Unterstützung des Kultursekretariats Wuppertal und der Kulturstiftung des Bundes präsentiert das STM das Projekt „Mit-Esser“, das am 11. Mai Premiere hat. Beim Theaterabend folgen die Schauspieler den Spuren von Armut in Moers und in der Umgebung. Grundlage hierfür bilden Interviews und Gespräche, die polarisierend Meinungen, Urteile und Vorurteile gegeneinander stellen.

 

Innerhalb unserer Leistungsgesellschaft muss der Einzelne viel mehr können als jemals zuvor. In dem „Projekt zum Thema Analphabetismus“ untersucht die Regisseurin Barbara Wachendorff den Zusammen-hang zwischen Armut und Bildung auf der Basis von Gesprächen und Interviews.

 

„Zukunft satt“ ist ein „theatralisches Überlebenstraining mit und für Jugendliche“. In dem musikalisch-multimedialen Projekt unter der Leitung von Kay Voges werden Jugendliche ihre Zukunftsvorstellung im Dialog mit ihrer Wahrnehmung der Gegenwart verbinden. Braucht diese Gesellschaft sie wirklich? Bei die-sem Projekt kooperiert das Theater mit der Arbeiterwohlfahrt.

 

Dass die Jugend eine zentrale Rolle in der Arbeit des STM spielt, zeigt auch die mit Unterstützung der Staatskanzlei NRW gegründete TheaterWerkstatt. Der Theaterpädagoge Holger Runge bereitet Schulklas-sen und Jugendgruppen spielerisch auf ihre Theaterbesuche vor. In den „Spielclubs“ stehen Jugendliche selbst auf der Bühne des Schlosstheaters. Mit der neuen Jugendtheaterzeitung „Rampensau“ können Ju-gendliche dann selbst über das Theater schreiben.

 

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