Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Ich war ein Comedian Harmonist" "Ich war ein Comedian Harmonist" "Ich war ein Comedian...

"Ich war ein Comedian Harmonist"

Premiere am 2. November 2007, 19.30 Uhr im Opernhaus Chemnitz, Vorbühne

Ein moderiertes Konzert.

 

Im Juli 2000 erlebte die Revue „Comedian Harmonists“ von Greiffenhagen / Wittenbrink ihre umjubelte Chemnitzer Premiere, und erst nach sieben Jahren traten die sechs Herren wieder von der Bühne ab, nicht ohne dem Publikum das Versprechen einer Fortsetzung geben zu müssen.

Diese Zusage wird mit dem neuen Programm „Ich war ein Comedian Harmonist“ nun eingelöst, und das vor allem mit Titeln, die bisher noch relativ unbekannt sind. Natürlich werden wir auf Evergreens wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder „Ein Freund, ein guter Freund“ nicht verzichten, aber die Comedian Harmonists haben so viele Welthits produziert, dass man mühelos mehrere Abende daraus gestalten kann.

 

Die musikalischen Erinnerungen des Ari Leschnikoff

 

In „Ich war ein Comedian Harmonist“ spielt (und singt) der beliebte Chemnitzer Tenor Jürgen Mutze den legendären, nunmehr gealterten 1. Tenor Ari Leschnikoff, der in seiner Rentnerwohnung im bulgarischen Sofia – wie einst Willy Schwabe in seiner TV-Rumpelkammer – beim Blättern in Fotoalben und bei der Erinnerung an den glücklichen Teil seines Lebens ins Plaudern gerät. Seine Rückblenden werden musikalisch lebendig durch die CHarmonists, eine Gruppe von Opernsängern aus Chemnitz, Leipzig und Dessau, die sich dem Stil der historischen Comedian Harmonists soweit angenähert haben, dass ihr Klang schon gern einmal mit dem des Originals verwechselt wird.

Der Bariton Andreas Kindschuh, der bereits in der vorherigen Inszenierung den Roman Cycowski sang und spielte, hat als Gründer der CHarmonists seine Chemnitzer Kollegen André Riemer (Erich) und Martin Gäbler (Robert), den Leipziger Tobias Hunger (Ari) und Markus Seidensticker (Harry) aus Dessau sowie den Pianisten und Kapellmeister Tom Bitterlich eingeladen, sich dem Revival des einst weltberühmten und auch nach dem Tod ihres letzten Mitglieds (Roman Cycowski starb 1998 als Kantor in Kalifornien) unvergessenen Sextetts zu verschreiben.

 

In zahlreichen Konzerten in Deutschland haben die sechs Künstler bereits viele Erfolge gefeiert, und während des Gala-Konzertes zur diesjährigen Spielzeiteröffnung in Chemnitz musste der Pianist der CHarmonists sogar von der Bühne in die Garderobe flitzen, um Noten für die Zugabe zu holen, denn das jubelnde Publikum wollte die Virtuosen nicht mehr von der Szene lassen.

 

Ari Leschnikoff alias Jürgen Mutze wird also begeistert und heiter, aber auch traurig und berührend von der großen Zeit berichten, die für ihn eine glorreiche Vergangenheit in wenig glorreicher Zeit war. Bereits fünf Jahre nach der Gründung hatte der Rassenwahn der Nazis die Karriere der Comedian Harmonists beendet, als die Juden Harry Frommermann, Roman Cycowski und Erich Collin Berufsverbot erhielten und nur Robert Biberti, Ari Leschnikoff und Erwin Bootz im arischen, aber von der Stilrichtung entwurzelten „Meistersextett“ weiter musizieren durften. Ari Leschnikoff starb kurz nach dem Interview, das er 1976 dem Dokumentarfilmer und Buchautor Eberhard Fechner in Sofia gab, völlig verarmt und fast vergessen, verbittert und dennoch von seiner Zeit des Glücks träumend. Diese Träume leben in seinen - von Jürgen Mutze nachempfundenen - Gedanken und in der wunderbaren Musik seiner Jugend weiter, wenn es auf der Bühne der Oper Chemnitz heißt „Ich war ein Comedian Harmonist“

 

Szenische Einrichtung: Andreas Kindschuh

Choreografie: Peter Schache

Arrangements: Dirk Sobe, Hans-Peter Preu, Franz Wittenbrink

Musikalische Leitung: Tom Bitterlich, Dirk Sobe

 

mit: Jürgen Mutze (der alte Ari Leschnikoff), Tobias Hunger (der junge Ari Leschnikoff), Andreas Kindschuh (Roman Cycowski), Markus Seidensticker (Harry Frommermann), André Riemer (Erich Collin), Martin Gäbler (Robert Biberti) und Tom Bitterlich (Erwin Bootz)

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 18 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Nachdenklich, Lebhaft, Wütend, Wehmütig! Ballett am Rhein: „Vier Neue Temperamente“

DIE VIER TEMPERAMENTE George Balanchine PHLEGMATIC SUMMER Michèle Anne de Mey (Uraufführung) SANGUINIC: CON BRIO Demis Volpi (Uraufführung) CHOLERIC Hélène Blackburn (Uraufführung) FROM TIME TO…

Von: Dagmar Kurtz

Hinter der Bühne

Adriana ist der gefeierte Star der Schauspielbühne. Aber auch Ruhm und Anerkennung schützen nicht davor, hintergangen zu werden. Und wenn zwei Frauen denselben Mann lieben, sind Eifersucht, Intrige…

Von: Dagmar Kurtz

Wie absurd ist das denn?

Die Volksbühne in Berlin kommt mit einer Uraufführung namens „SMAK! SuperMacho AntiKristo“ heraus, einer „hyperhybriden Hommage an den französischen Symbolisten Alfred Jarry“ und allerlei Anderes.  

Von: Stephan Knies

Zwei Außenseiter - "I am a problem" in der Deutschen Oper am Rhein: "Carmen“ "von Roland Petit und "Baal" von Aszure Barton

Der Kontrast könnte stilistisch nicht größer sein zwischen den beiden Choreografien, die an der Deutschen Oper am Rhein in „I am problem“ zu sehen sind. Und doch haben sie etwas gemeinsam, sie zeigen…

Von: Dagmar Kurtz

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑