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KOPENHAGEN von Michael Frayn im Stadttheater Giessen

Premiere: 28. September 2007 | 20.00 Uhr im TiL

 

Warum besuchte Werner Heisenberg 1941 seinen ehemaligen Lehrer und Freund Niels Bohr im von der deutschen Wehrmacht besetzten Kopenhagen? Was besprachen die beiden Männer? Welche Worte führten dazu, die langjährige Freundschaft der beiden Physiker so nachhaltig zu zerstören, dass die beiden auch nach dem Krieg nicht wieder zueinander fanden?

Anfang des 20. Jahrhunderts: Heisenberg und Bohr erarbeiten gemeinsam die Grundlagen der modernen Kernphysik. Und während Bohrs Atommodell den Pionieren der Kernforschung beim Verständnis elementarer Eigenschaften der chemischen Elemente hilft, wird Werner Heisenberg Leiter des deutschen Atomprojektes und arbeitet im Auftrag Hitlers an der Atombombe. 1941 reist Heisenberg zu Niels und Margarethe Bohr nach Kopenhagen – ein Treffen, das damit endete, dass Heisenberg von Bohr des Hauses verwiesen wurde. In den 50er Jahren schrieben beide Physiker ihre jeweiligen Versionen des Gesprächs nieder – die sich grundsätzlich voneinander unterschieden: Heisenberg will mit Bohr besprochen haben, die Physiker weltweit zu einer Beendigung der atomaren Forschung aufzurufen, da auch Deutschland keine Bombe bauen würde. Das Gespräch habe Bohr nur deshalb so rasch abgebrochen, da er entsetzt darüber gewesen sei, dass der Bau einer Bombe entgegen seiner Berechnungen tatsächlich möglich war. Bohr dagegen erinnert sich in seinen Briefen nicht an einen Vorstoß Heisenbergs zu einem internationalen

Forschungsstopp der Atombombenprogramme. Vielmehr habe der ehemalige Freund unerträglich mit seinem Atomprojekt und der Gewissheit des deutschen Siegs geprahlt. Was also genau besprochen wurde, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit sagen.

 

Auf der Suche, nach dem Grund für den Besuch in Kopenhagen und dem Zerwürfnis zwischen den beiden Nobelpreisträgern, erweckt der britische Erfolgsautor Michael Frayn die drei Akteure Werner Heisenberg, Niels und Margarethe Bohr wieder zum Leben. In seinem im Jahr 2000 mit dem Tony

Award für das beste ausländische Schauspiel ausgezeichneten Thriller über die Verantwortung von Wissenschaft und Forschung werden mehrere mögliche Szenarien dieser Begegnung durchgespielt. Dabei werden die Annahmen und Konzepte der Quantenmechanik, an deren Entwicklung Heisenberg entscheidend beteiligt war, auf die Bühne übertragen und somit die Frage nach der Wahrscheinlichkeit oder vielmehr nach der Unausweichlichkeit verschiedener Interpretationen eines Ereignisses gestellt. Die zentralen Fragen dabei sind: Hat man als Physiker das moralische Recht an der praktischen Nutzung der Atomenergie zu arbeiten? Hätte Heisenberg sich von Bohr davon abhalten lassen, im Auftrag der Nazis an der Bombe zu forschen? Hätte er überhaupt aufhören dürfen, schließlich war es ihm nur in dieser Position möglich, die Forschungen unter Kontrolle zu behalten und durch Erfolgs- wie

Misserfolgsmeldungen die Entscheidung zu Bau oder Nichtbau der deutschen Atombombe beeinflussen? Und wer ist letztlich verantwortlich für den Einsatz einer Atombombe? Nur der entsprechende Machthaber oder auch der Wissenschaftler, der ihm die Möglichkeit dazu eröffnet?

 

Inszenierung: Matthias Kniesbeck

Bühne und Kostüme: Monika Gora

Mit: Carolin Weber; Christian Fries, Harald Pfeiffer

 

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