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LOUIS XIV. IS NOT DEAD! nach Daniel Casper von Lohenstein – Andreas Gryphius in KölnLOUIS XIV. IS NOT DEAD! nach Daniel Casper von Lohenstein – Andreas Gryphius...LOUIS XIV. IS NOT DEAD!...

LOUIS XIV. IS NOT DEAD! nach Daniel Casper von Lohenstein – Andreas Gryphius in Köln

Premiere 11. September 2015 im französischen Institut Köln um 20 Uhr. -----

eine barocke Theaterutopie (Der-Lohenstein-Gryphius-Komplex) - aus 4 barock-dramen ein 5-tes über das leben des absolutistischen sonnenkönigs und seine fiktive ermordung - Spielfassung Taîbo Bati und das F.A.C.E. Ensemble Kristóf ßABÓ. Ein Projekt von SPOTNIK intermediale Künste e.V.

 

 

A.D. 2085. Der Dissident und Theatermacher Taîbo Bati bereitet in der Stadt New Versailles „louis xiv is not dead! vor, einen barocken Theater-Abend über das Leben Ludwig XIV., das Prinzip des autoritären Herrschens, die fiktive Ermordung des immer tyrannischeren Sonnenkönigs.

 

Das Stück ist aus Passagen aus je zwei deutschen barocken Trauerspielen von A. Gryphius und von D. C. von Lohenstein aus dem 17. Jahrhundert zu einem fünften collagiert worden und zeigt den katholischen König, der größenwahnsinnig und zum religiösen Eiferer wird und die Hugenotten zäh und blutig verfolgt. Er errichtet eine Militärdiktatur und beherrscht die politische Szene, die er durch ein PR-Ministerium lenkt.

 

Mitten in den Endproben wird Taîbo Bati vom Verfassungsschutz verhaftet, die Anklage lautet auf Vorbereitung eines terroristischen Anschlags. Das Ensemble beschließt, das barocke Collagen-Drama dennoch wortgetreu in Szene zu setzen - sie sezieren die Mechanik von Macht und Widerstand im Staat.

 

Vor 300 Jahren, 1715, starb der französische König Ludwig XIV, der mit seiner Politik, Persönlichkeit und Hof in Versailles Europa nachhaltig prägte.

 

Darsteller/innen: Theresia Erfort, Thomas Krutmann, Alexander Küpper, Bärbel Nolden, Ursula Wüsthof, Ivan Zilli, Darsteller/in und Tänzer/in: Christine Kättner, Volker Wurth

 

Kostüm: Emese Kasza Video: Ivó Kovács Musik: Jules Desgoutte Soundtrack: Claudio Monteverdi, Jean- Baptiste Lully Licht: Garlef Keßler Dramaturgie-Regie: Kristóf Szabó

 

Rollen: LUDWIG XIV., COLBERT, KARDINAL MAZARIN, MARIA MANCINI (Ludwigs Teenager-Liebe); ANNA VON ÖSTERREICH (Ludwigs Mutter), MATHILDE (Ludwigs Angebetete, eine Hugenottin am Hof); JEAN – der EDELMANN am Hof, JOSEPHA (Revolutionärin), BAPTISTE – der HAUPTMANN am Hof (konvertierter Hugenotte), KARDINAL am Hof, KULTURAMTSLEITER Zulli

 

WEITERE SPIELTERMINE:

13 & 14 Oktober 2015

ORT: Sankt Gertrud Kirche, Krefelder Str. 57, 50670 Köln

und

20. & 21. Oktober 2015

ORT: The New Yorker - DOCK 1 – HARLBOUR.CLUB | Hafenstraße 1 | 51063 Köln

jeweils 20:00 Uhr

Tickets: 13,--€ | ermäßigt 9,--€

Mehr Informationen und Reservierungen: kristof-szabo@gmx.de

 

INHALT

des Stücks nach Szenen

 

Szene I: Ludwig XIV. ist 9 Jahre alt – er muss erleben, wie seine Mutter, Kardinal Mazarin und er ehrlos aus Paris fliehen müssen vor dem Aufstand (später Fronde genannt) des Parlaments und des Adels. Sie befürchten das Schlimmste: In der Tat hat in England ein solcher Aufstand 10 Jahre zuvor zur Verhaftung und Hinrichtung des Königs Karl I. geführt. Die Flucht gelingt, die Umstände, die Ursachen, die Schande und die Angst wird Ludwig nie vergessen – und nie verzeihen.

 

Szene II: Ludwig XIV. hat sich in Kardinal Mazarins Nichte, Maria Mancini verliebt – die jungen Leute möchten heiraten. Kardinal Mazarin schafft es, beide davon abzubringen. Maria geht ins Kloster, Ludwig XIV. heiratet politisch. Er wird nie wieder authentisch sein; das Leben wird zur Repräsentation. Seine Motivation schöpft Ludwig XIV. aus der katholischen Religion.

 

Szene III: Ludwig XIV. in Versailles in seinem neu erbauten Schloss auf der Höhe seiner Macht. Bild 1 Die Verfolgung der Hugenotten – Das Festigen der Militärdiktatur – Kriegshetze Bild 2 Erotik & Macht – Den Hof machen – Schmeicheleien Bild 3 Verschwörung am Hof – Verbannung in die Kolonien Bild 4 Die Prophetie der Revolution durch das Volk! – Tod & Sexualität Bild 5 Der König tanzt.

 

PAUSE – nach der Pause folgen Szene IV. und Szene V. (Überraschung!)

 

BAROCK

 

Der Spiegel (08.03.2014) schreibt (leicht gekürzt): „Das barocke Lebensgefühl ist erstaunlich aktuell... Auch wir kennen die angstvolle Ahnung weltumspannender Nichtigkeit und Flüchtigkeit, grundiert von akuter Wirtschaftskrise, religiösen Zweifeln, drohenden Klimakatastrophen und den durch zahlreiche Publikationen aktualisierten Erinnerungen an die tödlichen Materialschlachten des 20. Jahrhunderts; und zugleich ist uns jene – auch medienbedingte – Ich-Schwäche vertraut, die hektisch Zuflucht sucht bei den penetrantesten Schönheitsobsessionen.“

 

Wie im Barock, schwinden im 20.-21. Jahrhundert die Gewissheiten. Grenzverschleifungen, Virtualität und Realität, Täuschung und Enttäuschung sorgen für die Auflösung des durch die Vernunft begründeten Wahrheitsbegriffs. Die (verzweifelte) Suche nach Gewissheit begründet eine neue Empfänglichkeit für totalitäre (z.B. nationalistische oder (schein)religiöse) Lebenshaltung, sie weckt und stärkt aufs Neue die Sehnsucht nach einem charismatisch-sakralen Führer, einem göttlich-guten König – Und der Publizist William J. Dobson schreibt 2012 in Diktatur 2.0: „Ob Russland oder Ägypten, China oder Syrien: Diktaturen sind kein Auslaufmodell. Doch nichts fürchten sie mehr als das eigene Volk“.

 

Daniel Casper von Lohenstein (1635 – 1683) und Andreas Gryphius (1616 – 1664) sind Zeitzeugen und die bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker des Barock.

 

Kristóf Szabó rückt mit louis xiv is not dead! die Figur des sakral überhöhten Führers in den Mittelpunkt einer Auseinandersetzung am Theater, die mit der Inszenierung von Václav Havel: PROTEST (2013) begann und seine Fortsetzung nahm mit Georg Kaiser: GAS II (2014).

 

zum Spielort The New Yorker | HARBOUR.CLUB:

In drei denkmalgeschützten Hallen werden industrielle Rundbogenfenster & moderne Spiegelelemente vereint. Crystal, Furnace und Anchor – drei einzigartige Räume bilden den perfekten Rahmen für louis xiv. is not dead! Alle miteinander verbunden und doch jeder für sich individuell.

 

 

 

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