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"Lulu" von Frank Wedekind im Theater Koblenz

Premiere am Freitag, 23. November um 19.30 Uhr im Grossen Haus

 

Lulu, Kindfrau, Objekt der Begierde, Opfer männlicher Obsession und personifizierte Unmoral. Lulu – die Frau, der die Männer immer neue Namen geben, die jedem Mann eine andere ist.

 

Drei Männer hat sie auf dem „Gewissen“, drei Männer, die in ihr die

Glückseligkeit gefunden zu haben glaubten. Der erste, Medizinalrat Dr.n Goll, ein alter Lüstling, stirbt an einem Herzanfall als er Lulu mit dem Maler Schwarz in flagranti ertappt. Der zweite, ebendieser Schwarz, nimmt sich das Leben als er erkennt, dass er sie nicht halten kann. Und der dritte, Verleger Dr. Schön, die einzige Liebe ihres Lebens, wie sie sagt, wird von ihr in Notwehr erschossen, als er sie umbringen will, weil er ihre vermeintliche Untreue nicht ertragen kann. Sie wird verhaftet, verurteilt und von ihren „Freunden“ aus dem Gefängnis befreit. Gemeinsam flieht die Gruppe nach Paris und führt dort ein ausschweifendes Bohèmeleben. Bis ein Börsenkrach ihre finanziellen Mittel mit einem Schlag vernichtet.

 

Gealtert, abgetakelt und arm endet Lulu in einer Absteige in London. Sie

geht auf den Strich. Schließlich wird sie, das einstige Lustmädchen, vom

Lustmörder Jack the Ripper umgebracht.

 

Wedekinds Stück war zu seiner Entstehungszeit (1893 / 94) ein Skandal. Mehr

noch als seine ‚Kindertragödie’ „Frühlings Erwachen“, in der er die erwachende Sexualität junger Menschen thematisierte, war „Lulu“ ein rotes Tuch für das wilhelminische Bürgertum. Wedekind hatte, schonungsloser noch als z. B. die zeitgenössischen Naturalisten Hauptmann und Ibsen, die Konventionen in Frage gestellt und den Bürgerstolz gekränkt, indem er ihre moralischen Übereinkünfte ad absurdum führte. In „Lulu“ regieren die Triebe. Die Gesellschaft, die Wedekind zeigt, ist satt, reich und ohne andere Ziele als die rasche und möglichst raffinierte Befriedigung ihrer Lust. Auch heute noch ist Lulu, das „wahre, schöne Tier“ eine Provokation.

 

Koblenzer Erstaufführung

 

Inszenierung: Martin Kloepfer

 

Bühne und Kostüme: Katrin Gerheuser

 

Mit: Heinz Kloss, Andreas Sindermann, Madeleine Niesche, Olaf Schaeffer,

 

Oleg Zhukov, Wolfgang Ziemssen, Bernd Rieser, Christiane Lemm, Maximilian

 

Laprell, Cornelius Heidebrecht

 

 

 

Weitere Vorstellungen: 28. November; 9./ 15./ 16./ 18./ 20. Dezember

 

Karten unter 0261 / 129 2840-41

 

 

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