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Münchner Erstaufführung: "Der geduldige Socrates" von Georg Philipp Telemann im Staatstheater am Gärtnerplatz

Premiere am Donnerstag, 30.6.2011, 19.30 Uhr. -----

 

Auf dass der Nachschub an Kriegern im antiken Athen reibungslos funktioniere, sollte Man(n) in jedem Fall zwei Frauen heiraten. Also muss der Philosoph Sokrates neben seinem sprichwörtlich gewordenen Hausdrachen Xantippe auch die nicht weniger zänkisch Amitta ertragen.

 

 

 

Doch Kopfzerbrechen bereiten ihm auch die amourösen Abenteuer der jungen Aristokratie: Rodisette und Edronica lieben Melito, doch der will von beiden nichts wissen, dafür ist ihnen Antippo auf den Fersen. Daneben gilt es noch, faule und aufmüpfige Schüler, so den trunksüchtigen Phito, in ihre Schranken zu weisen. Zu seiner Entstehungszeit verbarg dieses Libretto hinter der Geschlechterkampf-Komik durchaus auch einigen Zündstoff, wenn es indirekt das subalterne Hofschranzentum karikierte und nicht zuletzt die mit bürgerlichen Idealen ausgepolsterte Gelehrtenidylle in Frage stellte.

 

An die fünfzig Opernwerke verfasste Georg Philipp Telemann (1681-1767) neben seinem riesigen orchestralen und kammermusikalischen Werk. Er zählte damit zu Lebzeiten zu den führenden Komponisten Europas.

 

Der geduldige Socrates, uraufgeführt 1721 in Hamburg, gilt als eines der bahnbrechenden Werke für die Entwicklung der deutschen komischen Oper. Mit der Münchner Erstaufführung dieses Musikalischen Lustspiels erschließt das Staatstheater am Gärtnerplatz der Münchner Barockoperntradition eine weitere schillernde Facette. Gleichzeitig erfüllt es damit im vierten Jahr der Intendanz von Dr. Ulrich Peters das Versprechen, in dem breitgefächerten Spielplan auch der Barockoper am Gärtnerplatz Raum zu geben.

 

Telemann schildert die antikisierende Geschichte rund um den griechischen Philosophen Socrates und dessen Geduld-erfordernde Familienverhältnisse in vielfarbiger musikalischer Formensprache. Äußerst variantenreiche Arien, Duette und Ensembles, stets wechselne Instrumentation, und ungewöhnliche harmonische Effekte kennzeichnen das Werk.

 

Regisseur Axel Köhler, ehemaliger Countertenor, heute Direktor der Oper Halle, setzt den Geduldigen Socrates in Szene. Als ausgewiesener Spezialist im Bereich der Barockoper bringt er dabei seine besondere Kompetenz in der Sängerführung zum Tragen, natürlich nicht, ohne dem komischen Charakter des Werks Rechnung zu tragen. Die Szenerie dazu entwirft der international renommierte Bühnenbildner Frank Philipp Schlößmann, der u.a. die Bühnenbilder für den „Bayreuther Ring“ von 2006 entworfen hat. Die Kostüme stammen von Katharina Weissenborn.

 

Auch am Pult steht mit Jörn Hinnerk Andresen ein echter Barock-Spezialist. Der Chordirektor des Staatsheaters am Gärtnerplatz erfüllt sich mit diesem Dirigat einen Herzenswunsch. Das Orchester begrüßt dazu in seinen Reihen einige spezialisierte Gäste an Barockinstrumenten.

 

Die Sängersolisten des Gärtnerplatz-Ensembles freuen sich auf die Möglichkeit, sich einmal im Barockfach vorzustellen. In der Titelrolle stellen Stefan Sevenich und Holger Ohlmann ihr komödiantisches Talent unter Beweis. Sie haben auf der Bühne mit ihren zänkischen Ehefrauen Xantippe und Amitta zu kämpfen, die von Heike Susanne Daum und Sandra Moon (Xantippe) sowie Elaine Oritz Arandes und Thérèse Wincent (Amitta) verkörpert werden. Stefanie Kunschke und Christina Gerstberger singen alternierend die Partie der Edronica, Ella Tyran singt die Rodisette. In der Counter-Partie des Antippo kommt erneut Yosemeh Adjei ans Haus, der bereits in Death in Venice als Apollo beeindruckte. Der trunksüchtige Pieto wird von dem jungen Mauro Peter als Gast verkörpert.

 

Musikalische Leitung: Jörn Hinnerk Andresen

Inszenierung: Axel Köhler

Bühne: Frank Philipp Schlößmann

Kostüme Katharina Weissenborn

 

Socrates: Holger Ohlmann / Stefan Sevenich

Rodisette: Stefanie Kunschke / Christina Gerstberger

Endronica: Sibylla Duffe / Ella Tyran

Xanthippe: Heike Susanne Daum / Sandra Moon

Amitta: Elaine Ortiz Arandes / Thérèse Wincent

Melito: Robert Sellier

Antippo: Yosemeh Adjei

Nicia: Gregor Dalal

Alcibiades: Stefan Thomas

Xenophon: Bernhard Appich

Pitho: Mauro Peter

Cupido: N. N.

Plato: Frank Oliver Weißmann

 

 

Auftakt Sonntag, 19.6.2011, 11.00 Uhr Einführungsveranstaltung mit Chefdramaturg Christoph Maier-Gehring, Regisseur Axel Köhler und weiteren Beteiligten der Inszenierung. Mit musikalischen Einblicken. Gerstberger Sevenich Sellier Peter

 

Termine:

3., 13., 21. und 26.* Juli 2011

Alle Termine mit Einführung 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn

 

Tickets 6,- bis 61,-€ / erm. 50% (resp. 8,-€ bei KiJu) unter 089.21 85 19 60 oder www.gaertnerplatztheater.de

 

 

 

 

 

 

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