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"Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach an der Oper Stuttgart

Premiere Sonntag, 04. Dezember 2016, 18 Uhr // Opernhaus. -----

Anders als im antiken Mythos beginnt Offenbachs 1858 in Paris uraufgeführte „Opéra bouffon“ nicht mit dem jähen Tod von Orpheus‘ geliebter Braut Eurydike auf dem Hochzeitsfest, sondern mit den Streitereien des Ehepaares, dessen glückliche Tage längst vorüber sind: Man betrügt sich gegenseitig mit Schäfern und Nymphen, alles läuft auf eine baldige Scheidung hinaus.

Und so ist Orpheus auch zunächst erleichtert, als Eurydikes Geliebter, der sich als Unterwelt-Gott Pluto entpuppt, sie zu sich in den Hades entführt. Erst als die Öffentliche Meinung mit der Drohung einschreitet, Orpheus‘ Ruf zu ruinieren, erklärt er sich zähneknirschend dazu bereit, Eurydike aus dem Hades zurückzuholen.

 

Regisseur Armin Petras über Orpheus in der Unterwelt:

„So wie Jacques Offenbach sich in seinem Orpheus an die Potenziale der antiken Mensch-Götter-Beziehung erinnert und das im Hades beziehungsweise Olymp versammelte Personal für eine satirische Gesellschaftsstudie über das Paris des mittleren 19. Jahrhunderts wiederbelebt, bringt es Fernando Pessoa einige Jahre später in seinem Buch Die Rückkehr der Götter auf den Punkt: Die Götter sind nicht gestorben: Unsere Vision von ihnen ist gestorben. Wir sehen sie nicht mehr. Aber die Götter bestehen fort, sie leben, wie sie gelebt haben, mit derselben Göttlichkeit. Ihre Gegenwart vereinfacht und verschönert.

 

Die Wiederauferstehung der vielgestaltigen antiken Götterwelt stellt, und davon berichten Offenbach wie Pessoa, die übermächtigen christlichen Moralstandards in Frage. Wenn richtig und falsch sich aber nicht mehr ohne weiteres auseinanderhalten lassen, entstehen erste Zweifel am Status quo. Und auch die Öffentliche Meinung gerät in Konfusion. Lag zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon etwas davon in der Luft, was sich nur wenig mehr als zehn Jahre nach der Uraufführung von Orpheus in der Unterwelt in Frankreich ereignen sollte und als ,La Commune‘ in die Geschichtsbücher eingegangen ist? Inmitten der von der Arbeiterschaft initiierten Kurzrevolution von 1871, die wie selten zuvor konkrete Ideen einer demokratisch-sozialen Gesellschaftsordnung mit sich führte, traten auch einige äußerst selbstbewusste Frauen hervor, die sich dem Bürgertum entgegenstellten.

 

Als eine mit diesen Persönlichkeiten verwandte Figur stelle ich mir Eurydike vor. Aus dem Proletariat stammend, durchschreitet sie nach eigener Wahl die verschiedenen Möglichkeiten sozialer Positionierung. Und dies sehr radikal, weil ihr Weg immer aufs Neue der Weg einer Liebenden ist: Auf diese Weise verbindet Eurydike sich mit dem opportunistischen Bildungsbürger Orpheus, dem widersprüchlichen Untergrundchef Pluto und dem herrschenden Tyrannen Jupiter, um schließlich in der Unterwelt, die sie als ihre Heimat erkennt, erneut Wurzeln zu schlagen. Von dort aus ersinnt sie eine Revolution, die ganz andere Auswirkungen haben soll als jene, die kurze Zeit zuvor im Olymp von ein paar gelangweilten Göttern gegen Jupiter geführt wurde und innerhalb weniger Minuten ergebnislos verpuffte.“

 

Musikalische Leitung Sylvain Cambreling / Hans Christoph Bünger (20.|23.|31.01.2017)

Regie Armin Petras

Bühne Susanne Schuboth

Kostüme Dinah Ehm

Video Rebecca Riedel

Licht Reinhard Traub

Chor Christoph Heil

Dramaturgie Malte Ubenauf

 

Besetzung

Orpheus Daniel Kluge

Eurydike Josefin Feiler

Die öffentliche Meinung Iris Vermillion / Stine Marie Fischer (17.|21.|29.12.2016 |31.01.2017)

Pluto André Morsch

Styx André Jung

Jupiter Michael Ebbecke

Juno Maria Theresa Ullrich

Venus Esther Dierkes

Diana Catriona Smith

Bacchus Max Simonischek

Merkur Heinz Göhrig

Cupido Yuko Kakuta

 

Staatsopernchor Stuttgart

Staatsorchester Stuttgart

 

Weitere Vorstellungen: 09.| 15. | 17. | 21. | 29. Dezember 2016 02. | 07. | 20. | 23. | 31. Januar 2017

 

Begleitveranstaltungen zu Orpheus in der Unterwelt

 

Öffentliche Probe

Samstag, 12.11.2016, 9.45 – 11.30 Uhr, Opernhaus

Regisseur Armin Petras gibt Einblicke in die Probenarbeit.

 

Einführungsmatinee

Sonntag, 27. November 2016, 11 Uhr im Opernhaus, Foyer I. Rang Das Produktionsteam gibt interessierten Opernbesuchern einen Einblick in die Konzeption der Neu-inszenierung.

 

Nach(t)gespräche Freitag, 09. Dezember 2016

Samstag, 07. Januar 2017

Das Produktionsteam beantwortet im Anschluss an die Vorstellung Fragen der Zuschauer.

Einführung vor jeder Vorstellung Eine Einführung findet jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Opernhaus, Foyer I. Rang, statt.

 

Karten

Karten über www.oper-stuttgart.de, Kartentelefon: 0711. 20 20 90, und an der Abendkasse

Weitere Informationen zur Neuproduktion unter www.oper-stuttgart.de/faust-gounod

 

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