Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Österreichische Erstaufführung: "Rückkehr nach Haifa / Small Talk" von Ilan Hatsor im Theater Nestroyhof Hamakom, WienÖsterreichische Erstaufführung: "Rückkehr nach Haifa / Small Talk" von Ilan...Österreichische...

Österreichische Erstaufführung: "Rückkehr nach Haifa / Small Talk" von Ilan Hatsor im Theater Nestroyhof Hamakom, Wien

Premiere: Dienstag, 03. November 2009, 19:30 Uhr, Nestroyplatz 1, 1020 Wien

 

Humorvoll-satirisch setzt sich das Stück mit der Diskrepanz zwischen Weltanschauung und Lebensrealität, zwischen Denken und Handeln auseinander:

Vor dem Hintergrund des israelischpalästinensischen Konfliktes entfaltet sich eine Familiengeschichte über hehre Friedensziele, Lebenslügen und scheinbar historisch legitimierte Besitzansprüche. Die israelische, aufgeklärt liberale Familie Barnea bekennt und engagiert sich hoffnungsvoll für die Friedensbewegung in Israel und eine akzeptable Lösung für die Palästinenser, die zur Zeit der Handlung des Stücks in Camp David (2000) auf hoher politischer Ebene verhandelt wird.

 

Das Ehepaar Moris und Amalia, zwei anerkannte Wissenschaftler, zählt zur intellektuellen Linken und legte auch in der Erziehung ihrer zwei mittlerweile erwachsenen Kinder höchsten Wert darauf, die Idee von einem respektvollen, gerechten und friedlichen Zusammenleben weiterzugeben. Von der Einladung des Moses Ablini, Professor an der Yale University, in ihr Haus, verspricht sich

Moris Vorteile für seine Karriere und auch die vorerst skeptische Amalia hat recht bald Hoffnung durch seine Vermittlung einen wichtigen Fortschritt für ihr Forschungsprojekt zu schaffen. Als sich herausstellt, dass der Professor Palästinenser ist und im Kindesalter in die USA kam, verlieren die Gastgeber keine Zeit, ihre wohlwollend politische Gesinnung zu präsentieren.

 

Nicht zuletzt ausgelöst durch die Anwesenheit des Professors, treten allerdings verschiedene innerfamiliäre Konflikte zu Tage, an denen so mancher unklarer und inkonsequenter Standpunkt im nicht ganz stimmigen Konstrukt ihrer Weltanschauung ablesbar wird. Selbstkritisch weist Ilan Hatsor schon mit dem Untertitel "Small Talk" - small bedeutet im Hebräischen links oder auch die

politische Linke, das Wortspiel meint den "Talk der Linken" - auf die Floskelhaftigkeit des intellektuellen linken Diskurses der Friedensbewegung hin und entlarvt den selbstgerechten Versuch, Dinge im bloßen Reden schon geklärt zu haben, ohne Entscheidungen und Taten folgen zu lassen.

Die Geschichte eskaliert mit dem Hereinbrechen der politischen Frage der Rechte der Palästinenser in den privaten Lebensbereich der Familie. Ablini gibt sich als früherer Bewohner des prachtvollen Hauses zu erkennen und manifestiert den Wunsch nach einer symbolischen, moralischen Anerkennung durch die Familie Barnea für den verlorenen Besitz seiner Eltern.

 

Die eigene Karriere, gesellschaftliche Anerkennung und Privatbesitz stehen der konsequenten Verteidigung und realen Umsetzung ideeller Ziele und postulierter Werte gegenüber. Wenn die Illusionen zerbrechen, geht es am Ende, scheint es, immer nur um erbärmliche Dispositionen im Menschlichen. Das Stück macht deutlich, dass Grundfragen historisch belasteter Themen nicht aus der "sicheren Ecke" beurteilbar sind und wie schnell aus unbeteiligtem Politisieren zwischenmenschliche Unaufrichtigkeit entstehen kann. Der familiäre Präzedenzfall wirft die Frage auf, wie politisch das Private und wie privat Politik ist.

 

Inszenierung: Frederic Lion

Dramaturgie: Susanne Höhne

Textfassung: Eva Kerbler

Bühnenbild & Kostüme: Vanessa Achilles-Broutin

Video: PRINZGAU/podgorschek

Sound Design: Oliver Brunbauer

Lichtgestaltung: Stefan Pfeistlinger

Produktionsleitung: Deborah Gzesh

Regieassistenz: Martina Schmidt, Iris Harter

Bühnenbildassistenz:Monika Nguyen

Wissenschaftliche

Beratung: Frank Stern

 

Ensemble: Doina Weber

Fritz Hammel

Eduard Wildner

Anwar Kashlan

Isabella Wolf, Peter Gulan, Hannan Ishay, Deborah Gzesh, Ana Stefanovic,

Julia Karnel und Julian Looman

 

Spieltermine: 4. November 2009 - 12. November 2009

täglich außer Montag, 9. November

Vorstellungsbeginn jeweils 19:30 Uhr

Di, 3. November 2009

Mi, 4. November 2009

Do, 5. November 2009

Fr, 6. November 2009

Sa, 7. November 2009

So, 8. November 2009

Di, 10. November 2009

Mi, 11. November 2009

Do, 12. November 2009

Spielort: Theater Nestroyhof Hamakom,

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 17 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„Vástádus eana/The answer is land“ von Elle Sofe Sara im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Hoch im Norden Europas lebt das indigene Volk der Samen. Mit ihrer Lebensart beschäftigt sich Elle Sofe Sara in ihrem Stück „Vástádus eana/The answer is land“ jenseits folkloristischer Attitude. So…

Von: Dagmar Kurtz

Nachdenklich, Lebhaft, Wütend, Wehmütig! Ballett am Rhein: „Vier Neue Temperamente“

DIE VIER TEMPERAMENTE George Balanchine PHLEGMATIC SUMMER Michèle Anne de Mey (Uraufführung) SANGUINIC: CON BRIO Demis Volpi (Uraufführung) CHOLERIC Hélène Blackburn (Uraufführung) FROM TIME TO…

Von: Dagmar Kurtz

Hinter der Bühne

Adriana ist der gefeierte Star der Schauspielbühne. Aber auch Ruhm und Anerkennung schützen nicht davor, hintergangen zu werden. Und wenn zwei Frauen denselben Mann lieben, sind Eifersucht, Intrige…

Von: Dagmar Kurtz

Wie absurd ist das denn?

Die Volksbühne in Berlin kommt mit einer Uraufführung namens „SMAK! SuperMacho AntiKristo“ heraus, einer „hyperhybriden Hommage an den französischen Symbolisten Alfred Jarry“ und allerlei Anderes.  

Von: Stephan Knies

Zwei Außenseiter - "I am a problem" in der Deutschen Oper am Rhein: "Carmen“ "von Roland Petit und "Baal" von Aszure Barton

Der Kontrast könnte stilistisch nicht größer sein zwischen den beiden Choreografien, die an der Deutschen Oper am Rhein in „I am problem“ zu sehen sind. Und doch haben sie etwas gemeinsam, sie zeigen…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑