Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Preparadise sorry now" von Rainer Werner Fassbinder im Schauspiel Leipzig"Preparadise sorry now" von Rainer Werner Fassbinder im Schauspiel Leipzig"Preparadise sorry now"...

"Preparadise sorry now" von Rainer Werner Fassbinder im Schauspiel Leipzig

Premiere 17.10.2012, 20.00, Skala. -----

Das Vorparadies – ein Wort, das mit der Vorhölle kokettieren will. Wie das Vorparadies aussieht? Sorry, eben wie die Welt jetzt aussieht, wenn Gott und die Utopie vom Paradies auf Erden in weite Ferne gerückt sind.

„Ich finde, dass die Welt aus permanenten Grausamkeiten besteht“, meinte Rainer Werner Fassbinder, und in PREPARADISE SORRY NOW zeigt er sie uns als Reigen täglicher Erfahrung von Macht und Unterwerfung. Es sind alltägliche Situationen, knappe, grelle Szenen wie Schlaglichter in die Gesellschaft hinein, in welcher das Milieu, die Straße, die Schule oder Armee, selbst die Gefühle zum Umschlagplatz von Macht, Vorteil, Angst und Gewalt werden.

 

Wer die Mechanismen nicht nutzen kann, ist schon Opfer. Doch Fassbinder hält sich nicht nur bei dieser Behauptung auf; er spiegelt diese Szenen in der Geschichte eines realen Serienmörderpärchens, das in den 1960er Jahren in England Kinder entführte, folterte, missbrauchte und schließlich tötete. Sie taten dies im Geiste einer faschistoiden Ideologie made in Germany, die für die Doktrin vom Herrschaftsmenschen das Menschenmorden rechtfertigte. Eine äußerst suggestive Anordnung also, die es sich im 30. Todesjahr Fassbinders 2012 zu überprüfen lohnt: Ist das Leben auf Erden wirklich ein „grausames Spiel von Erhebung und Demut – Die Liturgie eines Verbrechens“? Oder schrieb Fassbinder „54 Szenen zugunsten einer zukünftigen Anarchie“? So lauteten zumindest seine beiden Vorschläge für einen Untertitel des Stücks

Anja Nioduschewski

 

mit: Rosalind Baffoe, Konstantin Bühler, Andrej Kaminsky, Linda Pöppel, Barbara Trommer, Birgit Unterweger

 

Regie: Wolfgang Maria Bauer

Bühne und Kostüme: Herbert Kapplmüller

Dramaturgie: Anja Nioduschewski

Pas de deux: Heike Hennig

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 9 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑