Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
RuhrTriennale: Eröffnungsfest, EröffnungspremiereRuhrTriennale: Eröffnungsfest, EröffnungspremiereRuhrTriennale:...

RuhrTriennale: Eröffnungsfest, Eröffnungspremiere

Am 19. August um 16.00 Uhr beginnt die neue Spielzeit der RuhrTriennale mit einem großen Kulturfest rund um die Bochumer Jahrhunderthalle. Die diesjährige Eröffnungspremiere ist Calderon de la Barcas „Das Leben ein Traum“ am 25. August in der Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck.

19. August um 16.00 Uhr: Ein Fest mit Pappeln Von vier bis vier

Wieder werden die Stars und Gäste der kommenden Spielzeit auftreten. Das Thema der diesjährigen RuhrTriennale wird am 19. August den atmosphärischen Rahmen für die längste Party des Ruhrgebiets bilden: Barock. Stegreif-Improvisation, Musik, Lesungen, ein turbulentes Unterhaltungsprogramm für Kinder und nicht zuletzt ein barockes Feuerwerk. Mit diesem Feuerwerk werden gegen Mitternacht alle Besucher nach unserem Century of Song-Auftakt empfangen. Mit Konzerten im Zelt geht es dann weiter, bis sich auch der letzte Tänzer erschöpft vom Platz vor der Jahrhunderthalle schleppt. Und schließlich gibt es noch eine Novität: Der erste Barockgarten Bochums wird dem Publikum übergeben! Allzu viel wird noch nicht verraten, aber die Pappel wird das beherrschende Thema dieser Anlage sein. Warum ausgerechnet die Pappel? Pappel leitet sich vom lateinischen ›populus‹ ab – die Römer fühlten sich durch das Rauschen der Bäume an fröhliche Volksversammlungen erinnert. Und genau das wünschen wir uns auch in Zukunft für die RuhrTriennale und die Bochumer Jahrhunderthalle.

Zur Idee des Barockgartens

 

Das wird eine Kreation ganz im Sinne der RuhrTriennale: Passend zum Leitthema der diesjährigen Spielzeit soll neben der Jahrhundert­halle auf 4.000 m² ein Barockgarten inszeniert werden, mitten in der zersplitterten Stadt-, Industrie- und Landschaftsarchitektur des Bochumer Westparks. Kein neuer Schlosspark Versailles soll dort entstehen, sondern ein öffentlicher Garten als Zitat der barocken Formensprache.

 

Beherrschendes Element wird die Pappel, die für ihr melodisches Rauschen bekannt ist. Eine der Legenden um die Namensgebung rankt sich denn auch tatsächlich um das Geräusch der Pappel: Römische Aristokraten sollen den Baum populus genannt haben, weil sie sich durch das Geräusch an fröhliche Volksmengen erinnert fühlten.

 

Auch im Französischen hatte sich das Volk als Namensgeber der Pappel durchgesetzt. Über 60.000 Freiheitsbäume, darunter vor allem die peupliers, wurden Ende des

 

18. Jahrhunderts als symbolischer Protest gegen Adel und Königshaus gepflanzt. Seitdem wird die Pappel in Frankreich offiziell als arbrede la liberté geführt, »weil ihr Name auf das Volk verweist«.

 

Umgesetzt wird die Idee zusammen mit der Stadt Bochum und dem renommierten Landschaftsarchitekten AndreasKipar und seinen Mitarbeitern. Auf dem Gelände der Jahrhunderthalle fand sich die ideale Fläche für die Inszenierung des Gartens. Seit Ende April arbeitet ein Team von Landschaftsgärtnern daran, bis zum großen Eröffnungsfest der RuhrTriennale am 19. August 311 italienische Säulenpappeln in 13 Sektoren zu pflanzen, die als Ganzes das Fragment eines typisch französischen Barockgartens bilden werden. Es entsteht also ein neuer Ort vor der Jahrhunderthalle, vielleicht ein Ort der Stille, vielleicht aber auch ein Ort an dem man liest, sich unterhält, oder an dem man sich einfach nur im Schatten der rauschenden Pappeln wohl fühlt.

 

Premiere 25. August 19:30 Uhr:

"Das Leben ein Traum": Ein Musiktheater nach Pedro Calderón de la Barca in der Fassung von Koen Tachelet mit Musik von Peter Vermeersch

Neuinszenierung

Das Leben ein Traum? Schon seine Geburt stand unter einem schlechten Stern. Prophezeit wurde ein monströses Wesen, eine Tragödie mit Mord am Vater, dem König Polens. Der Vater verbannte seinen neugeborenen Sohn in einen Turm. Nach Jahren – inzwischen seines Amtes müde – will er nun ergründen, ob sich denn nicht mit Mut und Klugheit jenes Sternenwort besiegen ließe. Über Nacht wird Sigismund zum Prinzen über Polens Reich. Herrschen soll er, probeweise. Man traut ihm zu, dass er den Stern seiner Geburt besiegt und den Fluch für immer löst. Doch es kommt anders. Im Rausch der neuen Macht verliert er die Beherrschung. Die Übergangsharmonie ist dahin. Den Diener kippt er vom Balkon, beleidigt Hof und Leute, spricht von Liebe, doch handelt mit Gewalt und holt wütend aus gegen den eigenen Vater. Das Muster eines Albtraums.

Die höfische Gesellschaft kennt kein Pardon. Sie verstößt den verfluchten Sohn ein zweites Mal. Sein Leben als Prinz wird von seinen Wächtern zur Episode verklärt, zum Traumbild. Johan Simons inszeniert Das Leben ein Traum, eines der großen Epochenstücke des spanischen Barock, als Metaphysical voller eigenartiger Spiegelungen und surrealer Perspektiven auf Verdrängtes und ausgegrenztes. Das Streben nach neuer, rationaler Weltordnung hat seinen Preis. Gezahlt wird mit barer, blutiger Münze: mit dem Ausbrach von Gewalt als langsamem Übergang in den Zustand galoppierender Anomalien.

 

Regie, Bühne: JOHAN SIMONS

Komposition, Musikalische Fassung: Peter Vermeersch

Bühne: Luc Goedertier, Freddy Schoonackers

Kostüme: Greta Goiris

Licht: Mark Van Denesse

Dramaturgie: Stefanie Carp, Koen Tachelet

 

Mit:

Kristof Van Boven, Frank Focketyn, Aus Greidanus Jr., Sanne den Hartogh, Katja Herbers, Servé Hermans, CHRISTOPH HOMBERGER, Wim Opbrouck, Betty Schuurman, Steven Van Watermeulen

Musik:

Piet Van Steenbergen (Gambe), Eriko Semba (Gambe), Dirk Moelants (Gambe), Pedro Guridi (Klarinette), Floris De Rycker (Laute), Jurgen De Bruyn (Laute), Thomas Baeté (Gambe), Anne Bernard (Gambe)

 

Veranstaltungen:

27., 29., 30. August, 1., 3., 5., 6. September

Beginn:

19:30

Spielstätte:

Maschinenhalle Zeche Zweckel

Einführungen:

25., 27. August, 1. September

Die Einführung beginnt jeweils 45 min vor Spielbeginn

Preise:

Kategorie A

40 €

Kategorie B

30 €

Kategorie C

20 €

 

Eine Produktion der RuhrTriennale in Koproduktion mit NTGent.

Diese Produktion wird gefördert von der Kunststiftung NRW.

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 26 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑