Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Süskinds „Kontrabass“ in WuppertalSüskinds „Kontrabass“ in WuppertalSüskinds „Kontrabass“ in...

Süskinds „Kontrabass“ in Wuppertal

Ab 20.1. 2006 zusätzlich im Spielplan: Süskinds „Kontrabass“ mit Thomas Braus

Die Wuppertaler Bühnen eine zusätzliche „kleine“ Schauspielproduktion am bewährten Spielort „Kirche in der City“ (in den Spielzeiten zuvor wurden dort bereits die Inszenierungen „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ sowie „Heute Abend: Lola Blau“ gezeigt) heraus.

 

Regie führt, dies sicher eine Besonderheit, Johannes Weigand, Oberspielleiter der Opernsparte und mit den Opernregien „Hänsel und Gretel“ (Premiere 28.1.) und „Hoffmanns Erzählungen“ (Premiere 18.3.) somit gleich im ersten Quartal 2006 gefordert.

Die Rolle des Kontrabassisten übernimmt Thomas Braus, der u.a. als Higgins in „My Fair Lady“, als „Woyzeck“ sowie als Petrucchio im „Diener zweier Herren“ eine tragende Rolle im Schauspielensemble der Wuppertaler Bühnen der letzten Spielzeiten spielte und spielt.

Thomas Braus spielt einen Kontrabassisten am dritten Pult eines Staatsorchesters, der zu einem Monolog über sein Leben als Opfer seines überdimensionalen Instrumentes ansetzt und dabei sich selbst immer mehr entblößt. Er besteht darauf, dass der Kontrabass das wichtigste Instrument des Orchesters sei, er rühmt seine Unentbehrlichkeit und seine Durchschlagskraft; und gleichzeitig beklagt er sich, wie lästig das Instrument doch ist durch seine Größe, seine Hässlichkeit und den Kraftaufwand, den es beim Spielen erfordert. Es stellt sich im Verlaufe des Monologs heraus, dass der Kontrabassist ein Sklave seines Instruments geworden ist: ein schlecht bezahlter, vereinsamter Mensch in einer schallisolierten Kleinwohnung – sogar der Liebesakt erscheint ihm angesichts des großen Instrumentes, mit dem ihn gleichwohl eine Beziehung verbindet, unmöglich. Seine Liebe zu einer Sopranistin ist schon durch den Kontrabass zum Scheitern verurteilt: „Zwei ganze Arien für Sopran und obligaten Kontrabass“, mehr hat er für sich in der Musikbibliothek nicht gefunden. „So ist der Kontrabass. Wenn Sie Gäste haben, spielt er sich in den Vordergrund. Alles spricht nur noch über ihn. Wenn Sie mit einer Frau allein sein wollen, steht er dabei und überwacht das Ganze. Werden Sie intim – er schaut zu...“

Patrick Süskind hat diesen herrlichen Monolog über das Leben eines vereinsamten Bassisten im Jahr 1981 geschrieben. Einen Welterfolg brachte Süskind neben dem Theatererfolg des „Kontrabaß“ sein Debüt-Roman „Das Parfüm“ (im Jahr 1985).

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 11 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ausbruch mit Jacke - Gelungener Saisonstart im Theater Pfütze in Nürnberg mit Christina Gegenbauers Dramatisierung „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“

Wenn es während der Vorstellung unwichtig wird, für welche Zielgruppe eine Theaterproduktion gemacht wurde, ist das immer ein gutes Zeichen. Mit „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“ nach dem…

Von: Stephan Knies

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑