Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Theater Bielefeld: FRANKENSTEIN von Mary W. Shelley Theater Bielefeld: FRANKENSTEIN von Mary W. Shelley Theater Bielefeld:...

Theater Bielefeld: FRANKENSTEIN von Mary W. Shelley

STREAM-PREMIERE Do. 20.05.21, Start zur Wunschuhrzeit zwischen 18 und 24 Uhr

Der ehrgeizige Medizinstudent Viktor Frankenstein weigert sich, die Grenzen der menschlichen Existenz zu akzeptieren. Mit Leichenteilen und alchemistischen Versuchen macht er sich daran, ein eigenes Wesen zu erschaffen. Und tatsächlich: In

einer stürmischen Gewitternacht in Ingolstadt erwacht sein Erzeugnis zum Leben. Erschreckt vom eigenen Werk flieht der Forscher und überlässt das Monster, wie er es ob dessen groteskem Äußeren tauft, seinem Schicksal. Das verwirrte Geschöpf sucht verzweifelt nach Akzeptanz und Zuneigung, löst aber überall nur Verwüstung und Chaos aus.

 

Mary Shelleys Roman entsteht im verregneten Sommer 1816. Die damals gerade  einmal 19-Jährige wettet mit ihren Freunden darum, wer die beste Schauergeschichte schreibt. Seitdem hat sich Frankensteins Monster tief in unserer Kulturgeschichte verankert. Vor allem sind es die mit ihm verknüpften Fragen nach Verantwortung der Wissenschaft, elterlicher Vernachlässigung, der Angst vor dem  Fremden, der Natur von Gut und Böse und dem ewigen Wunsch nach Unsterblichkeit, die den Roman zeitlos aktuell machen.

Genau diesen Fragen spürt das Regie-Duo Tuschy/Suske in ihrer ersten Inszenierung  am Theater Bielefeld nach. Mit vier Schauspieler*innen erzählen sie die Geschichte  aus der Perspektive des aufstrebenden Forschers Frankenstein – bis Zweifel aufkommen: Welche Verantwortung trägt der Schöpfer gegenüber seiner Schöpfung?  Was steckt hinter dem Monster? Und wo sind eigentlich die Mütter und Ehefrauen  in der Geschichte? Der Schauspieler Hajo Tuschy und der Musiker Jacob Suske arbeiten in ihrer Inszenierung mit einem bestechend einfachen Mittel, das großen Theaterzauber möglich  macht: In einem Miniarturtheater werden Kulissen, Orte, Landschaften, Länder live  aufgebaut und über eine Kamera auf die Bühne projiziert, die die Bühnenbildnerin  Maria Stauch mit flexiblen Gasen und Vorhängen ausgestattet hat. So verschwimmen die Realitäten der Figuren mit der, der Erzähler*innen.

Alles was auf der Bühne  passiert, entsteht durch die Hände der Schauspieler*innen. Auch die von Jacob  Suske komponierten Sounds und Musiken werden live vom vierköpfigen Ensemble  erzeugt. Ästhetisch untermauern die Kostüme von Maria Stauch diese Setzung:  Changierend zwischen Steampunk und Romantik führen Janis Kuhnt, Simon Heinle,  Leona Grundig und Brit Dehler wie eine Band durch den Theaterabend, der die  Schicksale Frankensteins, seiner Familie und dem Geschöpf zu einer kollektiven  Erzählung der zeitlosen Geschichte von Mary Shelley verwebt.

Inszenierung Tuschy/Suske  
Bühne und Kostüme Maria Strauch  
Musik Jacob Suske  
Dramaturgie Elisa Hempel  

Mit Brit Dehler, Leona Grundig, Simon Heinle, Janis Kuhnt

Die nächsten Stream-Vorstellungen: 26.05., 28.05.; weitere Termine im Juni
Tickets ab 5 € (erhältlich ab dem 12.05.): www.theater-bielefeld.de

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 13 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑